Kardinal Ouellet spricht von einer zukunftsweisenden Entscheidung für die Gemeinschaft der Kirche. Kardinal Ouellet spricht von einer zukunftsweisenden Entscheidung für die Gemeinschaft der Kirche.  (ANSA)

Laien in Spitzenpositionen der Kurie: Ein Kommentar von Kardinal Ouellet

In einem Artikel reflektiert der emeritierte Präfekt des Dikasteriums für die Bischöfe über die Rolle von Laien und Ordensfrauen, die zu Leitungsaufgaben in den Dikasterien der Römischen Kurie berufen werden: eine Entscheidung, die überdacht werden sollte, oder ein ekklesiologischer Fortschritt? Seine Antwort: Die durch Papst Franziskus erstmals verfügten Ernennungen von Laien in Spitzenpositionen waren „zukunftsweisend“.

Werde dadurch doch der Weg zur Anerkennung der Autorität der Charismen, der Gaben des Heiligen Geistes, geöffnet. Außerdem unterstützten sie dabei, das durch Klerikalismus beschädigte Bild der pastoralen Autorität wiederherzustellen, so Ouellet.

Er erinnert daran, dass das Zweite Vatikanische Konzil die Sakramentalität des Episkopats als eigene Stufe des Weihesakramentes bekräftigt habe, in Verbindung mit den Aufgaben zu lehren, zu heiligen und zu leiten. Hieraus resultiere die Kritik an den Ernennungen von Laien durch Papst Franziskus und das „Unbehagen gegenüber einer päpstlichen Entscheidung, die man respektiert, aber vielleicht als provisorisch betrachtet“. Doch die Aussage des Konzils bedeute nicht, „dass das Weihesakrament die ausschließliche Quelle jeder Leitung in der Kirche wäre“, so der frühere Präfekt.

Kompetenzen anderer Art notwendig

Leitung geschehe nicht nur aus dem Amt heraus, sondern auch aus den Charismen, die der Heilige Geist schenkt. Diese müsse die Kirche anerkennen und in ihre Sendung integrieren, betont Ouellet in seinem Artikel weiter. Eine charismatische Leitung solle die hierarchische Leitung zwar nicht ersetzen, aber in bestimmten Bereichen sei „die sakramentale Weihe nicht notwendig“, während „sogar Kompetenzen ganz anderer Art notwendig“ seien. Beispielhaft listet emeritierte Kurienkardinal die Kommunikation, die Personalverwaltung, der Verwaltung der Justiz, kulturelle und politische Urteilsbildung, die Finanzverwaltung oder den ökumenischen Dialog. Eine „untergeordnete Position des geweihten Amtsträgers“ wäre in diesen Bereichen „weder unpassend noch bestreitbar“.

Wichtig ist dem Kardinal dabei: Wenn der Papst eine Frau oder einen Laien an die Spitze eines Dikasteriums beruft, ist das keine willkürliche Delegation, sondern eine Einbindung in den Rahmen der päpstlichen Jurisdiktion – abgesichert durch die Autorität des Heiligen Vaters.

Ouellets Schlüsselbegriff ist der Heilige Geist. Er sieht eine schwache Pneumatologie, zu wenig Aufmerksamkeit für das konkrete Wirken des Heiligen Geistes in der Kirche. Daher plädiert er für einen erneuerten Dialog zwischen Theologie und Kirchenrecht, damit sich ein „Recht der Gnade“ entfalten könne: „Bis hin zur Freiheit, charismatische Personen, Laien oder Ordensleute, in Autoritätspositionen an der Römischen Kurie und in diözesanen Verwaltungen zu integrieren. Dies ist bereits an vielen Orten der Fall und nicht nur aus Gründen des Klerikermangels.“

Hilfe für den Dienst der Kirche

Das Fazit des langjährigen Kurienkardinals ist eindeutig: Die Berufung von Laien und Ordensleuten in Leitungsämter sei kein provisorischer Schritt, der revidiert werden müsse. Sie helfe vielmehr gegen „eine verschlossene Mentalität, die den Leitungsdienst in Kategorien von Macht denkt und unfähig ist, Charismen gemäß ihrem eigenen Grad an Autorität zu würdigen“.

Der kanadische Kardinal Marc Ouellet hatte verschiedene Kurienämter inne, von 2010 bis 2023 war er Präfekt des Dikasteriums für die Bischöfe. Paolo Ruffini, aktueller Präfekt des Dikasteriums für Kommunikation, war der erste Laie in einer solchen Position. Papst Franziskus ernannte ihn im Jahr 2018. Ernennungen von Ordensfrauen in leitender Funktion in anderen Dikasterien folgten. Seit März 2025 ist beispielsweise Schwester Raffaella Petrini Präsidentin des Governatorats des Staates der Vatikanstadt. Leo XIV. verankerte die von seinem Vorgänger vorgenommene Änderung strukturell und öffnete die Leitung der Verwaltung des Vatikanstaates potentiell auch für Laien ohne Ordensgelübde.

(vatican news – bp)

Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen.

16. Februar 2026, 13:58