Vatikan: Experten fordern Verbot von „Killer-Robotern“
Stefano Leszczynski - Vatikanstadt
Die Vorstellung von Waffensystemen, die Ziele ohne maßgebliche menschliche Kontrolle auswählen und angreifen, ist längst keine Science-Fiction mehr. Experten warnen, dass diese Entwicklung die Grundprinzipien des Völkerrechts und der Menschenrechte untergräbt. „Wir müssen verhindern, dass die Technologie der moralischen und rechtlichen Kontrolle des Menschen entgleitet“, mahnte Erzbischof Vincenzo Paglia, emeritierter Präsident der Päpstlichen Akademie für das Leben, während der Veranstaltung.
Ethik in der Krise: Verantwortungslose Algorithmen
Nicole van Rooijen, Exekutivdirektorin der internationalen Kampagne „Stop Killer Robots“, die 270 NGOs weltweit vereint, bezeichnete autonome Waffen als „eine der tiefgreifenden Herausforderungen für die moderne Zivilisation“. Die Delegation von Entscheidungen über Leben und Tod an Algorithmen stelle einen inakzeptablen ethischen Bruch dar. Das Hauptproblem: Wenn eine Maschine ein Kriegsverbrechen begeht, entzieht sie sich der menschlichen Verantwortung und sorgt faktisch für juristische Straffreiheit.
Menschenrechte unter Beschuss: Das Beispiel Gaza
Dass diese Gefahren bereits Realität sind, verdeutlichte Riccardo Noury, Sprecher von Amnesty International Italien. Er verwies auf den jüngsten Einsatz KI-gestützter Systeme im Gazastreifen. Ohne klare Regeln drohe ein wahlloser Einsatz dieser Technologien mit verheerenden Folgen für Zivilisten. „Das internationale Recht steht unter Beschuss“, warnte Noury. Es brauche einen „Sprung nach vorne“ durch neue, verbindliche Regeln.
Neben dem Schlachtfeld könnten solche Systeme auch zur Überwachung von Grenzen oder bei der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung eingesetzt werden, was den Spielraum für Menschenrechtsverletzungen massiv vergrößere.
Humanitäres Völkerrecht reicht nicht aus
Tommaso Natoli vom Italienischen Roten Kreuz betonte, dass zentrale Prinzipien wie die Unterscheidung zwischen Zivilisten und Kombattanten durch autonome Systeme nicht garantiert werden können. Fabrizio Battistelli vom Forschungsinstitut „Archivio Disarmo“ ergänzte, dass das bestehende humanitäre Völkerrecht allein nicht ausreiche. Er forderte ein präventives Abkommen im Rahmen der Vereinten Nationen – ein Vorhaben, das derzeit insbesondere von den USA und Russland blockiert wird.
Ein Appell an die globale Politik
Erzbischof Vincenzo Paglia verknüpfte die Debatte zudem mit der Gefahr einer nuklearen Eskalation durch künstliche Intelligenz. „Die Regulierung autonomer Waffen fordert das kollektive Gewissen direkt heraus“, sagte er. Angesichts exponentiell wachsender Gefahren dürfe die Politik nicht länger lokal denken, sondern müsse global handeln.
Zum Abschluss der Konferenz unterstrich Francesco Vignarca vom italienischen Netzwerk für Frieden und Abrüstung (Rete Italiana Pace e Disarmo) die Notwendigkeit, den Druck auf die Entscheidungsträger zu erhöhen. KI im Militär dürfe nicht zum Werkzeug einer „Entmenschlichung des Krieges“ werden. Ziel müsse eine Technologie sein, die unter strikter Achtung der Menschenwürde und des Friedens gesteuert wird.
(vatican news - mg)
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