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Schlange im Schnee für Lebensmittelhilfen - Foto: Caritas spes Ucraina Schlange im Schnee für Lebensmittelhilfen - Foto: Caritas spes Ucraina 

Kardinal Krajewski zu Ukraine: Soforthilfe nötig

Der Sozialbeauftragte von Papst Leo XIV., Kardinal Konrad Krajewski, ruft angesichts der sich verschärfenden humanitären Krise in der Ukraine zu einer großzügigen Spende auf. Der Leiter des vatikanischen Dikasteriums für den Dienst der Nächstenliebe bittet um Unterstützung für die Sammelaktion der ukrainischen Gemeinde Santa Sofia in Rom: Es werden Decken, warme Kleidung und vieles mehr benötigt.

Svitlana Dukhovych und Benedetta Capelli* – Vatikanstadt

Seit vier Jahren leidet das ukrainische Volk unter dem russischen Angriffskrieg. Nach den jüngsten intensiven russischen Angriffen insbesondere in der Hauptstadt Kyiv hat sich die humanitäre Krise in dem osteuropäischen Land weiter verschärft: Vielerorts herrscht Dunkelheit. Bei Temperaturen weit unter Null harren zahlreiche Menschen ohne Heizung, ohne Strom, aus. 

Pater Taras Zheplinsky, stellvertretender Direktor der Kommunikationsabteilung der griechisch-katholischen Kirche berichtet in einem Video, das er den vatikanischen Medien am Mittwoch geschickt hat, von den Schwierigkeiten des Alltags in Kyiv:

„Raketen und Hunderte von Drohnen haben einen Großteil unserer Wärmekraftwerke und Energieinfrastrukturen zerstört, und das gerade in der kältesten Zeit des Winters, dem strengsten Winter der letzten Jahre mit Temperaturen unter 16 Grad“

Zum Hören: Papst-Sozialbeauftragter Kardinal Krajewski zu Ukraine: Soforthilfe nötig - Pater Taras Zheplinsky, stellvertretender Direktor der Kommunikationsabteilung der griechisch-katholischen Kirche berichtet von den Auswirkungen des Kriegs auf den Alltag in Kyiv (Audio-Beitrag von Radio Vatikan)

 „Vor mehr als einer Woche wurden wir Opfer eines massiven russischen Angriffs. Heute Nacht kam es zu einem weiteren Angriff. Raketen und Hunderte von Drohnen haben einen Großteil unserer Wärmekraftwerke und Energieinfrastrukturen zerstört, und das gerade in der kältesten Zeit des Winters, dem strengsten Winter der letzten Jahre mit Temperaturen unter 16 Grad. Wir sind ohne Strom, fast 6000 Gebäude allein in Kyiv sind ohne Heizung. Einige Stadtteile der Hauptstadt sind sogar ohne Wasser. Der Aggressor will uns vertreiben, uns mit Kälte und Dunkelheit brechen, und leider nimmt die Aggression laut von den Vereinten Nationen überprüften Daten noch weiter zu."

Pater Taras Zheplinsky, stellvertretender Direktor der Kommunikationsabteilung der griechisch-katholischen Kirche
Pater Taras Zheplinsky, stellvertretender Direktor der Kommunikationsabteilung der griechisch-katholischen Kirche

„Der Aggressor will uns vertreiben, uns mit Kälte und Dunkelheit brechen, und leider nimmt die Aggression laut von den Vereinten Nationen überprüften Daten noch weiter zu“

Das Gesicht des Priesters wird im Video vom schwachen Licht einer Kerze und einer Weihnachtsdekoration hinter ihm beleuchtet; ein Detail, das wie eine Botschaft wirkt: Sich nicht der Dunkelheit des Krieges ergeben zu wollen, „der im Jahr 2025 laut UN-Daten zu einem Anstieg der Opferzahlen um mehr als 30 Prozent gegenüber 2024 geführt hat. Es fällt mir schwer, Ihnen zu vermitteln, wie hart und kalt dieser Winter ist",  sagt der Priester. Im Video zeigt er dann die Dunkelheit seines täglichen Weges von der Kirche nach Hause:

 Stromausfall in Kyiv nach russischen Angriffen, 21. Januar 2026 (Foto: Eugene KOTENKO / AFP)
Stromausfall in Kyiv nach russischen Angriffen, 21. Januar 2026 (Foto: Eugene KOTENKO / AFP)   (AFP or licensors)

 „Die Hauptkirche der Auferstehung Christi wird nur vom Licht der Autos beleuchtet, Straßen ebenso. Geschlossene Geschäfte, das Einkaufszentrum, das trotz seines Stromgenerators schließen musste, weil der nicht mehr funktioniert." 

