Vatikan fordert Vorrang des humanitären Völkerrechts
„Jeder Krieg stellt ein moralisches und menschliches Versagen dar“, erklärte Gallagher, der beim Heiligen Stuhl auch die Agenden des Multilateralismus betreut. „Weit über das Prinzip der legitimen Verteidigung hinaus beherrscht eine solche Konfrontationslogik inzwischen die Weltpolitik und vertieft Tag für Tag Instabilität und Unvorhersehbarkeit.“ Diese Entwicklung zwinge Menschen dazu, in ständiger Angst zu leben.
Mit einem Zitat von Papst Leo XIV. sagte Gallagher: „Der Friede existiert; er will in uns wohnen. Die Aufgabe besteht nicht darin, ihn zu schaffen, sondern ihn aufzunehmen und zuzulassen, dass er uns entwaffnet.“ Der Heilige Stuhl rufe alle Beteiligten auf, den politischen Mut zu zeigen und „aufrichtige und inklusive diplomatische Kanäle“ zu öffnen.
Gallagher verlangte konkrete Schritte wie humanitäre Feuerpausen und ernsthafte Verhandlungen. Verantwortungsträger sollten Vertrauen aufbauen und Verpflichtungen verlässlich erfüllen. Die OSZE könne dabei eine besondere Rolle spielen, etwa durch Maßnahmen zur Linderung menschlichen Leids.
Zugleich griff der Erzbischof eine Sorge von Papst Leo XIV. auf: „… im Einklang mit dem humanitären Völkerrecht. Dies darf nicht von bloßen Umständen oder von militärischen und strategischen Interessen abhängen.“ Weiter sagte er: „Das humanitäre Völkerrecht ist neben der Gewährleistung eines Mindestmaßes an Menschlichkeit in den Verwüstungen des Krieges eine Verpflichtung, die Staaten eingegangen sind. Dieses Recht muss immer über den Ambitionen der Kriegführenden stehen, um die verheerenden Auswirkungen des Krieges zu mindern, auch im Hinblick auf den Wiederaufbau.“
(vatican news – gs)
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