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 Kardinal Lazzaro You Heung-sik, Präfekt des Dikasteriums für den Klerus Kardinal Lazzaro You Heung-sik, Präfekt des Dikasteriums für den Klerus 

„Eine Treue, die Zukunft zeugt“

An diesem Montag wurde das neue Apostolische Schreiben von Papst Leo XIV. über das geweihte Amt veröffentlicht. Im Interview mit den vatikanischen Medien erläutert Kardinal Lazzaro You Heung-sik, Präfekt des Dikasteriums für den Klerus, warum das Priestertum kein „Relikt der Vergangenheit“ ist und welche Rolle soziale Netzwerke künftig spielen sollen.

Mario Galgano - Vatikanstadt

Wenige Tage vor Weihnachten hat Papst Leo XIV. mit einem neuen Apostolischen Schreiben zum Priestertum aufhorchen lassen. Anlass ist das 60. Jubiläum der Konzilsdekrete Optatam Totius und Presbyterorum Ordinis. Kardinal Lazzaro You Heung-sik sieht in diesem Text ein wichtiges Signal gegen die aktuelle Krisenstimmung innerhalb des Klerus.

Priestertum ist kein „Relikt der Antike“

An diesem Montag betonte der Kardinal in einem Interview, dass das Priestertum in einer Zeit, in der es oft als „überholte Lebensform“ oder aufgrund von Skandalen als wenig attraktiv wahrgenommen werde, eine „wunderbare Gabe“ bleibe. Das Schreiben trage den Titel „Eine Treue, die Zukunft zeugt“. Für den Präfekten ist dies ein Programm: „Es kann keine Zukunft ohne Treue geben.“ In einer westlichen Welt, die Beständigkeit oft als Stillstand missverstehe, erinnere der Papst daran, dass wahre Kreativität des Geistes nur aus einer tiefen inneren Bindung an den Ruf Gottes erwachsen könne.

Synodalität als „Gegenmittel zur Selbstbezogenheit“

Ein zentrales Anliegen des Papstes sei die gemeinschaftliche Dimension des priesterlichen Lebens. Kardinal You Heung-sik unterstrich, dass kein Priester „allein existieren oder wirken“ könne. Die vom Papst geforderte Synodalität sei das beste „Gegenmittel“ gegen Einsamkeit und Selbstbezogenheit.

„Ein brüderliches Verhältnis zum Bischof, authentische Beziehungen zu den Mitbrüdern und eine Mitverantwortung mit den Laien sind keine Zusatzleistungen, sondern der eigentliche Nährboden für die Berufung“, erklärte der Kardinal. Eine synodale Kirche bedeute dabei nicht die Einführung einer Demokratie, sondern eine geteilte Verantwortung für die Sendung der Kirche.

Krise der Verbindlichkeit

Angesprochen auf den Rückgang der Priesterzahlen, sprach der Kardinal weniger von einer Kirchenkrise als vielmehr von einer allgemeinen Krise stabiler Lebensentwürfe. In einer Welt, die temporäre Bindungen bevorzuge, falle es schwer, dauerhafte Verpflichtungen einzugehen. Dennoch dürfe sich die Kirche nicht mit dem Status quo abfinden. Der Papst lade zu einem „generativen Pastoralstil“ ein, der die radikale Botschaft des Evangeliums ohne Angst und ohne Verwässerung verkündet.

Herausforderung Social Media

Besonderes Augenmerk schenke das päpstliche Schreiben dem verantwortungsvollen Umgang mit sozialen Netzwerken. Da viele Priester mittlerweile Zehntausende Follower haben, mahne der Papst zu einer gewissen Zurückhaltung. Kardinal You Heung-sik erläuterte: „Jeder Priester sollte nach dem Vorbild Johannes des Täufers immer auf Christus hinweisen und niemals auf die eigene Person.“ In einer digitalen Welt, die auf Selbstdarstellung programmiert ist, sei dies eine große Herausforderung. Das Dikasterium für den Klerus werde diesen Bereich künftig stärker in die Ausbildung der Priester integrieren, um eine „weise Präsenz“ im digitalen Raum zu fördern.

(vatican news)

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22. Dezember 2025, 13:24