Im Petersdom Im Petersdom  (ANSA)

Vatikan: Petersdom setzt auf „kreative Treue“ und KI-Innovation

An diesem Montag hat der Vatikan das umfangreiche Programm zum 400. Jahrestag der Weihe des Petersdoms (1626–2026) vorgestellt. Kardinalerzpriester Mauro Gambetti präsentierte im vatikanischen Pressesaal eine Vision, die historische Erinnerung mit modernster Technologie verbindet: Von einer KI-gestützten Übersetzungs-App in 60 Sprachen bis hin zu einer neuen digitalen Schriftart, die auf der Handschrift Michelangelos basiert.

Mario Galgano - Vatikanstadt

„Ein solches Jubiläum ist immer eine Gelegenheit, das Gedächtnis zu fördern und ein historisches Ereignis zu aktualisieren“, erklärte Kardinal Gambetti vor Journalisten. Die heutige Basilika, die 1626 nach über einem Jahrhundert Bauzeit geweiht wurde, ersetzte das baufällige konstantinische Vorgängergebäude. Während Papst Julius II. Alt-St. Peter im 16. Jahrhundert noch abreißen wollte, um neu zu bauen, könne Papst Leo XIV. heute dank moderner Technik „erneuern, ohne zu zerstören“, so der Kardinal.

Zum Nachhören - was bei der Pressekonferenz gesagt wurde

Die Basilika als digitales Ökosystem

Im Mittelpunkt der Feierlichkeiten steht das Projekt „Oltre il visibile“ (Jenseits des Sichtbaren), das in Zusammenarbeit mit dem italienischen Energiekonzern Eni realisiert wird. Durch ein integriertes Monitoring-System mit Sensoren und modernster Scantechnologie soll der Zustand des Bauwerks ständig überwacht werden.

Besondere Gefährdungen

Die umfangreichen Untersuchungen im und unter dem Petersdom ergaben, dass die Basilika wegen ihres uneinheitlichen Untergrunds und durch den enormen Besucherandrang besonderen Gefährdungen ausgesetzt ist. Eine derart umfassende Untersuchung und Überwachung des Petersdoms hat es noch nie gegeben, wie Eni-Sprecher Claudio Granata am Montag betonte.  

Sichtbare Risse, auch in einem der großen Vierungspfeiler, auf denen die große Kuppel von Michelangelo mit einem Gesamtgewicht von 14.000 Tonnen ruht, wurden erstmals bereits im 17. Jahrhundert dokumentiert. Auch in den folgenden Jahrhunderten wurden immer wieder Veränderungen im Mauerwerk beobachtet. Mit dem neuen Monitoring sind laut Angaben von Eni Veränderungen selbst im Millimeter-Bereich erfassbar.

Schäden im Deckengewölbe

In den vergangenen Jahren hatte es vereinzelte Berichte über Schäden im Deckengewölbe gegeben, insbesondere als Folge von Erdbeben. Rom liegt am Rand sehr aktiver Erdbebenregionen Mittel- und Süditaliens.

Für Besucher wird die Basilika nun interaktiver: Ein neues „digitales System“ werde es Pilgern aus aller Welt ermöglichen, tiefer in die Geschichte und Architektur einzutauchen, so die Verantwortlichen bei der Pressekonferenz an diesem Montag. Damit verbunden sei ein neues Buchungssystem in Echtzeit, das den Zugang steuert und Wartezeiten minimiert. Diese Ernerung wurde als „digitales Ökosystem“ vorgestellt.

Die Basilika St. Peter in Rom wurde vor 400 Jahren, am 18. November 1626, von Papst Urban VIII. nach einer Bauzeit von 120 Jahren geweiht. Aus Anlass dieses Jubiläums sind zahlreiche liturgische und kulturelle Veranstaltungen im Vatikan geplant. Höhepunkt und Abschluss ist ein feierlicher Papst-Gottesdienst am 18. November 2026.

Ein besonderes Highlight sei das Projekt „Michelangelus“, so Kardinal Gambetti. Es handele sich um einen neuen digitalen Zeichensatz (Font), der durch das Studium der Original-Handschriften von Michelangelo Buonarroti entwickelt wurde. Besonders die Zahlen seien „wahre Kunstwerke“, hieß es bei der Vorstellung. Der Font soll künftig kostenlos in Microsoft-Office-Paketen integriert werden.

