Vatikan: Parolin warnt vor Spannungen zwischen USA und Europa
Daniele Piccini und Mario Galgano - Vatikanstadt
„Spannungen sind nicht gesund und schaffen ein Klima, das die ohnehin schon ernste internationale Lage weiter verschärft“, erklärte Parolin gegenüber Journalisten. Er reagierte damit auf die jüngsten diplomatischen Reibereien zwischen Washington und Brüssel. Es sei von entscheidender Bedeutung, „kontroverse Punkte zu diskutieren, ohne in Polemik oder Spannungen zu verfallen“.
Das „Board of Peace“ für Gaza: Vatikan prüft Teilnahme
Besonderes Augenmerk legte der Kardinal auf die Einladung von US-Präsident Trump an den Heiligen Stuhl, sich an einem sogenannten „Board of Peace“ für den Gazastreifen zu beteiligen. Parolin bestätigte, dass Papst Leo XIV. eine entsprechende Anfrage erhalten habe.
„Wir prüfen die Angelegenheit derzeit eingehend. Es ist eine Frage, die Zeit braucht, um angemessen bewertet und beantwortet zu werden“, so der Kardinalstaatssekretär. Er stellte klar, dass eine Beteiligung des Vatikans nicht finanzieller Natur sein würde: „Dazu sind wir gar nicht in der Lage. Unsere Situation unterscheidet sich von der anderer Staaten, daher wird unsere Erwägung eine andere sein.“ Er gehe jedoch davon aus, dass die USA auch keine finanzielle, sondern eine moralisch-diplomatische Unterstützung anstreben.
Völkerrecht statt persönlicher Befindlichkeiten
Bezugnehmend auf Trumps Äußerungen in Davos – wonach dieser Europa zwar schätze, aber dessen politische Richtung ablehne – mahnte Parolin zur Sachlichkeit. „Das ist seine Sichtweise“, kommentierte der Kardinal kühl. „Wichtig ist, das Völkerrecht zu respektieren. Jenseits persönlicher Gefühle, die legitim sind, müssen die Regeln der internationalen Gemeinschaft eingehalten werden.“
Appell für einen verantwortungsvollen Journalismus
Abschließend äußerte sich Parolin zur Bedeutung der Pressefreiheit und zum Vertrauen in die Medien. Vertrauen sei essenziell, müsse aber mit einem „verantwortungsvollen Gebrauch der Presse“ einhergehen. Ziel des Journalismus müsse es sein, „aufzubauen und nicht zu polarisieren oder zu zerstören“.
Die Äußerungen fielen zum Abschluss der Feierlichkeiten zum 25-jährigen Bestehen des „Osservatorio for independent thinking“ im Auditorium Antonianum in Rom.
(vatican news)
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