Papst: Das Reich Gottes wächst im Verborgenen
Silvia Kritzenberger - Vatikanstadt
Mit den Gleichnissen vom guten Weizen und dem Unkraut, vom Senfkorn und vom Sauerteig (Mt 13,24-43) führt Jesus seine Zuhörer tiefer in das Geheimnis des Reiches Gottes ein. Diese Bilder offenbarten nicht nur, wie Gott in der Geschichte handelt, sondern auch, wie sein Reich „die Welt von innen heraus verwandelt“, leitete Papst Leo seine Auslegung des Tagesevangeliums ein.
„Mit diesen Erzählungen warnt uns Jesus vor der Versuchung, dass wir uns Gott wie eine mächtige Gestalt vorstellen, die sich mit Gewalt durchsetzt, die Raum einnimmt, um zu herrschen, die triumphal daherkommt. Im Gegenteil, Gott bevorzugt das Kleine – ein Zeichen seiner zurückhaltenden Liebe, die uns die Freiheit lässt, ihn anzunehmen oder abzulehnen; die sich auch inmitten des Unkrauts ihren Weg zu bahnen versucht; die wie das kleinste von allen Samenkörnern verborgen und unsichtbar wirkt, die im Teig lautlos gärt und aufgeht.“
Gott drängt sich nicht auf...
Gott dränge sich also nicht auf und setze sich auch nicht mit Zwang durch. Stattdessen wirkt er im Verborgenen – doch gerade diese unscheinbare Weise des Wirkens Gottes fordere die Christen heraus, spann der Papst seinen gedanklichen Faden weiter. Oft wünschten sich die Menschen nämlich ein sofortiges Eingreifen Gottes gegen das Böse und erwarteten klare, sichtbare Lösungen. Das Evangelium aber lade zu einem anderen Blick ein...
Das Gute wahrnehmen, das selbst in der Finsternis des Bösen aufkeimt
„Wir stellen uns einen starken und mächtigen Gott vor und passen diesem Bild leider auch unsere Art an, Christen zu sein und Kirche zu sein. Stattdessen breitet sich das Reich Gottes auch inmitten des Unkrauts aus und fordert von uns einen Blick, der, ohne alles sofort zu beurteilen, das Gute wahrnehmen kann, das selbst in der Finsternis des Bösen aufkeimt,“ stellte der Papst fest.
Auch dort, wo das Böse gegenwärtig sei, wachse das Gute. Es brauche Geduld, um Gottes Wirken zu erkennen, und Vertrauen darauf, dass seine Liebe selbst dann am Werk ist, „wenn uns Gott abwesend zu sein scheint. Denn in Wirklichkeit begleitet er uns immer und wirkt seine Liebe stets für uns.“
Der göttliche Stil, der das Leben der Kirche prägen muss
Papst Leo erinnert daran, dass dieser göttliche Stil auch das Leben der Kirche prägen muss. Als Christen seien wir dazu aufgerufen, „uns einen dem Evangelium gemäßen Stil zu eigen zu machen, ohne vorschnell mit arroganten Urteilen dagegenzuhalten, ohne uns mit Macht und Stärke zu behaupten und ohne das Vertrauen in Gottes Wirken zu verlieren.“
Die Logik des Samenkorns...
In diesem Zusammenhang griff Papst Leo einen Gedanken auf, den der damalige Kardinal Joseph Ratzinger bei einem Vortrag im Dezember 2000 geäußert hatte:
„Es geht darum, dass wir uns der Logik des Samenkorns unterwerfen, die nicht jene des Erfolgs und der Größe ist, sondern von uns verlangt, uns klein zu machen und dem Leben der Menschen zu dienen. Auf diese Weise werden wir selbst wie ein kleiner Samen des Evangeliums, der aufkeimt und wie ein Sauerteig der Liebe, der den Teig der Welt verwandelt.“
Abschließend lud Papst Leo die Gläubigen noch ein, sich am Vorbild der Gottesmutter Maria zu orientieren, die das Wort Gottes in aller Demut aufgenommen und ihm Raum gegeben hat, Frucht zu bringen.
(vaticannews – skr)
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