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Auf der Vollversammlung der Weltsynode im Oktober 2024 im Vatikan Auf der Vollversammlung der Weltsynode im Oktober 2024 im Vatikan  (VATICAN MEDIA Divisione Foto)

Vatikan veröffentlicht synodalen Bericht zu Armut und Ökologie

„Den Schrei der Armen hören“: Mit diesem Thema hat sich im Prozess der Weltsynode eine eigene Studiengruppe beschäftigt. Den Bericht dieser Studiengruppe hat das vatikanische Synodensekretariat nun vorgelegt.

23 Mal hat sich die Studiengruppe 2 bis Oktober 2025 via Zoom zusammengeschaltet, um über Entwicklung, soziale Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung nachzudenken. Die Teilnehmenden: Kleriker wie Laien, Theologen und Seelsorgende aus dem globalen Süden und den reicheren Ländern, angeleitet von Kardinal Michael Czerny. Der kanadische Jesuit steht der vatikanischen Behörde für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen vor.

Den Mitgliedern des Gremiums waren die Grenzen ihres Projekts eigener Aussage nach durchaus bewusst: So war beispielsweise kein Vertreter aus dem Nahen Osten dabei, und um auf die Anliegen indigener Gemeinschaften einzugehen, fehlten die Zeit und die Ressourcen. Dennoch fand die Studiengruppe zu einer Reihe von Vorschlägen und Empfehlungen, die – nach einem ersten Kapitel zur Methodologie – im zweiten Kapitel des Papiers ausgebreitet werden.


Für Gründung einer kirchlichen Behörde für Seelsorge und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen

Konkret schlägt das Dokument der Studiengruppe 2 Online-Plattformen vor, auf denen best-practice-Beispiele gesammelt werden, nach dem Vorbild der „Laudato si‘ Action Platform“. „Vertreter vulnerabler Gruppen, Frauen und Persons of color“ sollen stärker in kirchlichen Gremien vertreten sein, und für die Unterstützung indigener Völker und von Menschen, die aufgrund des Kastensystems diskriminiert werden, wird der Aufbau „regionaler und internationaler Strukturen“ vorgeschlagen. Für Mitarbeiter in der Seelsorge soll es in Fragen sozialer und ökologischer Gerechtigkeit ständige Fortbildungen geben.

Das Papier spricht sich auch für die Gründung einer zentralen kirchlichen Behörde (Observatory) für die Seelsorge und Teilhabe von Menschen mit Behinderungen aus; dafür wird eine Struktur skizziert. Aus ihr ergibt sich, dass die Behörde, für die sich auch die Synodalversammlung vom Oktober 2024 ausgesprochen hat, gemeinsam von einem Bischof und einer Person mit Behinderung geleitet werden soll.

„Der Schrei der Armen und der Schrei der Erde müssen gemeinsam, nicht getrennt voneinander angegangen werden“


Was die kirchliche Menschenrechtsarbeit betrifft, betont das Schlussdokument der Studiengruppe, dass diese mit dem Einsatz für die Umwelt zusammengedacht werden sollte. „Der Schrei der Armen und der Schrei der Erde müssen gemeinsam, nicht getrennt voneinander angegangen werden.“ Im Übrigen sei die „gelebte Erfahrung der Armen und der Erde ein locus theologicus“, mit dem sich also auch die Theologen beschäftigen müssen.

Das Papier spricht von der „Vision einer synodalen Theologie, die auf der Begegnung mit verarmten und ökologischen Gemeinschaften gründet“. Es müsse in kirchlichen Beratungsgremien auf allen Niveaus mehr Theologen geben, die aus armen, marginalisierten oder generell unterrepräsentierten Gemeinschaften stammen, und der Zugang zu theologischer Bildung für Laien, speziell für Frauen aus marginalisierten Kontexten, sei zu erleichtern. Manches von dem, was die Studiengruppe in dieser Hinsicht schreibt, erinnert an die lateinamerikanische Erfahrung mit befreiungstheologischen Basisgemeinschaften.


Für stärkere Zusammenarbeit von Laien, Ordensleuten und Geweihten

Der Bericht der Studiengruppe setzt generell auf eine stärkere Zusammenarbeit von Laien, Ordensleuten und Geweihten. Arme Menschen dürften nicht als Objekte, sondern sollten als „aktive Subjekte der Evangelisierung“ gesehen werden. Die Rolle des Zuhörens müsse im kirchlichen Einsatz auf sozialem und ökologischem Gebiet viel wichtiger genommen werden als bisher; und dazu seien persönliche Begegnungen entscheidend.

Die katholische Weltsynode war 2021 vom damaligen Papst Franziskus auf den Weg gebracht worden. Ihr Motto: „Gemeinschaft, Teilhabe, Sendung“. Ziel des Prozesses war es, ein neues Miteinander in der Kirche zu entwickeln. Die zweite große Vollversammlung des synodalen Prozesses fand im Oktober 2024 im Vatikan statt. Derzeit läuft die Umsetzungsphase des Beschlossenen. Sie soll im Herbst 2028 in eine „Kirchliche Versammlung“ münden. Der synodale Prozess wird auch nach dem Tod von Papst Franziskus 2025 von seinem Nachfolger Leo XIV. fortgesetzt.


Zuletzt war am 10. März der Bericht der Studiengruppe 5 zur Rolle von Frauen in der Kirche veröffentlicht worden. In den an diesem Dienstag vorgelegten Bericht „Den Schrei der Armen hören“ sind nicht nur die Ergebnisse der Synodenberatungen eingegangen, sondern auch Beiträge, die an das Synodensekretariat geschickt worden waren. Die Studiengruppe hatte mit Fragebögen in fünf Sprachen um Beiträge und Ideen gebeten. Der Bericht soll als Arbeitsgrundlage für die weiteren synodalen Prozesse dienen. Er ist in mehreren Sprachen auf der offiziellen Webseite des Synoden-Sekretariats zugänglich.

(vatican news)

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24. März 2026, 13:43