Italien: Kardinal Parolin feiert 100 Jahre Militärseelsorge
Mario Galgano und Daniele Piccini - Vatikanstadt
Das 1926 gegründete Ordinariat blickt auf ein Jahrhundert der geistlichen Begleitung von Soldaten und ihren Familien zurück. In seiner Predigt bezog sich Parolin auf das Evangelium nach Matthäus und die Kritik Jesu an den Pharisäern. Er mahnte, dass christliche Autorität sich stets im Dienst ausdrücken müsse. Für die Militärkapläne bedeute dies eine „stille Konsequenz“: die Fähigkeit zuzuhören, ohne zu urteilen, und beizustehen, ohne einzudringen.
„In einem militärischen Kontext, der bereits von Disziplin und schweren Verantwortungen geprägt ist, darf die kirchliche Präsenz keine zusätzlichen Lasten aufbürden“, erklärte der Kardinalstaatssekretär. Der Kaplan solle vielmehr ein „Raum zum Aufatmen“ sein, ein Begleiter, der das Gewissen erleuchtet, damit Gehorsam nicht zur Verantwortungslosigkeit und Disziplin nicht zum moralischen Automatismus werde.
Das Gewissen als „heiliger Raum“
Unter Berufung auf das Zweite Vatikanische Konzil (Gaudium et Spes) bezeichnete Parolin das Gewissen als den „verborgensten Kern und das Heiligtum des Menschen, wo er allein mit Gott ist“. In den schwierigen Einsatzgebieten der Soldaten – geprägt von der Angst vor Gefahr und dem Schmerz des Opfers – sei die diskrete Gegenwart des Kaplans ein konkretes Zeichen der Mütterlichkeit der Kirche.
Besonders in Kriegsszenarien sei es entscheidend, das „militärische Gewissen“ zu pflegen: „Das Gewissen ist der entscheidende Ort, an dem sich der Respekt vor der Menschenwürde entscheidet, selbst im Herzen eines Konflikts.“
Gebet für die Soldaten im Auslandseinsatz
Zum Abschluss der Liturgie richtete auch der Militärordinarius Gian Franco Saba das Wort an die Gemeinde. Er widmete sein Gebet besonders den Soldaten, die derzeit in internationalen Missionen fern der Heimat im Einsatz sind, sowie den Verletzten und den Staatsführern, die über den Frieden entscheiden.
Kardinal Parolin schloss mit dem Wunsch, dass der Herr „die Waffen schweigen lasse“ und der Dienst der Militärseelsorge ein glaubwürdiges Zeichen für Gerechtigkeit und Frieden in einer zerrissenen Welt bleibe.
(vatican news)
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