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John Allen und seine Frau bei der Audienz mit Papst Leo XIV. am 12. Mai 2025 John Allen und seine Frau bei der Audienz mit Papst Leo XIV. am 12. Mai 2025  Leitartikel

Ein Abschied von John Allen: Die Stimme, die Rom für die Welt erklärte

Er starb nach einem vierjährigen Kampf gegen den Krebs, ohne jemals aufzugeben, und arbeitete so lange, wie es seine Kräfte zuließen. John Allen jr., der Gründer und Direktor von „Crux“, ist im Alter von 61 Jahren in Rom verstorben. Er war einer der bedeutendsten Chronisten der katholischen Kirche im letzten Vierteljahrhundert. - Unser Chefredakteur würdigt in diesem Leitartikel das Leben und Wirken eines Mannes, der den Vatikan wie kaum ein anderer den englischsprachigen Lesern näherbrachte.

Andrea Tornielli - Vatikanstadt

Ich lernte John kennen, als er vor 26 Jahren als Korrespondent des „National Catholic Reporter“ nach Rom kam. Er widmete sich der Berichterstattung über den Papst und den Heiligen Stuhl und begab sich auf die apostolischen Pilgerreisen von Johannes Paul II.. Von ihm erinnere ich mich vor allem an sein Lächeln und seine offene, herzliche Art, mit Menschen in Kontakt zu treten.

Im Jahr 2000 erlebte Wojtyła, bereits von Krankheit gezeichnet, das Große Jubiläum – ein bedeutendes Ziel seines Pontifikats. Schon damals kursierten Gerüchte über die „Papabili“ des künftigen Konklaves. Das neue Jahrtausend begann mit großen Hoffnungen auf das „Ende der Geschichte“ nach dem Fall des Kommunismus, doch die Anschläge vom 11. September 2001 und die Kriege in Afghanistan und im Irak änderten diese Perspektive abrupt.

Rigorose Analyse ohne Banalisierung

John verstand es, sowohl die internen Angelegenheiten des Vatikans – wie das Aufkommen des Missbrauchsskandals – als auch die Rolle der vatikanischen Diplomatie im internationalen Geschehen zu interpretieren. In jedem seiner Artikel verband John Strenge und Sorgfalt bei den Quellen mit klugen Analysen und Kontexten. Er legte Wert darauf, Zitate stets mit vollem Namen zu kennzeichnen.

Ein weiteres Merkmal seiner Arbeit war, niemals etwas als selbstverständlich vorauszusetzen. Er schrieb nicht nur für Experten, sondern verstand es, sein Publikum – das keineswegs nur aus Katholiken oder Gläubigen bestand – direkt anzusprechen. Auch wenn man mit seinen Schlussfolgerungen nicht einverstanden war, lohnte es sich immer, ihn zu lesen, denn John erklärte die komplexe Realität des Heiligen Stuhls, ohne sie jemals zu banalisieren.

Gründer von „Crux“ und Zeuge der Geschichte

Im Jahr 2014 gründete er „Crux“, zunächst als Ableger des „Boston Globe“, später als eigenständiges Medium. In einer Zeit der massenhaften und vereinfachten Information begriff er, dass spezialisierter Journalismus einen hohen Wert hat: Leser, die von oft oberflächlichen Nachrichten bombardiert werden, haben ein Bedürfnis, zu verstehen.

John Allen beschrieb die Dynamik von Konklaven und widmete Joseph Ratzinger bereits fünf Jahre vor dessen Wahl zu Benedikt XVI. eine Biografie („Cardinal Ratzinger: The Vatican's Enforcer of the Faith“). Er verfolgte dessen Pontifikat und die Wahl von Franziskus. Er hatte die Freude, die Wahl des ersten US-Amerikaners zum Nachfolger Petri in der Geschichte der Kirche zu erleben, den er auch dank seiner Frau Elise – ebenfalls Vatikan-Journalistin und Autorin einer Biografie über Leo XIV. – gut kannte. Elise pflegte ihn in der schweren Zeit seiner Krankheit bis zuletzt.

Humor, Fußball und Menschlichkeit

Von ihm, einem Liebhaber der römischen Küche und großen Fan des AS Rom, möchte ich vier Eigenschaften in Erinnerung behalten: Seine Fähigkeit, Beziehungen zu Menschen auf allen Ebenen der Kirche aufzubauen; sein Wille, niemals beim ersten Eindruck stehen zu bleiben und stets die Gründe des anderen zu verstehen; sein unvergleichlicher Sinn für Humor und seine außerordentliche Begabung als Redner, der jedes Publikum in Atem halten konnte, indem er anspruchsvolle Analysen mit Anekdoten und Witzen abwechselte.

(vatican news - mg)

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23. Januar 2026, 12:12