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Manfred Lütz Manfred Lütz 

„Global Player der Ethik“: Lütz über die Rolle des Heiligen Stuhls in der Weltgesundheit

Nach der Generalversammlung der Päpstlichen Akademie für das Leben zieht das deutsche Mitglied Manfred Lütz eine positive Bilanz. Im Gespräch erläutert der Psychiater und Theologe, warum der Heilige Stuhl als unabhängiger Akteur in der Weltmedizin unverzichtbar ist – von der gerechten Verteilung von Medikamenten bis hin zum Widerstand gegen die Ökonomisierung des Sterbens.

Mario Galgano - Vatikanstadt

Das Thema der diesjährigen Versammlung traf den Nerv der Zeit: Gesundheitsversorgung für alle, Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit. Manfred Lütz, der seit 28 Jahren Mitglied der Akademie ist, bezeichnete die Tagung als eine der spannendsten seiner Amtszeit. Besonders der Austausch mit Wissenschaftlern aus dem globalen Süden habe verdeutlicht, wie krass die Schere auseinandergeht. „Während wir hochkomplexe Medizin haben, reicht in Afrika manchmal ein Euro, um Unglaubliches für Menschen zu erreichen“, so Lütz.

Zum Nachhören - was Manfred Lütz sagt

Unabhängigkeit als höchstes Gut

Ein zentraler Punkt für Lütz ist die Autonomie des Vatikans gegenüber wirtschaftlichen Interessen. Im Gegensatz zu vielen medizinischen Kongressen werde die Arbeit der Akademie nicht von Pharmaunternehmen gesponsert. „Das ist ein Pfund, mit dem der Vatikan agieren kann: Er ist unabhängig. Man hört hier nicht das, was Pharmaunternehmen gerne hören wollen“, betont Lütz.

Diese Unabhängigkeit ermögliche eine fruchtbare Zusammenarbeit mit Organisationen wie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und dem Weltärztebund. Besonders im Bereich der Prävention leiste die Kirche einen praktischen Beitrag: In Regionen Afrikas, in denen Misstrauen gegenüber westlichen Konzernen herrscht, sei die Kirche vor Ort eine Vertrauensinstanz, die etwa Impfkampagnen erst zum Erfolg führe.

Widerstand gegen den „Absturz der Humanität“

Ein Schwerpunkt des Gesprächs war die weltweit geführte Debatte über den assistierten Suizid. Lütz warnt davor, dass eine gesetzliche Erlaubnis zur Selbsttötung einen enormen moralischen Druck auf Alte und Behinderte ausüben könnte. Das habe bereits das ehemalige Akademiemitglied Professor Robert Spaemann erkannt: Wenn der Suizid zur staatlich begleiteten Option werde, entstehe für Kranke fast eine „moralische Pflicht“, die Gesellschaft und Angehörige durch das eigene Ausscheiden zu entlasten, zitiert Lütz den 2018 verstorbenen deutschen Philosophen und Theologen.

„Wenn dahinter immer steht: ‚Bist du eigentlich noch effektiv für die Gesellschaft?‘, dann ist das ein Absturz an Humanität“, warnt Lütz. Hier fungiere der Vatikan als „Global Player“, der ethische Prinzipien anmahne, die auch über den christlichen Bereich hinaus Gehör finden. Dass die Akademie heute auch jüdische und muslimische Mitglieder hat, unterstreiche diesen weiten, wissenschaftlich fundierten Horizont.

Brückenschlag zur Politik

Trotz der christlichen Fundamente gehe es in der Akademie nicht um „Beweihräucherung in einem Salon“, sondern um harte wissenschaftliche Ergebnisse. Papst Franziskus habe dafür gesorgt, dass die Türen weit offenstehen, um katholische Prinzipien in einer nicht-katholischen Welt zu kommunizieren.

Lütz schloss mit einem Verweis auf Papst Paul VI., für den Politik eine der höchsten Formen der Nächstenliebe war. „Wir müssen bei der Politik auch landen mit unseren Thesen und können die nicht einfach in der Sakristei lassen“, so Lütz. Nur so könne die Kirche dazu beitragen, dass Gesundheit nicht zum Privileg der Reichen wird.

(vatican news)

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19. Februar 2026, 12:15