Bei der Messe zum Jubiläum des geweihten Lebens im Heiligen Jahr 2025 Bei der Messe zum Jubiläum des geweihten Lebens im Heiligen Jahr 2025  (@Vatican Media)

Geweihtes Leben: Samen des Friedens

Das Dikasterium für die Institute des geweihten Lebens und die Gesellschaften des Apostolischen Lebens hat kurz vor dem 30. Welttag des geweihten Lebens am Montag (2. Februar) einen Brief an alle „Brüder und Schwestern des geweihten Lebens" geschickt. Der Vatikan informierte am Mittwochabend über das Schreiben mit dem Titel „Prophetische Präsenz: Geweihtes Leben dort, wo die Würde verletzt und der Glaube geprüft wird."

Lorena Leonardi – Vatikanstadt

Als „Prophetische Präsenz der Gegenwart und Samen des Friedens“ in der Geschichte sind die Gottgeweihten aus aller Welt die Adressaten des Briefes, der am Mittwoch (28. Januar) von der Präfektin des Dikasteriums, Schwester Simona Brambilla M.C., dem Pro-Präfekten, Salesianerkardinal Ángel Fernández Artime, und Sekretärin Tiziana Merletti S.F.P unterzeichnet wurde. Das Schreiben wurde wenige Tage vor dem 30. Welttag des geweihten Lebens veröffentlicht, der am 2. Februar, Fest der Darstellung des Herrn, gefeiert wird und dessen Höhepunkt die Messe mit Papst Leo XIV. um 17 Uhr im Petersdom ist.

Eine Präsenz, die bleibt

Die Spitzenvertreter des Dikasteriums schreiben, dass sie im Laufe des Vorjahres während ihrer Reisen und Pastoralbesuche das Leben vieler Geweihter kennenlernen durften. Dabei hätten sie zahlreiche Menschen getroffen, die berufen sind, „komplexe Situationen“ auszuhalten: Kontexte, die geprägt sind von „Konflikten, sozialer und politischer Instabilität, Armut, Ausgrenzung, Zwangsmigration, religiösen Minderheiten, Gewalt und Spannungen” - allesamt Elemente, die „die Würde der Menschen, ihre Freiheit und mitunter sogar den Glauben selbst auf die Probe stellen”. Aber - so wird in besagtem Brief betont - diese Erfahrungen offenbarten zugleich, wie „stark“ die „prophetische Dimension des Ordenslebens als eine bleibende Gegenwart“ sei, an der Seite „verwundeter Völker und Personen, an Orten, an denen das Evangelium oft unter Bedingungen von Zerbrechlichkeit und Bewährung“ gelebt werde.

Zeichen eines Gottes, der sein Volk nicht verlässt

Dieses „Ausharren“, das „unterschiedliche Gesichter und Formen annimmt“, so wie auch die Komplexität der Gesellschaften unterschiedlich ist, je nachdem, ob das tägliche Leben von „institutioneller Fragilität und Unsicherheit“ geprägt ist oder ob religiöse Minderheiten „Druck und Einschränkungen“ erfahren. Aber auch dort, wo Wohlstand mit „Einsamkeit, Polarisierung, neuen Formen von Armut und Gleichgültigkeit“ einhergeht; und dort, „wo Migration, Ungleichheiten und verbreitete Gewalt das zivile Zusammenleben herausfordern." In vielen Teilen der Welt „stellt die politische und soziale Lage das Vertrauen auf die Probe und zermürbt die Hoffnung“, heißt es in dem Brief. Deshalb sei die „treue und demütige, kreative und diskrete“ Präsenz der Gottgeweihten ein „Zeichen dafür, dass Gott sein Volk nicht verlässt“.

„Ausharren” gemäß dem Evangelium

Darüber hinaus enthält das Dokument eine Reflexion über das Konzept des „Ausharrens” im Sinne des Evangeliums, das niemals „Stillstand oder Resignation” sei, sondern „tätige Hoffnung“, die „Haltungen und Gesten des Friedens“ hervorbringe: „Worte, die entwaffnen, gerade dort, wo die Wunden der Konflikte die Geschwisterlichkeit auszulöschen scheinen; Beziehungen, die den Wunsch nach Dialog zwischen Kulturen und Religionen bezeugen“. Dies geschieht durch „Entscheidungen, die die Kleinen schützen“, auch wenn „es einen Preis kostet, an ihrer Seite zu stehen“. Es brauche, „Geduld in Prozessen, auch innerhalb der kirchlichen Gemeinschaft; Beharrlichkeit in der Suche nach Wegen der Versöhnung“ - und „Mut zur Benennung von Situationen und Strukturen, die die Würde der Menschen und die Gerechtigkeit verleugnen.“ Angesichts all dieser Elemente sei dieses „Ausharren“ nicht nur eine persönliche oder gemeinschaftliche Entscheidung, sondern werde zu einem „prophetischen Wort für die ganze Kirche und für die Welt“.

Viele Ausdrucksformen einer einzigen Prophezeiung

Wie bei dem „Samen, der bereit ist in die Erde zu fallen und zu sterben, damit Leben aufblühen kann“, kommt in diesem Ausharren die Prophetie des gesamten geweihten Lebens zum Ausdruck, in all seinen unterschiedlichen und sich ergänzenden Formen: So mache das apostolische Leben beispielsweise eine „tätige Nähe“ „sichtbar“, die die verletzte Würde stützt; das kontemplative Leben „bewahrt in Fürbitte und Treue die Hoffnung, wenn der Glaube auf geprüft wird.“ Weiterhin zählt der Brief die Lebensformen auf: Die Säkularinstitute „bezeugen das Evangelium als stilles Sauerteigwirken in der sozialen und beruflichen Welt“; der Ordo virginum offenbart die Kraft der Unentgeltlichkeit und der Treue, die „Zukunft eröffnet“; das eremitische Leben erinnert an „den Vorrang Gottes und das Wesentliche in Erinnerung, das das Herz entwaffnet”. In der Vielfalt all dieser Formen, so wird in dem Brief betont, „nimmt eine einzige Prophetie Gestalt an: mit Liebe zu bleiben, nicht zu fliehen, nicht zu schweigen, und das eigene Leben ins Wort für diese Zeit und diese Geschichte zu bringen.”

Aufblühen wie Samen des Friedens

Innerhalb dieser „Prophetie des Ausharrens” reife ein Zeugnis des Friedens, das – so das Schreiben weiter – als „ein anspruchsvoller und alltäglicher Weg” verstanden werde, der „Hören, Dialog, Geduld, Umkehr des Denkens und des Herzens sowie die Absage an die Logik der Macht des Stärkeren” verlange. Aus diesem Grund, so wird erklärt, wird das gottgeweihte Leben, „wenn es an den Wunden der Menschheit bleibt, ohne der Logik der Konfrontation zu verfallen, aber ohne darauf zu verzichten, die Wahrheit Gottes über den Menschen und die Geschichte auszusprechen”, zum „Handwerker des Friedens”.

Das Dokument schließt mit einem Dank an die Ordensleute für ihre Beharrlichkeit, der Aufforderung, im Geiste des ihnen gewidmeten Jubiläums am 10. Oktober Pilger der Hoffnung auf dem Weg des Friedens zu bleiben, und der Bitte an den Herrn, dass er sie „festige in der Hoffnung und sanftmütig im Herzen mache, fähig auszuharren, zu trösten und neu zu beginnen: und so in Kirche und Welt prophetische Präsenz zu leben und Same des Friedens zu sein.“ 

(vatican news)

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29. Januar 2026, 12:12