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Bischof Varden in der Capella Paolina Bischof Varden in der Capella Paolina  (@Vatican Media)

Fastenexerzitien: Wahrheit und Versuchung

Am Dienstag und Mittwoch wurden die Fastenexerzitien in der Paulinischen Kapelle für Papst Leo XIV. und die Römische Kurie fortgesetzt. Der norwegische Trappistenmönch und Bischof von Trondheim, Erik Varden, sprach dabei über die Wahrheit sowie über die Realität von Versuchung, Fall und Korruption.

In der fünften Betrachtung zum Thema „Der Glanz der Wahrheit“ rief Varden zur Wachsamkeit gegenüber Versuchungen auf. Erneut zitierte er Bernhard von Clairvaux: Demnach lebe niemand auf der Erde ohne Versuchungen; „wenn jemand zufällig von einer befreit ist, kann er sicher eine andere erwarten“.

Ehrgeiz sei die „Verneinung der Wahrheit“ – „eine nicht sehr subtile Form der Habsucht, Mutter der Heuchelei. Er lässt die Tugenden rosten, die Heiligkeit verfaulen, die Herzen erblinden“. Für den Abt von Clairvaux entstehe er aus einer „Entfremdung des Geistes“, einem „Wahnsinn, der sich zeigt, wenn man die Wahrheit vergisst“.

„Ein Leib, der sich langsam bewegt“

Der christliche Wahrheitsanspruch werde nur glaubwürdig, wenn er sich in gelebter Heiligkeit zeige. Die Kirche müsse dazu ihre eigene Sprache bewahren, so der Fastenprediger vor Papst und Kurie.

Varden warnte vor der Versuchung, „mit den Moden der Welt Schritt zu halten“. Die Kirche sei „ein Leib, der sich langsam bewegt: Sie liefe Gefahr, sich nicht saisongemäß zu schmücken und sich mit dem Jargon von gestern auszudrücken.“ Der Weg bestehe darin, ihre eigene Sprache zu sprechen, „die der Bibel und der Liturgie, ihrer Väter und Mütter, Dichter und Heiligen, die auch heute noch geboren werden“ – damit sie „imstande bleibt, ewige Wahrheiten neu zu verkünden“. So werde sie aktuell bleiben und könne auch heute wie in der Vergangenheit Orientierung geben.

Sturz, Korruption und geistliche Reife

Die sechste Meditation stand im Zeichen des Psalmwortes „Tausend fallen an deiner Seite“. Varden unterschied zwischen Stürzen, die zur Demut und Umkehr führen können, und solchen, die Zerstörung nach sich ziehen. Mit Blick auf kirchliche Korruption und Missbrauch sprach er von Wunden, die Gerechtigkeit und Tränen verlangten. „Die schrecklichste Krise der Kirche wurde nicht durch den Widerstand der Welt verursacht, sondern durch kirchliche Korruption. Die zugefügten Wunden werden Zeit brauchen, um zu heilen.“

„Wunden, die Zeit brauchen, um zu heilen“

Eine säkulare Mentalität benenne angesichts einer Katastrophe meist nur Monster und Opfer. „Die Kirche besitzt – wenn sie sich daran erinnert, sie zu gebrauchen – feinere und wirksamere Werkzeuge.“ Der Trappist warnte zudem vor jeder Form von Dualismus zwischen geistlicher und konkreter Dimension. „Das geistliche Leben ist kein Zusatz zum übrigen Dasein. Es ist seine Seele.“

Noch bis Freitag, 27. Februar, hören der Papst und die obersten Kurienvertreter zweimal täglich Meditationen des norwegischen Bischofs Erik Varden, selbst Mitglied des Dikasteriums für den Klerus. Ort ist die Cappella Paolina im Apostolischen Palast.

(vatican news – bp)

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25. Februar 2026, 14:31