Vatikan definiert anglikanisches Erbe in der katholischen Kirche
Mario Galgano - Vatikanstadt
Die Grundlage für diese besonderen Strukturen bildet die 2009 von Papst Benedikt XVI. erlassene Konstitution Anglicanorum coetibus. Sie ermöglicht es Gruppen ehemaliger Anglikaner, in die volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche unter dem Papst zu treten, während sie gleichzeitig wesentliche Elemente ihrer liturgischen und spirituellen Tradition beibehalten.
Kardinal Víctor Manuel Fernández, Präfekt des Dikasteriums, lud die Bischöfe der Ordinariate – deren Gebiete sich von Europa über Nordamerika bis nach Ozeanien erstrecken – dazu ein, die gelebte Erfahrung dieses Erbes zu beschreiben. Ziel sei es aufzuzeigen, wie diese Traditionen die katholische Kirche bereichern.
Sieben Kernmerkmale der Identität
Das Dokument identifiziert sieben spezifische Merkmale, die den „kirchlichen Ethos“ dieser Gemeinschaften prägen. Zunächst geht es um den kirchlichen Ethos als eine Kultur der Zusammenarbeit zwischen Klerus und Laien in der Leitung der Kirche.
Dann wird die Evangelisierung durch Schönheit betont, als Überzeugung, dass sakrale Musik, Kunst und Liturgie keine Selbstzwecke seien, sondern Menschen zu Gott führten. Ein weiterer Punkt betrifft der Dienst an den Armen. Dabei wird eine „inkarnatorische Theologie“ hervorgehoben, die den Gottesdienst direkt mit dem sozialen Engagement im Umfeld verknüpfe.
Die Pastorale Kultur werde durch das gemeinschaftliche Stundengebet geprägter, fast klösterlicher Rhythmus des Gemeindealltags. Es wird auch die Familie als Hauskirche hervorgehoben und die Rolle der Eltern als primäre Glaubensvermittler und die Ausrichtung des Gemeindelebens auf die Unterstützung von Familien betont.
Was die Schrift und Predigt betrifft, so gebe es eine starke Tradition der biblisch fundierten Predigt, die die intellektuelle Formation der Gläubigen als Teil der Seelsorge begreife. Und ein letzter Punkt betrifft die geistliche Begleitung als eine Tradition der Seelsorge, die der individuellen Begleitung und dem Sakrament der Buße Zeit einräume.
Bedeutung für die Zukunft
In dem Text wird betont, dass dieses Erbe keine statische Erinnerung an die Vergangenheit darstellt, sondern eine lebendige Realität, die sich organisch weiterentwickelt. Die Ordinariate werden als ein Ausdruck der Inkulturation des Evangeliums beschrieben. Wie Kardinal Fernández hervorhob, erhält die Kirche durch diesen Prozess „ein neues Gesicht“, wobei die katholische Einheit durch die Vielfalt der Ausdrucksformen gestärkt wird.
Das Dokument schließt mit der Feststellung, dass die Würde der Person und die soziale Sorge für die Armen in diesem Erbe direkt aus dem Geheimnis der Menschwerdung Christi fließen.
(vatican news)
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