Vatikan und Italien fordern weltweites Verbot der Leihmutterschaft
Edoardo Giribaldi - Vatikanstadt
Unter dem Titel „Eine gemeinsame Front für die Menschenwürde“ trafen am Dienstagnachmittag Erzbischof Paul Richard Gallagher, der vatikanische Außenbeauftragte, und die italienische Ministerin für Familie und Chancengleichheit, Eugenia Maria Roccella, im Palazzo Borromeo in Rom zusammen. Im Zentrum der Debatte stand die Praxis der Leihmutterschaft, die bereits von Papst Franziskus als „verwerflich“ bezeichnet wurde – eine Linie, die Papst Leo XIV. jüngst bekräftigte.
Das Kind ist kein „Produkt“
In seinem Plädoyer betonte Erzbischof Gallagher, dass die Frage der Leihmutterschaft die gesamte Menschheit betreffe. Er bezog sich dabei auf die Neujahrsrede des Kirchenoberhauptes vor dem diplomatischen Korps vom 9. Januar. Die Verwandlung der Schwangerschaft in eine „verhandelbare Dienstleistung“ verletze die Würde des Kindes, das zum „Produkt“ degradiert werde, sowie die der Mutter, deren Körper instrumentalisiert werde.
Gallagher bezeichnete die Praxis als eine „neue Form des Kolonialismus“, die oft die materielle Not von Frauen in ärmeren Ländern ausnutze. „Die Person kann nicht Gegenstand einer Transaktion sein, selbst wenn die Praxis als Geste der Großzügigkeit präsentiert wird“, erklärte der Erzbischof. Hinter juristischen Formulierungen verberge sich oft der schlichte Verkauf eines Kindes, wobei die Interessen der Erwachsenen über das Wohl der Kleinsten gestellt würden. Ein Kind, so Gallagher weiter, bleibe immer ein „Geschenk Gottes“ und dürfe niemals aus einem vermeintlichen ökonomischen Recht heraus eingefordert werden.
Widerstand gegen internationale Regulierung
Kritisch äußerte sich der vatikanische Außenbeauftragte zu Bestrebungen auf internationaler Ebene, die Leihmutterschaft lediglich zu regulieren, statt sie zu verbieten. Er warnte davor, dass eine rechtliche Rahmung die Nachfrage nur weiter anheizen würde. „Das Angebot wird durch den Markt bedingt: Einfachere und sicherere Verfahren würden mehr Menschen dazu verleiten, auf Leihmutterschaft zurückzugreifen und somit mehr Kinder zu produzieren, die für den Verkauf bestimmt sind“, gab Gallagher zu bedenken. Die einzige kohärente Antwort bleibe daher die vollständige Abschaffung.
Schwangerschaft ist nicht „vertraglich regelbar“
Die italienische Ministerin Eugenia Roccella unterstrich die harte Haltung der italienischen Regierung, die die Leihmutterschaft seit 2024 unter Strafe stellt – auch wenn diese im Ausland in Anspruch genommen wird. Sie wies den Vorwurf zurück, dadurch Rechte von Kindern zu beschneiden. Vielmehr gehe es darum, die „Vertraglichmachung“ von Elternschaft zu verhindern.
Roccella betonte, dass man bei der Leihmutterschaft niemals von einer „Spende“ sprechen könne, wie es etwa bei Blut- oder Organspenden der Fall ist. Es gebe nichts Altruistisches an einer Praxis, die auf kommerziellen Verträgen basiere. Sie forderte eine stärkere internationale Zusammenarbeit, insbesondere im Rahmen der Vereinten Nationen, um ein Bewusstsein für die fortschreitende Vermarktung der Mutterschaft zu schaffen.
Die Veranstaltung endete mit dem Appell an die diplomatische Gemeinschaft, dem Ruf des Papstes zu folgen und einen Weg des Respekts vor der menschlichen Person unter allen Umständen einzuschlagen. Die Kirche, so Gallagher abschließend, werde sich weiterhin weltweit für die Rechte der Kinder und gegen den Missbrauch vulnerabler Frauen einsetzen.
(vatican news - mg)
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