Kubas Bischöfe sagen Ad-Limina-Besuch vorerst ab
Mario Galgano - Vatikanstadt
Eigentlich hätten die Oberhirten vom 16. bis zum 20. Februar mit Papst Leo XIV. und Vertretern der Kurie zusammenkommen sollen. Doch „angesichts der Verschärfung der sozioökonomischen Situation im Land, die so viel Instabilität und Ungewissheit erzeugt“, bat die Bischofskonferenz den Pontifex um einen Aufschub. In einer offiziellen Note bekräftigten die Bischöfe jedoch ihre „tiefe Verbundenheit und Gemeinschaft mit dem Nachfolger Petri“.
US-Dekret löst Versorgungsstopp aus
Hintergrund der Absage ist ein Dekret von US-Präsident Donald Trump. Dieser hatte den nationalen Notstand im Hinblick auf Kuba erklärt und das Land als Bedrohung für die Sicherheit der Vereinigten Staaten eingestuft. Das Dekret ermöglicht es Washington, zusätzliche Zölle gegen jene Länder zu verhängen, die Erdöl nach Kuba liefern.
Die Folgen für die kubanische Bevölkerung sind verheerend: Treibstoff ist kaum noch verfügbar, der öffentliche Nahverkehr und zahlreiche Flugverbindungen sind eingestellt. Das Land steht vor einem energetischen Kollaps.
Warnung vor sozialem Chaos
Die Bischöfe hatten bereits Ende Januar in einer eindringlichen Botschaft an „alle Kubaner guten Willens“ vor den Folgen des Energieblocks gewarnt. Sie sehen das reale Risiko von sozialem Chaos und Gewalt. In einer Realität, in der „Angst und Verzweiflung zugenommen haben“, müsse alles getan werden, um weiteres Leid von Armen, Kranken, Senioren und Kindern abzuwenden.
Der Appell des Pontifex
Auch das Oberhaupt der Weltkirche zeigte sich alarmiert. Beim Angelus-Gebet am 1. Februar drückte der Bischof von Rom seine „große Sorge“ über die Spannungen zwischen Kuba und den USA aus. Er schloss sich der Botschaft der Bischöfe an und rief alle Verantwortlichen dazu auf, einen „aufrichtigen und wirksamen Dialog“ zu führen. Es müsse jede Aktion vermieden werden, die das Leid des „geliebten kubanischen Volkes“ vergrößere.
Erst am 6. Februar hatten die kubanischen Bischöfe betont, wie sehr sie auf eine Stärkung ihres Glaubens durch diesen Besuch hofften. Sie wollten dem Pontifex versichern, dass die Türen ihrer Heimat für einen möglichen Papstbesuch jederzeit offen stünden – eine Einladung, die nun vorerst hinter der Bewältigung der existenziellen Krise im eigenen Land zurückstehen muss.
Hintergrund: Was ist ein „Ad-Limina-Besuch“?
Alle fünf bis sieben Jahre sind katholische Bischofskonferenzen dazu gehalten, nach Rom zu reisen (Ad limina apostolorum – „An die Schwellen der Apostelgräber“). Dabei berichten sie dem Papst über den Zustand ihrer Diözesen und tauschen sich über pastorale und politische Herausforderungen aus. Für die kubanische Delegation wäre es das erste Treffen mit dem neuen Papst Leo XIV. gewesen.
(vatican news)
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