Hoffnungsschimmer

Trotz alledem gebe es aber auch Freude in der Ukraine, berichtet er, denn es gab Nachwuchs. Griechisch-katholische Priester können auch verheiratet sein und Kinder haben, wenn sie erst danach Priester wurden:

„Gerade in diesen dunkelsten und gefährlichsten Tagen des Krieges wurde in der Familie eines unserer Priester das dritte Kind geboren, ein Junge. Eine echte Freude, die jedoch auch zu einer Aufgabe wird: Wir fühlen uns verpflichtet, das Leben dieses Kindes mit aller Kraft zu schützen, ebenso wie das Leben von Millionen anderer ukrainischer Kinder", sagt Pater Taras. Er betont:

Hoffnungsschimmer im Krieg  -  Foto: Caritas Spes ucraina
Hoffnungsschimmer im Krieg - Foto: Caritas Spes ucraina

„Wir Ukrainer sind sicher, dass wir diesen Winter und diese Angriffe überstehen werden. Wir werden alle Dunkelheit überwinden, die uns in den Krieg führt, denn wir wissen, dass wir nicht alleine sind“

 „Wir Ukrainer sind sicher, dass wir diesen Winter und diese Angriffe überstehen werden. Wir werden alle Dunkelheit überwinden, die uns in den Krieg führt, denn wir wissen, dass wir nicht alleine sind."

Die Unterstützung der Kirche

Weiterer Lichtblick in der schwierigen Lage sei die Nähe der weltweiten katholischen Kirche, die Solidarität von Papst Leo und die Herzlichkeit all jener, die an die Ukraine denken und sie unterstützen, berichtet der Priester. 

„Wir sind in der Dunkelheit, im Schatten des Todes, aber über uns strahlt das Licht Christi und das Licht der Solidarität auf der ganzen Welt“

„Wir sind in der Dunkelheit, im Schatten des Todes, aber über uns strahlt das Licht Christi und das Licht der Solidarität auf der ganzen Welt. Danke.  Danke, dass Sie unsere Dunkelheit erhellen und unsere gefrorenen Hände, Gesichter und Häuser mit Ihrer geschwisterlichen Liebe erwärmen."

Kardinal Krajewski bittet um Soforthilfen

Unterstützung für die Ukraine kommt auch von Kardinal Konrad Krajewski, dem Sozialbeauftragten des Papstes, der seit Beginn des Kriegs an der Seite des „gemarterten“ Volkes steht, das er im Auftrag des Heiligen Stuhls mindestens zehn Mal besucht hat - um Lebensmittel, Stromgeneratoren und sogar Krankenwagen zu bringen. Über die vatikanischen Medien lanciert der polnische Kardinal einen Aufruf zur Soforthilfe. Er bittet um konkrete Hilfe, auch im Gebet: 

 Kardinal Krajewski mit Krankenwagen für die Ukraine
Kardinal Krajewski mit Krankenwagen für die Ukraine

„Man kann dem Schmerz und dem Leid nicht gleichgültig gegenüberstehen, man muss handeln“

„Man kann dem Schmerz und dem Leid nicht gleichgültig gegenüberstehen, man muss handeln“, sagt der Kardinal. Eine „Globalisierung der Ohnmacht" sei noch schlimmer als „ die Globalisierung der Gleichgültigkeit“. Alle Christen und Menschen guten Willens ruft Kardinal Krajewski daher ganz konkret auf,  zur Via Boccea 478 in Rom zu kommen. Dort hat die ukrainische Gemeinde in Rom, Santa Sofia, ihren Sitz. Die Kirche ist auch Ausgangspunkt für Lastwagenladungen mit Hilfsgütern - auch vom vatikanischen Dikasterium für den Dienst der Nächstenliebe, das Krajewski leitet

Spenden in Rom - das wird gebraucht

Der Kardinal bittet ganz konkret um folgende Spenden für die Sammelstelle der ukrainischen Kirche in Rom: Wärmekissen und Decken für Hände, Füße und Körper, Thermounterwäsche und Fleece, Thermosocken und Wollsocken, Thermodecken und isothermische Notdecken, Thermoskannen und Thermobecher, Campinggasbrenner und Gasflaschen sowie Trockenalkohol und Trockenduschprodukte. Auch Energieriegel, Nüsse und Schokolade können gespendet werden. „Jeder Beitrag“, so heißt es aus der Basilika Santa Sofia, „bedeutet Wärme, Nahrung und eine Überlebenschance für diejenigen, die es am dringendsten brauchen“.

*Übersetzung und Adaption: Stefanie Stahlhofen

(vatican news - sst) 

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22. Januar 2026, 10:55