Suche

Papst will regelmäßige Gipfeltreffen mit allen Kardinälen

Papst Leo XIV. plant, regelmäßig einmal im Jahr mehrere Tage lang mit den Kardinälen aus der ganzen Weltkirche über die Zukunftsfragen der Kirche zu beraten. Das wurde am Donnerstagabend im Vatikan bekannt.

Stefan von Kempis – Vatikanstadt

Vor der Presse zogen Vatikansprecher Matteo Bruni und mehrere Kardinäle eine Bilanz des ersten außerordentlichen Konsistoriums, das der am 8. Mai 2025 gewählte Papst für diese Woche einberufen hatte. Zu dem Gipfeltreffen des Papstes waren alle Kardinäle der Weltkirche eingeladen, nicht nur die zur Papstwahl berechtigten wie beim Konklave und nicht nur die in Rom ansässigen wie bei einem sogenannten ordentlichen Konsistorium. Das Treffen fand am Mittwoch und Donnerstag hinter verschlossenen Türen in der vatikanischen Synodenaula sowie in der Audienzhalle statt. Dort haben 2023/2024 auch die Vollversammlungen der katholischen Weltsynode getagt.

Aus dem Nähkästchen geplaudert: Ein Blick hinter die Kulissen mit Kardinal Ladislav Német

Bruni kündigte an, dass das nächste Konsistorium von vergleichbarem Zuschnitt am 27. und 28. Juni dieses Jahres im Vatikan stattfinden wird. Ab dem Jahr 2027 ist dann offenbar an einen jährlichen Rhythmus gedacht; Leo XIV. habe für diese großen Kardinalsversammlungen mit dem Papst eine Regeldauer von drei oder vier Tagen vorgeschlagen. Eine regelmäßige Einberufung solcher Gipfeltreffen würde eine wichtige Neuerung bedeuten. In den letzten Pontifikaten kam es nur selten zu solchen sogenannten außerordentlichen Konsistorien, bei denen ein Papst mit sämtlichen Kardinälen über wichtige kirchliche Fragen nachdachte; der verstorbene Papst Franziskus (2013-2025) traf sich stattdessen mehrmals im Jahr mit einem eigens gebildeten Rat von neun Kardinälen.

  (ANSA)

Nächstes Debatten-Konsistorium findet Ende Juni statt

Inhaltlich hatte Papst Leo für sein erstes außerordentliches Konsistorium vier mögliche Themen ausgesucht: Evangelisierung, Synodalität, Kurienreform und Liturgie. Die Kardinäle entschieden sich für die beiden erstgenannten Themen. Beim Tagesordnungspunkt Evangelisierung nahmen sie die Programmschrift von Papst Franziskus, „Evangelii Gaudium“ (2013), zum Ausgangspunkt; der Präfekt des Glaubensdikasteriums, Kardinal Victor Manuel Fernandez, beteuerte in einem Impulsreferat, Franziskus' Text über die Dringlichkeit der Verkündigung sei alles andere als überholt. Bei der Synodalität ging es unter anderem um die Teilhabe aller Katholiken, auch an kirchlichen Entscheidungsprozessen.

In der Abschlusssitzung an diesem Donnerstagabend versicherte der Papst nach Angaben seines Sprechers erneut, dass die zunächst nicht behandelten Themen – Kurienreform und Liturgie – „nicht vergessen werden“. Sie sollen bei einem künftigen Konsistorium zur Sprache kommen. Leo bedankte sich nach dem Abschluss der freien Wortbeiträge bei den Kardinälen für ihre Unterstützung. Der Papst habe, referierte Bruni, speziell den Älteren dafür gedankt, dass sie die Strapaze auf sich genommen hätten, und seine Verbundenheit mit denen bekräftigt, die nicht kommen konnten.

  (ANSA)

Für eine stärkere Einbeziehung der Kardinäle

Zur gewählten Methodik des Gipfeltreffens erläuterte der Vatikansprecher, sie sei darauf angelegt gewesen, dass die Kardinäle sich untereinander besser kennenlernen. Eine stärkere Konsultation und Mitverantwortung der Kardinäle entspreche den Forderungen, die vor und auch nach dem Konklave vom Mai letzten Jahres im Kardinalskollegium aufgekommen seien. Leo habe auch hervorgehoben, dass ihm die Kontinuität mit dem Weg des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65) sehr am Herzen liege. In einer Welt, die von Kriegen und Gewalt geprägt sei, sei es „umso dringender, dass die ganze Kirche zu einer Antwort findet“.

„Keine Kritik an Franziskus“

Bei der Abschluss-Pressekonferenz im Vatikan zeigten sich mehrere Kardinäle angetan von der Wiederbelebung von Konsistorien als think tank für die Kirchenführung. Kritik am vergangenen Pontifikat von Franziskus sei bei der Beschäftigung mit seinen Impulsen (Evangelisierung und Synodalität) nicht aufgekommen. Der südafrikanische Kardinal Stephen Brislin warb darum, Franziskus „Evangelii Gaudium“ weiterhin als Richtschnur in der Kirche einzusetzen, etwa in der Priesterausbildung. Und Synodalität müsse noch stärker in alle Ebenen des Kirchlichen einsickern.

  (ANSA)

„Papst tippte eifrig in sein Notebook“

Der philippinische Kardinal Pablo Virgilio David lobte das intensive Zuhören des Papstes während der Ausführungen der Kardinäle. Leo habe häufig Notizen auf seinem Computer gemacht; das habe so gewirkt, als sammle er Anregungen für ein künftiges Vatikandokument. „Alle kamen zu Wort, und der Papst hat mehr zugehört als selbst geredet.“ Der algerische Kardinal Jean-Paul Vesco erklärte schon vor Beginn der nächtlichen Pressekonferenz gegenüber Journalisten, der neue Papst verfüge über einen „riesigen Vertrauensvorschuss“ bei den Kardinälen. Leo XIV. setze den Kurs seines Vorgängers Franziskus im Kern fort, wenn auch „auf geordnetere Weise und in einem anderen Stil“.

  (@VATICAN MEDIA)

Lage in Venezuela angesprochen

Der kolumbianische Kardinal Luis José Rueda ließ wissen, er habe während des Konsistoriums die Lage in Venezuela nach dem Angriff der USA und der Entführung von Präsident Nicolas Maduro angesprochen. Zwar sei dies nicht das offizielle Thema, aber dennoch „unvermeidlich“ gewesen, denn die Kardinäle – vor allem aus Lateinamerika – seien natürlich „besorgt über das, was da vorgeht“. Sie stellten sich die Frage, in welche Richtung es nun weitergehe und wie die Kirche noch deutlicher auf der Seite der Bevölkerung stehen könne.

Auf die Fragen von Journalisten hin beteuerten die Kardinäle, dass die Teilhabe von Laien und die Rolle von Frauen in der Kirche beim außerordentlichen Konsistorium angesprochen worden seien. „Wie sollten wir die Rolle der Frauen und ihre Dienste in der Kirche nicht anerkennen“, rief Kardinal David. Die Frauenfrage sei „eine ständige Sorge“; er setze darauf, dass im Geist des Konzils das Bewusstseins eines „allgemeinen Priestertums der Gläubigen“ stärker in der Kirche um sich greife.

(vatican news)

  (ANSA)

Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen.

08. Januar 2026, 22:04