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Im Vatikan wurde mit zwei Gottesdiensten an den vor drei Jahren am Silvestertag verstorbenen früheren Papst Benedikt XVI. erinnert Im Vatikan wurde mit zwei Gottesdiensten an den vor drei Jahren am Silvestertag verstorbenen früheren Papst Benedikt XVI. erinnert

Benedikt XVI.: Mitarbeiter der Wahrheit

Zum dritten Todestag des deutschen Papstes erinnert sich Prof. Ralph Weimann, Mitglied des Ratzinger Schülerkreises, daran, wie sehr er als Mensch und als Priester von Benedikt geprägt worden ist.

Silvia Kritzenberger – Vatikanstadt

„An Papst Benedikt hat mich besonders beeindruckt, dass er stets auf Gott schaute. Gott war für ihn lebendig und real wie eine Person, mit der man spricht. Aber mehr noch wie derjenige, der uns das Tor zum ewigen Leben erschließt. Und konkret wurde dieser Gott in der Person Jesu Christi. Über ihn hat er geschrieben. Von ihm hat er gesprochen, und ihn hat er mit seinem Leben bezeugt. Das ist etwas, was ich in besonderer Weise herausheben möchte, wenn ich über Papst Benedikt nachdenke,“ betont Prof. Weimann im Interview mit Radio Vatikan.

„Er setzte Hoffnung auf junge Menschen, auf Menschen, die Christus neu in den Mittelpunkt rücken wollten“

 

An eine Begegnung mit Papst Benedikt kann er sich noch heute lebhaft erinnern:

„Als ich meine erste Doktorarbeit fertig hatte über das Thema Dogma und Fortschritt bei Joseph Ratzinger, hatte ich die Möglichkeit, diese Arbeit ihm als Papst Benedikt vorzustellen. Ich war, wie man bei uns im Norden sagt, ganz klein mit Hut, und wollte ihm das Werk vorstellen. Doch er erhob gleichsam sein Gegenüber, also mich in diesem Fall, und sagte etwas, was mich tief verblüffte: Er sagte, dass dieses Thema sehr wichtig sei und dass er große Hoffnung die junge Generation setze. Er war nicht von sich selbst eingenommen. Nicht sich selbst bezeichnete er als das Non plus ultra, sondern er setzte Hoffnung auf junge Menschen, auf Menschen, die Christus neu in den Mittelpunkt rücken wollten. Das hat mich motiviert. Das hat mich geprägt. Und das hat mir Zuversicht gegeben, auch im theologischen Schaffen und Arbeiten weiterzugeben.“

Mitarbeiter der Wahrheit

Papst Benedikt habe Mitarbeiter der Wahrheit sein wollten, so Weimann weiter. Er habe nicht selber die Wahrheit sein, nicht selbst glänzen, nicht selbst im Mittelpunkt stehen wollen; er wollte schlicht und einfach Mitarbeiter der Wahrheit sein. „Und zwar einer Wahrheit, die er nicht erfunden hat, sondern die er gefunden hat: Die Wahrheit, die Jesus Christus ist. In diesem großen Auftrag sah er sich. Dafür hat er versucht, Zeugnis abzulegen in seinen Schriften, aber auch durch sein Leben.“

Juli 2025: Prof. Ralph Weimann beim Benedikt XVI. Forum
Juli 2025: Prof. Ralph Weimann beim Benedikt XVI. Forum   (Rudolf Gehrig/CNA Deutsch)

Jungen Menschen würde Weimann vor allem zwei Werke ans Herz legen, die von Papst Benedikt stammen: „Das erste Werk ist Jesus von Nazareth, wo er über die Person Jesu Christi schreibt, wo er nachforscht und darstellt, wer er gewesen ist, nämlich der Sohn des lebendigen Gottes. Ein anderes Werk, das aus den 80er Jahren stammt, würde ich ans Herz legen, um Menschen Orientierung zu geben, nämlich zur Lage des Glaubens. Darin schreibt er ganz ehrlich, was die Schwierigkeiten sind, die die Kirche gerade in der damaligen Zeit, aber auch in unserer Zeit zu bewältigen hat. Und wie wir Menschen, wie wir Christen, gerade in der heutigen Zeit Orientierung und Zuversicht finden, wenn wir auf das schauen, was wesentlich ist: nämlich auf die geoffenbarte Wahrheit, auf Jesus Christus.“

„Wir müssen wieder neu lernen, dass der Glaube Zuversicht bedeutet“

Wie Prof. Weimann meint, kann das Denken Joseph Ratzingers/Benedikts XVI. auch heute helfen, mit Zweifeln und Glaubensfragen umzugehen:

„Der Zweifel wird heute oft als etwas Positives dargestellt, gleichsam eine Errungenschaft der Moderne. Doch in Wirklichkeit zerstört der Zweifel das Vertrauen. Das Urvertrauen wurde zerstört durch die Erbsünde. Adam und Eva sind durch den Zweifel an Gottes Gebot in die Sünde getrieben worden. Und so auch heute. Wir müssen den Zweifel überwinden, und wir überwinden ihn durch die Zuversicht, die aus dem Glauben kommt. Das würde ich den jungen Menschen gerade mitgeben in der heutigen Zeit, aber nicht nur den jungen Menschen, sondern allen Menschen. Weil wir wieder neu lernen müssen, dass der Glaube Zuversicht bedeutet. Zuversicht, die dann wiederum zur Hoffnung wird. Das ist auch das Ziel des Heiligen Jahres 2025 gewesen, wo wir den Blick neu auf diese Hoffnung schenken und lenken möchten, die nur von Christus uns gegeben werden kann, dem Sohn des lebendigen Gottes.“

(vaticannews – skr)

 

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31. Dezember 2025, 16:37