Neuer UN-Flüchtlingskommissar zu Besuch im Vatikan
Isabella H. de Carvalho und Mario Galgano - Vatikanstadt
Barham Salih, der das Amt des UNHCR-Chefs erst am 1. Januar 2026 antrat, ist kein Unbekannter auf der politischen Bühne. Der ehemalige irakische Präsident (2018–2022) bringt eine besondere Perspektive in sein neues Amt ein: Er war in seinem Leben selbst bereits Flüchtling. Am Montag betonte er gegenüber Vatican News die enorme Bedeutung der „moralischen Autorität“ des Papstes, die ein unverzichtbares „Asset“ für die Arbeit seiner Organisation darstelle.
„Keine bloßen Zahlen“: Ein Plädoyer für Würde
„Es war mir eine große Ehre, den Heiligen Vater so früh in meiner Amtszeit zu treffen“, erklärte Salih. Er dankte dem Papst für dessen „unermüdliche Unterstützung“ der Flüchtlinge weltweit. Besonders hob Salih die Notwendigkeit hervor, die Zusammenarbeit mit der Kirche und glaubensbasierten Organisationen zu intensivieren. „Wir betonen die Notwendigkeit unserer Partnerschaft mit der Kirche beim Versuch, unser Mandat zur Hilfe für Flüchtlinge weltweit zu erfüllen.“
Die Lage ist ernst: Laut UNHCR-Berichten von Mitte 2025 sind weltweit fast 120 Millionen Menschen vor Konflikten, Gewalt und Verfolgung auf der Flucht. Salih kritisierte scharf, dass Millionen von ihnen zu einem Leben in „langwieriger Vertreibung“ verdammt seien – oft für ein Jahrzehnt oder länger. „Das ist nicht akzeptabel. Wir müssen über die Abhängigkeit von humanitärer Hilfe hinausgehen und zu inklusiven, dauerhaften Lösungen gelangen“, forderte er. Länder wie Kenia, Äthiopien und Tschad zeigten bereits, wie Flüchtlinge in nationale Gesundheits- und Bildungssysteme integriert werden können, anstatt sie dauerhaft in Lagern zu isolieren.
Finanzierungslücken und globale Verantwortung
Besorgt ist er über die prekäre finanzielle Lage der Hilfsorganisationen. Trotz einer jüngsten Zuweisung von 2 Milliarden US-Dollar durch die Vereinigten Staaten an den UN-Poolfonds bleibt die Ressourcenknappheit angesichts der Krisen im Sudan, der Demokratischen Republik Kongo oder in Venezuela dramatisch.
Salih warnte, dass der Mangel an Ressourcen die Handlungsfähigkeit einschränke, während gleichzeitig immer neue Krisen aufflammten. „Die Welt ist aufgerufen, mehr zu tun, um die Eskalation von Konflikten zu verhindern“, mahnte er. Die einzige fundamentale Lösung der Flüchtlingskrise bleibe der Frieden – damit Menschen die Wahl hätten, „in Sicherheit und Würde in ihre Heimat zurückzukehren“.
Die Rolle religiöser Akteure
Für Salih ist die Unterstützung durch religiöse Einrichtungen mehr als eine Ergänzung zur staatlichen Hilfe. Er rief zu einer „interreligiösen Philanthropie“ auf, die sich auf die Kernwerte der Menschlichkeit besinnt. Sein Appell an die Weltgemeinschaft: Der Schutz von Menschen in Not sei eine rechtliche Verantwortung, eine moralische Verpflichtung und ein Ausdruck unserer gemeinsamen Menschlichkeit. „Das ist das Moralische, was zu tun ist, und es ist auch das Richtige.“
Hintergrund
Der UNHCR (United Nations High Commissioner for Refugees) ist das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen mit Sitz in Genf. Die 1950 gegründete Organisation hat das Mandat, internationale Maßnahmen zum Schutz von Flüchtlingen weltweit zu leiten und zu koordinieren. Zu den Hauptaufgaben gehören die Sicherstellung der Einhaltung von Menschenrechten für Vertriebene, die Bereitstellung von Nothilfe (wie Wasser, Nahrung und medizinische Versorgung) sowie die Suche nach dauerhaften Lösungen wie der freiwilligen Rückkehr, der Integration im Gastland oder der Neuansiedlung in Drittstaaten.
(vatican news)
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