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Kard. Gerhard Ludwig Müller bei der Gedenkmesse am Vorabend des 3. Todestages von Benedikt XVI. Kard. Gerhard Ludwig Müller bei der Gedenkmesse am Vorabend des 3. Todestages von Benedikt XVI.

Müller: Benedikt, Mann des Glaubens, der Verkündigung und des Gebets

Im Interview mit Radio Vatikan erinnert der emeritierte Präfekt der Glaubenskongregation, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, an den Papst aus Bayern, für den er im Petersdom eine Gedenkmesse gefeiert hat.

Herr Kardinal, was hat Sie persönlich an Papst Benedikt XVI./am Menschen Joseph Ratzinger am meisten beeindruckt?

Kard. Gerhard Ludwig Müller: Sein Intellekt, den er in den Dienst des Glaubens stellte, und seine Demut, mit der er den gekreuzigten und auferstandenen Herrn repräsentierte als Priester und Professor, und als Kardinalpräfekt und Papst.

Hier hören Sie das Interview mit Kardinal Gerhard Ludwig Müller

Welche Begegnung mit ihm ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Müller: Als ich ihm den ersten Band der auf 16 Bände berechneten Opera Omnia vorstellte und bemerkte, dass am Ende sicher 25.000 Seiten oder mehr seines Schrifttums vorliegen werden, sagte er zu mir: „Gerhard, wer soll das alles lesen?“ Und ich sagte daraufhin: „Heiliger Vater ich weiß nicht, aber ich kenne den Mann, der das alles geschrieben hat...“
Und heute Morgen kam der Stationsarzt - also nicht ein Theologe-, und sagte mir, dass er jeden Tag ein paar Seiten Ratzinger lese. Und im Gespräch zeigte sich, dass er ihn sehr gut verstanden hat und ihm diese Lektüre eine stetige Hilfe ist in seinem Glauben und den täglichen Mühen des Berufes.

Wie haben Sie seinen Glauben und seine Spiritualität erlebt?

Müller: Ganz aus der Nähe habe ich ihn kennengelernt in der Internationalen Theologenkommission, deren Präsident er von Amts wegen und als Präfekt der Glaubenskongregation war. Und später als ich ihn bei den Audienzen als Papst regelmäßig traf, nachdem er mich zum Präfekten der wichtigsten römischen Kongregation ernannt hatte, weil für eine Glaubensgemeinschaft der geoffenbarte Glaube und die gesunde Lehre, also die Rechtgläubigkeit, das Wichtigste ist. Er war ein Mann des Glaubens, der Verkündigung und des Gebets – wie die Apostel selbst ihr Amt und ihre Mission beschrieben, nachdem sie sich zur Wahl und Weihe der ersten sieben Diakone versammelt hatten (vgl. Apg 6).

Gibt es einen Gedanken oder ein Gebet von Benedikt XVI., das Sie bis heute begleitet?

Müller: Es ist schwierig, das Riesenwerk zuzuspitzen auf einen einzigen Punkt. In meiner Jugend hat mich zutiefst beeindruckt seine „Einführung in das Christentum“, und dann seine Jesus-Trilogie. Denn der Nachfolger Petri vereint die Kirche im Bekenntnis zu Jesus dem Christus, dem Sohn des lebendigen Gottes (Mt 16, 16). Das Buch zeigt, dass das Glaubenszeugnis des Petrus auch von der theologischen Vernunft verantwortet werden kann, und dass der Jesus der Geschichte identisch ist mit dem Christus des Glaubens. Deshalb bekennen wir uns zu Gott, dem allmächtigen Vater und zu Jesus Christus, seinem eingeborenen Sohn.

Welche bleibenden Spuren hat Benedikt XVI. in der Kirche hinterlassen?

Müller: Ich erinnere an seine einzigartige Enzyklika Deus Caritas est, in Verbindung mit Spe salvi und Lumen fidei, also die Darstellung des Ganzen des Christentums anhand der theologischen Tugenden Glaube, Hoffnung und Liebe.

Was war aus Ihrer Sicht sein wichtigster Beitrag zur Theologie?

Müller: Die Klärung und Vertiefung des Offenbarungsverständnisses mit Hilfe von Bonaventura, die sich niederschlug in der Dogmatischen Konstitution über die Göttliche Offenbarung Dei verbum und in der Dogmatischen Konstitution über die Kirche, Lumen gentium, wo er mit Hilfe des hl. Augustinus klärte, dass der Begriff des Volkes Gottes nicht von der Politik abgeleitet wird, sondern vom biblischen Motiv Christi als Haupt und Leib der Kirche, und der Kirche als dem Haus Gottes, Fundament der Wahrheit.

Was kann die Kirche heute von Benedikt XVI. lernen?

Müller: …. Der Wahrheit der Offenbarung dienen, und sich nicht zum Affen des Zeitgeistes zu machen.

Wie kann das Denken Joseph Ratzingers/Benedikts XVI. helfen, mit Zweifeln und Glaubensfragen umzugehen?

Müller: Ich erinnere an die Regensburger Rede über die Einheit von Glaube und Vernunft. Die Vernunft des geoffenbarten Glaubens steht über dem rein menschlichen Glauben an die Vernunft im Sinne des Naturalismus der Aufklärung.
 

Die Fragen stellte Silvia Kritzenberger

(vaticannews – skr)
 

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31. Dezember 2025, 15:02