Die Studierenden des ökumenischen Instituts Bossey im Dikasterium für Kommunikation (Charlotta Smeds) Die Studierenden des ökumenischen Instituts Bossey im Dikasterium für Kommunikation (Charlotta Smeds) 

Gebetswoche für die Einheit der Christen: Gruppe aus Bossey in Rom

Zur Gebetswoche für die Einheit der Christen, die am Sonntag endet, besucht eine Gruppe des Ökumenischen Instituts Bossey in der Schweiz Rom. Die jungen Angehörigen verschiedener Kirchen nahmen an Begegnungen, Gebeten und Gesprächen auch im Vatikan teil. Wir baten zwei von ihnen vors Mikrofon und sprachen über Ökumene heute.

Das Material der Gebetswoche für die Einheit der Christen wurde in diesem Jahr von der Armenisch-Apostolischen Kirche in Zusammenarbeit mit den lokalen Kirchen des Landes erstellt. Der Leiter der ökumenischen Abteilung der Armenisch-Apostolischen Kirche, der Priester Garegin Hambardzumyan, beschrieb die Gebetswoche im Gespräch mit uns als Zeit, „zu dem zurückzukehren, was wesentlich ist“. Ziel sei, „gemeinsam zu beten und gemeinsam auf das Wort Gottes zu hören und sich daran zu erinnern, dass wir zu einem Leib Christi gehören“.

„Einheit heißt, einander zu unterstützen“

Einheit bedeute dabei keine Gleichmacherei. „Einheit heißt, einander zu unterstützen, und es gibt kein Gefühl der Unterordnung. Es gibt kein Gefühl der Minderwertigkeit“, sagte Hambardzumyan. Christliche Einheit könne nur unter gleichberechtigten Partnern entstehen, die einander stärken. Allerdings könne diese Art von Einheit nur durch eine kompromisslose Selbstverpflichtung entstehen.

Der Leiter der ökumenischen Abteilung der Armenisch-Apostolischen Kirche, der Priester Garegin Hambardzumyan
Der Leiter der ökumenischen Abteilung der Armenisch-Apostolischen Kirche, der Priester Garegin Hambardzumyan

Der junge armenische Priester verwies auf das Beispiel seiner eigenen Gemeinschaft. „Tatsächlich lehrt uns die armenische Geschichte, dass Einheit durch Prüfungen gestärkt wird und dass die Treue zu Christus tiefer ist als unsere Spaltungen. Diese Art von Treue, diese Art von Beharrlichkeit ist etwas, das zur weltweiten Gemeinschaft der Christen beitragen kann.“ Ein gemeinsames Zeugnis der Christen hält Hambardzumyan für unverzichtbar „in einer Welt, die von Konflikten, Ungerechtigkeit und dem Verlust von Sinn im Leben so vieler Menschen geprägt ist“.

Ökumene braucht nach Hambardzumyans Worten theologischen Dialog, gemeinsames Gebet, pastorale Zusammenarbeit und gemeinsames Zeugnis in der Welt. Priorität habe „eine liebende, geschwisterliche Zusammenarbeit“ mit Organisationen wie dem Ökumenischen Rat der Kirchen, der römisch-katholischen Kirche und weiteren christlichen Traditionen. Ziel sei nicht „eine Art von Uniformität“, sondern das Bewahren der eigenen Identität bei gleichzeitiger Offenheit für die Gaben anderer Kirchen.

Sofia Lanza - interreligiöser Dialog und Ökumene, "für beides müssen wir in der Lage sein, einander wertzuschätzen“
Sofia Lanza - interreligiöser Dialog und Ökumene, "für beides müssen wir in der Lage sein, einander wertzuschätzen“

Eine zweite Perspektive brachte die junge Italienerin Sofia Lanza ein. Sie sprach für die ganze Gruppe aus Bossey, als sie sagte, sie erlebe die Gebetswoche für die Einheit der Christen in Rom „sehr positiv“. Als einzige römisch-katholische Studentin in ihrer Klasse habe sie ihren Kommilitoninnen und Kommilitonen viel über den Vatikan und Rom erzählt. „Ich fühle mich sehr gesegnet, dass ich meine Freunde zu einer Woche über Einheit mitbringen kann, die von meiner Kirche ausgerichtet wird.“

