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Papst Leo XIV. mit „Liberty Medal" ausgezeichnet

Papst Leo XIV. hat die „Liberty Medal" erhalten. Die Auszeichnung für Freiheitsrechte wurde bei einer öffentlichen Zeremonie in Philadelphia verliehen, am Vorabend des 250. Jahrestags der Gründung der Vereinigten Staaten. Das katholische Kirchenoberhaupt bedankte sich am Freitagabend per Videoschalte aus dem Vatikan.

Deborah Castellano Lubov und Stefanie Stahlhofen – Vatikanstadt*

„Mit der Entgegennahme dieser Auszeichnung“, so Leo, „bete ich dafür, dass der 250. Jahrestag der Gründung dieser großartigen Nation Anlass sein möge für ein feierliches erneutes Bekenntnis zu diesen Idealen, die Amerika zu einem Land gemacht haben, das Frieden und Wohlstand schätzt, einem Land, das sich durch Großzügigkeit und Edelmut auszeichnet.“ Leo - mit bürgerlichem Namen Robert Prevost - ist der erste Papst der Geschichte, der aus den USA stammt. Er wurde 1955 in Chicago geboren.

Papst Leo XIV. hat diesen Freitag die „Liberty Medal" bekommen - er hielt seine Dankesrede per Livestream aus dem Vatikan
Papst Leo XIV. hat diesen Freitag die „Liberty Medal" bekommen - er hielt seine Dankesrede per Livestream aus dem Vatikan   (@Vatican Media)

„Feierliches erneutes Bekenntnis zu diesen Idealen, die Amerika zu einem Land gemacht haben, das Frieden und Wohlstand schätzt, einem Land, das sich durch Großzügigkeit und Edelmut auszeichnet“

Die Liberty Medal wurde 1988 anlässlich des 200. Jahrestags der US-Verfassung gestiftet. Sie ehrt Persönlichkeiten und Organisationen, die sich für Freiheit und Menschenwürde einsetzen. In diesem Jahr würdigt das National Constitution Center Papst Leo XIV. für seinen Einsatz für Religionsfreiheit, Gewissensfreiheit und Meinungsfreiheit. Der Preisträger schaltete sich aus dem Vatikan zu, um seine Dankesrede zu halten. Die Medaille hatte er zuvor schon überreicht bekommen, wie in einem eingespielten Video zu sehen war. Nun trug Leo die Medaille für die Live-Dankesrede: 

„Als Sohn dieses großartigen Landes, das von mutigen Männern und Frauen gegründet wurde, die von Freiheit und einem besseren Leben für sich selbst und ihre Kinder träumten, schließe ich mich Ihrem Gebet an und bitte Gott um seinen Segen für die Zukunft Amerikas, damit die hohen Ideale, die zu Beginn der Unabhängigkeitserklärung verankert wurden, auch weiterhin das Gedeihen der Nation in Einheit, Gerechtigkeit und Frieden leiten mögen.“

Papst Leo XIV. mit der „Liberty Medal"
Papst Leo XIV. mit der „Liberty Medal"   (@Vatican Media)

„Bitte Gott um seinen Segen für die Zukunft Amerikas, damit die hohen Ideale, die zu Beginn der Unabhängigkeitserklärung verankert wurden, auch weiterhin das Gedeihen der Nation in Einheit, Gerechtigkeit und Frieden leiten mögen“

Ideale, die von den Gründervätern Amerikas im Ersten Zusatzartikel zur Verfassung der Vereinigten Staaten verankert wurden. Papst Leo erklärte, es sei ihm eine Ehre, die Medaille entgegenzunehmen, insbesondere in diesem historischen Jahr, in dem sich die Gründung der Vereinigten Staaten mit der Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung am 4. Juli 1776 zum 250. Mal jährt.

