Archivbild: Kardinal Kurt Koch bei der Pressekonferenz in der Kaserne der Schweizergarde im Vatikan Archivbild: Kardinal Kurt Koch bei der Pressekonferenz in der Kaserne der Schweizergarde im Vatikan 

Kardinal Koch: „Ökumene ist eine Friedensbewegung für die Welt“

An diesem Montag äußerte sich Kardinal Kurt Koch, Präfekt des Dikasteriums zur Förderung der Einheit der Christen, gegenüber den vatikanischen Medien anlässlich der laufenden Gebetswoche für die Einheit der Christen. Im Zentrum des Gesprächs standen die Impulse von Papst Leo XIV., das Erbe der Reformation und der ökumenische Weg zum Jubiläumsjahr 2030.

Mario Galgano - Vatikanstadt

Angesprochen auf die Forderung von Papst Leo XIV., wonach das Streben nach Einheit und der Einsatz für den Weltfrieden „Hand in Hand“ gehen müssen, betonte Koch die Vorbildfunktion der Kirchen. „Die Ökumene kann dann eine Hilfe für die Gesellschaft sein, wenn sie nicht die Zerstrittenheit der Gesellschaft widerspiegelt, sondern selber ein Zeichen der Einheit ist“, erklärte der Kardinal.

Hier hören Sie das Interview mit Kardinal Kurt Koch von Mario Galgano

In einer Welt voller gegensätzlicher Strömungen bestehe die Herausforderung darin, bei aller Vielfalt „in einem Geist“ zu leben. Koch mahnte: „Wenn die Christenheit selber ein zerstrittener Haufen ist, dann kann sie der Gesellschaft nicht viel bieten.“

Der leidenschaftliche Appell aus dem Osten

Die diesjährigen Texte der Gebetswoche, die von der Armenisch-Apostolischen Kirche vorbereitet wurden, basieren auf dem Epheserbrief („Ein Leib und ein Geist“). Für Koch ist die Wahl dieses Textes hochsymbolisch: „Es ist ein leidenschaftlicher Appell des heiligen Paulus zur Einheit. Wenn man bedenkt, dass Paulus diesen Brief aus dem Gefängnis schreibt, sieht man, wie ernst es ihm ist. Im Gefängnis gibt man sich nicht mit Belanglosigkeiten ab.“

„Im Gefängnis gibt man sich nicht mit Belanglosigkeiten ab.“

2030 ist ein bedeutendes Gedenkjahr

Mit Blick auf das 500-jährige Jubiläum der Confessio Augustana im Jahr 2030 räumte der Kardinal mit Erwartungen an fixe Zeitpläne auf. „In der Ökumene benenne ich keine Termine. Die Termine gibt der Heilige Geist vor, nicht wir“, stellte er klar. Das Jahr 2030 sei jedoch ein wichtiger „Besinnungspunkt“, um die Überwindung der Trennung neu zu denken.

Koch zitierte den Theologen Wolfhart Pannenberg, für den die Kirchenspaltung ein „Scheitern“ der Reformation darstellte, da Martin Luther die Erneuerung der ganzen Christenheit wollte. „Jesus hat eine Kirche gewünscht, nicht eine Vielfalt von Kirchen“, so Koch.

Die „katholische“ Confessio Augustana und das Hindernis der Anerkennung

Die Confessio Augustana sei im Kern ein gemeinsames, katholisches Dokument, auch wenn man heutige Passagen über Krieg oder das Mönchtum nicht mehr teile, so der Kardinal.

Das Problem liege jedoch in der Akzeptanz auf evangelischer Seite: „Kardinal Ratzinger hat damals gesagt: Die Voraussetzung für eine katholische Anerkennung ist die evangelische Anerkennung.“ Während etwa die lutherische Kirche (VLKD) ganz auf diesem Boden stehe, sei dies bei der EKD als Ganzes nicht der Fall. Man könne nur anerkennen, was in der anderen Gemeinschaft auch zweifelsfrei als Bekenntnisgrundlage gilt.

„Die Herausforderung von Nizäa bleibt aktuell.“

Bedeutung von Nizäa

Zum Abschluss hob der Kardinal die bleibende Relevanz des Konzils von Nizäa hervor, dessen 1.700-jähriges Jubiläum kürzlich begangen wurde. Die Einheit könne nur im gemeinsamen Glauben gefunden werden. „Die Herausforderung von Nizäa bleibt aktuell“, sagte Koch und fügte mit einer Prise theologischer Schärfe hinzu: „Viele Christen, auch Katholiken heute sind im Grunde Arianer - und nicht wenige sind nicht einmal das..“

(vatican news)

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19. Januar 2026, 13:48