Vatikan veröffentlicht Dekret zum Franziskus-Jahr: Keine geistliche Abkürzung
Pfarrer Marek Weresa - Vatikanstadt
Nach den intensiven Erfahrungen des Heiligen Jahres 2025 stellt sich für viele Gläubige die Frage nach einer gewissen „spirituellen Müdigkeit“. Monsignore Nykiel warnt in diesem Zusammenhang vor einer „Inflation der Heiligkeit“. Im Interview mit den Vatikan-Medien betont er, dass es im Glauben nicht um ein ständiges „Mehr“ an Veranstaltungen gehe, sondern um ein „Tiefer“.
Vom Spektakel zur täglichen Nachfolge
„Das Franziskus-Jahr darf nicht einfach nur ein weiteres Kapitel mit spirituellen Sondereffekten sein“, erklärt Nykiel. Vielmehr gehe es um einen „stillen Übergang vom Enthusiasmus zur tiefen Reife“. Der Heilige Franziskus schlage keine komplizierten Praktiken vor, sondern Einfachheit und Authentizität: die Rückkehr zum Evangelium, die Freude an kleinen Dingen und eine gelebte Beziehungsfähigkeit.
Das nun veröffentlichte Dekret legt fest, unter welchen Bedingungen der vollkommene Ablass gewährt wird. Dazu gehören die sakramentale Beichte, die eucharistische Kommunion, Gebete in den Meinung des Papstes sowie der Besuch einer franziskanischen Kirche. Besonders hervorgehoben wird im Dokument die Sorge um Kranke und Alte: Wer das Haus nicht verlassen kann, kann sich geistig mit den Feiern verbinden und seine Leiden aufopfern.
Der Ablass als Begegnung, nicht als Magie
Ein zentraler Punkt des Interviews ist die Klärung des Begriffs „Ablass“. Nykiel tritt der Vorstellung entgegen, es handele sich um eine Art „geistliche Abkürzung“. „Der Ablass ist in erster Linie eine Begegnung mit Gott“, so der Monsignore. Er befreit das Herz von der Last der Sündenstrafen, damit der Gläubige in voller Freiheit Wiedergutmachung leisten kann.
Kritisch setzt sich Nykiel mit der Voraussetzung der „Abkehr von jeder Sünde“ auseinander. Dies sei kein unerreichbares Ideal für wenige Auserwählte, sondern eine Herzenseinstellung. „Es geht nicht um die Abwesenheit von Schwäche, sondern um die Entscheidung des Willens“, erklärt er. Wer aufrichtig sagt: ‚Herr, ich will keine Sünde, ich verabscheue sie, auch wenn ich schwach bin‘, der erfülle die Bedingung der inneren Freiheit.
Die Botschaft für den modernen Menschen
Was kann der „Poverello“ von Assisi den Menschen von heute noch sagen? Laut Nykiel ist Franziskus ein Korrektiv zum modernen Konsumismus. In einer Welt, in der das Virtuelle oft über der Realität steht und Beziehungen verflachen, lehre Franziskus das „Sein“ über das „Haben“.
„Seine Freiheit entsprang der Loslösung von materiellen Gütern“, so Nykiel. Dies sei eine hochaktuelle Einladung zu maßvollem Handeln und verantwortungsvollem Umgang mit Ressourcen. Zudem sei der Frieden, den Franziskus verkündete, kein Ergebnis von interessengeleiteten Kompromissen, sondern entspringe einem bekehrten Herzen.
Das Ziel des Jubiläumsjahres sei es daher, den Gläubigen zu helfen, den Ablass als Etappe auf dem Weg der Umkehr zu begreifen. Wenn die Hirten dies vermitteln, so Nykiel abschließend, werde das Jahr zu einem echten Instrument der Reifung im Glauben.
(vatican news)
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