Unveräußerliche Rechte

Der Heilige Vater begrüßte die in Philadelphia Versammelten herzlich und sagte, dass „die meisten von uns schon seit ihrer Jugend die Beredsamkeit jener Worte bewundern, dass alle Männer und Frauen gleich geschaffen und von ihrem Schöpfer mit bestimmten unveräußerlichen Rechten ausgestattet sind, darunter das Recht auf Leben, Freiheit und das Streben nach Glück“. Auch wenn diese Aussage „in der Sprache der Aufklärung formuliert ist“, erklärte er, „beruht sie letztlich auf einem Verständnis des Menschen, das von der großen biblischen Vision inspiriert ist, dass Mann und Frau nach dem Ebenbild Gottes geschaffen sind.“

Papst Leo XIV. hat diesen Freitag die „Liberty Medal" bekommen - er verfolgte den Livestream zur Verleihung im Vatikan und schaltete sich für seine Dankesrede zu
Papst Leo XIV. hat diesen Freitag die „Liberty Medal" bekommen - er verfolgte den Livestream zur Verleihung im Vatikan und schaltete sich für seine Dankesrede zu   (@Vatican Media)

„Grundlage der Menschenwürde; einer Würde, die der Gründung jedes Staates vorausgeht und deren Wahrung dessen eigentlichen Zweck ausmacht“

„Genau hier“, so sagte er, „entdecken wir die Grundlage der Menschenwürde; einer Würde, die der Gründung jedes Staates vorausgeht und deren Wahrung dessen eigentlichen Zweck ausmacht.“

Einwanderer waren willkommen

In den vergangenen 250 Jahren, so Papst Leo, sei es die feste Entschlossenheit gewesen, die edle Vision der Gründerväter der Nation zu verwirklichen, die Amerika zu einem „Inbegriff der Freiheit“ gemacht habe, als das Land seine Türen für aufeinanderfolgende Einwanderungswellen öffnete und es ihnen und ihren Kindern ermöglichte, die Zukunft der Nation mitzugestalten. 

Aktuell haben die USA hingegen den Ton gegenüber Migranten verschärft. Am Samstag, dem 250. Geburtstag der USA, besucht das katholische Kirchenoberhaupt für einen halben Tag die italienische Insel Lampedusa - bekannt als Hotspot für Migranten und Flüchtlinge. 

In seiner Live-Schaltung nach Philadelphia stellte Papst Leo XIV. auch fest, dass die Liebe zur Freiheit die Vereinigten Staaten in den dunkelsten Stunden des letzten Jahrhunderts, während der beiden Weltkriege, dazu inspiriert habe, über den eigenen Horizont hinauszuschauen und unter großen Opfern die Sache der Freiheit jenseits der eigenen Grenzen zu verteidigen.

Jeder Amerikaner wisse,  fuhr Papst Leo fort, dass der Weg zum Aufbau einer Gesellschaft, die die hohen Ideale von Freiheit und Gerechtigkeit für alle verkörpert, nicht immer einfach gewesen sei. Und er bleibe in vielerlei Hinsicht ein fortwährendes Unterfangen, das „in jeder Generation und angesichts immer neuer Herausforderungen neu in Angriff genommen werden muss“.

Papst Leo verfolgte die Zeremonie aus dem Vatikan
Papst Leo verfolgte die Zeremonie aus dem Vatikan   (@Vatican Media)

Erneut über die Gründungsprinzipien der Nation nachdenken

Mit Blick auf die Zukunft sagte der Heilige Vater, dieser historische Jahrestag biete die Gelegenheit, noch einmal über die Gründungsprinzipien der Nation nachzudenken, und äußerte die Hoffnung, dass Amerika dem Traum treu bleiben werde, der ihm den Titel „Land der Freien und Heimat der Tapferen“ eingebracht habe.

In seiner Ansprache betonte der Papst, dass das erste von den Gründervätern der Nation verankerte Recht das Recht auf Leben sei, und wies darauf hin, dass niemand, dem das Leben genommen wurde, Freiheit genießen oder nach Glück streben könne. In diesem Zusammenhang unterstrich er: „Die Lebenskraft eines Landes ist eng mit dem Wert verbunden, den es dem menschlichen Leben in jeder Form und jedem Zustand beimisst, und mit der Anerkennung der Würde, die jedem Menschen allein aufgrund seiner Existenz zusteht.“

Papst Leo XIV. bei der Live-Schalte
Papst Leo XIV. bei der Live-Schalte   (@Vatican Media)

„Die Lebenskraft eines Landes ist eng mit dem Wert verbunden, den es dem menschlichen Leben in jeder Form und jedem Zustand beimisst, und mit der Anerkennung der Würde, die jedem Menschen allein aufgrund seiner Existenz zusteht“