Neue Angebote für Gäste im Petersdom
Neue Angebote für Gäste im Petersdom   (ANSA)

Neue Services für Pilger und spirituelle Highlights

Um den Besucheransturm besser zu bewältigen und die Sicherheit zu erhöhen, führt die Dombauhütte (Fabbrica di San Pietro) einen „Smart Pass“ zur Steuerung des Besucherflusses ein. Zudem wird das Serviceangebot erweitert. Dazu werde das Angebot an Kulinarik und Aussicht ausgeweitet. Der Gastronomiebereich auf der Terrasse des Doms wird - wie bereits vor einigen Wochen angekündigt - vergrößert. Es sollen auch exklusive Einblicke angeboten werden. Dabei gehe es um Bereiche der Basilika, die bisher für die Öffentlichkeit unzugänglich waren und die nun geöffnet werden sollen. Und die wohl zukunftsweisendste Erneuerung betrifft die KI-Unterstützung: Eine neue App soll Simultanübersetzungen liturgischer Texte in 60 Sprachen anbieten, unterstützt durch Künstliche Intelligenz.

Im Einzelnen bedeutet das, dass die gesamte Terrasse der Basilika begehbar wird. Um die Besucherströme besser zu verteilen, werden die sanitären Anlagen und Gastronomiebereiche flächenmäßig vergrößert. Außerdem können Besucher in den drei „Apsisfächern“ permanente Multimedia-Ausstellungen besichtigen. In Zukunft werden auch die großen Pavillons der Gregorianischen und Clementinischen Kuppeln geöffnet, mit speziellen Ausstellungen für Kinder und thematischen Sektionen zu den Kunstwerken des Doms. Die „Sale Ottagone“ (Achteck-Säle) werden zugänglich gemacht. Dort sind unter anderem die historischen Holzmodelle der Basilika von Antonio da Sangallo sowie Michelangelos Entwurf der Kuppel zu sehen.

Ein Ort, um auch geistig zu tanken
Ein Ort, um auch geistig zu tanken   (ANSA)

Sicherheit gewährleisten, ohne zu übertreiben

Nach einigen Vorfällen von Regelverstößen in der Basilika in letzter Zeit befragt, antwortete der Generalvikar des Papstes für die Vatikanstadt und Präsident der Fabbrica di San Pietro auf Journalistenanfrage: „Im letzten Jahr sind über 20 Millionen Menschen in die Basilika gekommen: Was geschehen ist, war sehr begrenzt.“ Bei der Pressekonferenz betonte der Kardinal darüber hinaus „die gesamte präventive Tätigkeit, die bereits außerhalb der Basilika beginnt, und die proaktive Arbeit im Inneren dank der Präsenz von etwa 60 Personen im Aufsichtsdienst. Es gibt bereits eine umfassende Arbeit, die Früchte trägt, und wir denken darüber nach, die Schutzmaßnahmen für einige Bereiche zu verstärken“.

„Wir haben uns auch die Frage nach der Grenze einer ‚Militarisierung‘ gestellt, um alles zu kontrollieren“, fügte Gambetti hinzu. „Wir sind der Meinung, dass die Basilika ein Ort bleiben muss, der den Menschen, die sie betreten, ein Gefühl der Freiheit vermittelt. Über gewisse Grenzen kann man nicht hinausgehen.“

Was die vorgefallenen Ereignisse betrifft, müsse man laut dem Kardinal „die Situationen der Menschen berücksichtigen, die solche Handlungen tatsächlich begehen. Es gibt Formen von Zerbrechlichkeit, die außerhalb jeder Vorstellung liegen, selbst im Vergleich zu vor zwanzig Jahren. Man muss versuchen, eine Schwäche zu verstehen und zu integrieren, die in unserer Gesellschaft vorhanden ist.“

„Nachahmung" sei eines der Probleme, mit denen unsere Gesellschaft heute lebe, erklärte Gambetti weiter. „Heute gibt es Tutorials für alles. Es setzt sich in der allgemeinen Mentalität fest, dass man etwas über das lernt, was gepostet wird. Wir glauben, die Technologie zu benutzen, aber in Wirklichkeit benutzt die Technologie uns.“

Liturgischer Kalender und Kunst

Im Verbund mit den technischen Neuerungen werde jedoch auch die spirituelle Dimension nicht zu kurz kommen, hieß es. Bereits am 20. Februar wird ein neuer Kreuzweg des Schweizer Künstlers Manuel Dürr eingeweiht. Jeden Samstagnachmittag finden künftig musikalische Andachten mit polyphonen Gesängen am Kathedra-Altar statt. Den wissenschaftlichen Rahmen bilden drei thematische Konferenzen („Lectio Petri“) im März, Mai und Oktober.

Die Feierlichkeiten zum 400-jährigen Jubiläum werden am 18. November 2026 mit einer feierlichen Messe unter dem Vorsitz des Papstes ihren Abschluss finden.

(vatican news)

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16. Februar 2026, 13:01