„Gott ist keine Notrufnummer“
Der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs sei in Christus „inkarniertes Mitgefühl“ geworden, das unterscheide ihn vom „Unbewegten Beweger“ der Philosophen. Allerdings sei die Hilfe Gottes „auch kein Notruf, wenn das Haus brennt oder jemand vom Auto angefahren wird“, so der norwegische Bischof in seiner dritten Fastenbetrachtung.
Varden, den sich Papst Leo XIV. als diesjährigen Fastenprediger ausgesucht hat, ging auch auf die Fälle ein, in denen Gott scheinbar nicht auf das Schreien der Bedrängten hört. „Die biblische Gestalt dafür ist Hiob, der von der Klage bis zu einer unerwarteten Erfahrung der Gnade gelangt. Hiob akzeptiert nicht die Erwägungen seiner Freunde. Er ist dazu entschlossen, Gott in der Bedrängnis zu finden.“
Für Glaubende sei die Religion etwas anderes als eine „Schadensversicherung“. „Wie gehe ich Prüfungen an, die sinnlos wirken, die meine Sicherheitsbarrieren niederreißen?“, fragte der Fastenprediger.
Am Dienstagmorgen widmete er seine Meditation dann dem Thema Freiheit aus christlicher Sicht. Dabei gehe es nicht darum, „die Welt mit Gewalt zu erobern, sondern sie mit gekreuzigter Liebe zu lieben“. Es sei auffällig, wie heute in Europa „eine Vielzahl politischer Anliegen den Jargon der Freiheit für sich nutzen und damit Spannungen hervorrufen“. Was ein Teil der Gesellschaft als „befreiend“ empfinde, werde von anderen als unterdrückend empfunden. „Es entstehen gegensätzliche Fronten, wobei alle Seiten die Fahne der Freiheit hochhalten“, beobachtete der Bischof.
Die Fastenexerzitien haben am Sonntagabend begonnen. Sie finden in der Paulinischen Kapelle im Apostolischen Palast statt, Teilnehmer sind der Papst und die Führungskräfte der Kurie. Letzter Exerzitientag ist der Freitag.
(vatican news – sk)
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