Die Begegnung verschiedener Konfessionen erlebe sie als Lernprozess, sagte uns Lanza. Viele Studierende kämen aus unterschiedlichen Hintergründen, begleitet von Stereotypen über andere Kirchen. „In diesen sechs Monaten sind wir in Geduld, Verständnis und im Zuhören gewachsen“, sagte Lanza. Der Besuch in Rom habe gezeigt, „wie die katholische Kirche für die Einheit arbeitet und wie wichtig auch andere Kirchen für die ökumenische Bewegung sind“.

„Jede Konfession hat besondere Gaben“

Die Vielfalt christlicher Traditionen bereichere das geistliche Leben. „Jede Konfession hat besondere Gaben, wir nennen sie Gaben des Heiligen Geistes“, erklärte Lanza. Musik, Gebet, Stille oder Missionsgeist könnten voneinander gelernt werden. Christinnen und Christen seien „ein Leib mit sehr unterschiedlichen Eigenschaften“.

 

Lanza registriert aber auch Entwicklungen, die ihr und vielen anderen jungen Getauften Sorgen machen. „Ich glaube, wir entwickeln uns zu einem neuen Christentum, das leider manchmal sehr radikalisiert ist, und ich möchte nicht, dass Jugendgemeinden vergessen, dass wir Ökumene brauchen und dass wir nicht alleine Christen sind, sondern dass es auch andere Christen anderer Konfessionen gibt und wir miteinander reden müssen“, sagte sie. Lanza wirbt für eine „Offenheit, verschiedene Konfessionen in den Dialog einzubeziehen und die Jugend dazu zu bringen, die ökumenische Bewegung anzuführen, die nicht unbedingt den Theologen überlassen bleiben muss, sondern dass wir in Mission und Dienst mit anderen Christen im täglichen Leben vereint sein können.“

„Wir streben in der Ökumene nach Einheit und im interreligiösen Dialog nach Frieden, und für beides müssen wir in der Lage sein, einander wertzuschätzen“

Höhepunkte der Reise seien Treffen mit vatikanischen Dikasterien gewesen, die ihre ökumenische Arbeit vorstellten. Insbesondere Begegnungen mit dem Dikasterium für den interreligiösen Dialog und dem Dikasterium zur Förderung der Einheit der Christen hätten den Austausch vertieft. Sie selbst habe einen Hintergrund im interreligiösen Dialog, erklärte Sofia Lanza. „Ökumene ist für mich etwas ganz Neues, aber gleichzeitig sind beide Bereiche untrennbar miteinander verbunden. Wir streben in der Ökumene nach Einheit und im interreligiösen Dialog nach Frieden, und für beides müssen wir in der Lage sein, einander wertzuschätzen.“

Als besonderen Moment nannte Lanza die Begegnung mit Papst Leo XIV. nach der Generalaudienz. „Er war sehr glücklich, als er hörte, dass wir von einem ökumenischen Institut kommen, und er wünschte uns viel Glück im ökumenischen Bereich“, berichtete sie. Alle ihre Mitstudierenden des ökumenischen Instituts Bossey seien ebenfalls begeistert gewesen über die Gelegenheit, den Papst zu treffen.

Ökumene lernen

Bossey ist ein Institut in der Westschweiz, das jungen Ökumenikern durch einen mindestens sechsmonatigen Spezialisierungskurs die Möglichkeit bietet, mehr über die ökumenische Bewegung, ihre Geschichte und ihre Zukunft zu erfahren. Die Gebetswoche für die Einheit der Christen („Oktave der Einheit der Kirche”) entstand 1908 auf Initiative des anglikanischen Priesters Paul Wattson. Ein Jahr später segnete Papst Pius X. die Initiative. Seit 1966 wird die ökumenische Gebetswoche offiziell gemeinsam von katholischer Kirche und Weltkirchenrat vorbereitet.

(vatican news – gs)

Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen.

23. Januar 2026, 13:07