Lebensschutz als Maßstab moralischer Größe einer Nation

Papst Leo XIV. hielt ein Plädoyer für Lebensschutz - von der Empfängnis bis zum natürlichen Tode. Der Wert jedes menschlichen Lebens habe Generationen dazu veranlasst, die wunderbaren Werke des Schöpfers zu preisen (vgl. Ps 139,14) und vor einem so kostbaren Geschenk in Ehrfurcht zu verharren: „Genau diese Ehrfurcht müssen wir weiterhin pflegen – eine Ehrfurcht, die die Herzen der Menschen bewegt und Gesetze inspiriert, die dieses Geschenk vom Moment der Empfängnis bis zum natürlichen Tod anerkennen und schützen.“ 

„Geschenk vom Moment der Empfängnis bis zum natürlichen Tod anerkennen und schützen“

„In dieser Hinsicht zeigt sich die moralische Größe einer Nation vor allem in ihrer Fähigkeit, das Leben aller zu unterstützen, zu schützen und zu wertschätzen, insbesondere das der Schwächsten und derer, deren Wert in Frage gestellt wird.“

Mit Bezug auf die Freiheit stellte der Papst fest, dass diese seit jeher zu den Grundsätzen gehört, die von denjenigen am meisten geschätzt werden, die innerhalb der Grenzen Amerikas einen Neuanfang suchen: 

„Das Verlangen nach Wahrheit und Freiheit sowie das Streben nach Glück“, sagte er, „inspiriert Menschen aller Generationen weiterhin dazu, grundlegende Fragen nach dem Sinn des Lebens, unserem letztendlichen Ziel und ja, auch nach Gott zu stellen. Es gebührt großmütigen Herzen, sich zu bemühen, diese Fragen aufrichtig zu beantworten.“

Er merkte an, dass diese Antworten unweigerlich die Richtung unseres Lebens bestimmen.

Papst Leo XIV. mit der Medaille
Papst Leo XIV. mit der Medaille

Lob der Religionsfreiheit

Amerika setze sich seit langem für Religionsfreiheit ein, die notwendig sei, damit Menschen ohne Furcht oder Zwang den Geboten ihres Gewissens folgen könnten, sagte der Papst und verwies dabei auf den Ersten Zusatzartikel der US-Verfassung.

Diese Freiheit, so fuhr er fort, schütze den inneren Bereich, in dem Überzeugungen entstehen und das Gewissen die Entscheidungen des menschlichen Herzens leitet. Sie schütze auch das Recht jedes Menschen, seinem Glauben entsprechend zu beten, sowie das Recht von Einzelpersonen, Gemeinschaften und Vereinigungen, ihren Glauben öffentlich zu bekunden.

Der Papst fügte hinzu, dass diese Tradition der Religionsfreiheit den interkonfessionellen Dialog und die interreligiöse Zusammenarbeit fördere, um das Gemeinwohl zu stärken und die Debatte über die großen moralischen und ethischen Fragen zu bereichern, die die Geschichte der Nation geprägt hätten.

Die Medaille hatte der Papst vor der Live-Schalte überreicht bekommen
Die Medaille hatte der Papst vor der Live-Schalte überreicht bekommen

Engagement für den Frieden und Versöhnung

Papst Leo XIV. brachte auch seine Hoffnung zum Ausdruck, dass diese Tradition auch weiterhin Früchte tragen werde in einem öffentlichen Diskurs, der von Mäßigung, Respekt vor unterschiedlichen Ansichten und dem ständigen Bemühen geprägt sei, Gemeinsamkeiten zu finden, um Frieden und Versöhnung im In- und Ausland zu fördern.

Er erinnerte daran, dass die Vorfahren Amerikas unterschiedliche Hintergründe, Religionen und Sprachen hatten, und stellte fest, dass sie dennoch eine gemeinsame Basis und die Kraft gefunden hätten, eine bessere Zukunft anzustreben.

„Die Prinzipien, die die Gründer Amerikas inspirierten und die in der Wahrheit des Menschen verwurzelt sind“, so der Papst, „brachten sie in einer einzigen Sache, einem gemeinsamen Traum, zusammen. Die Einheit verlieh diesem Traum Kraft und ließ unter Gott die Vereinigten Staaten von Amerika entstehen. E pluribus unum – aus vielen eins.“

„E pluribus unum – aus vielen eins“

Damit eine Nation gedeihen könne, fügte er hinzu, müsse sie nicht nur durch vorübergehende Ziele, sondern durch beständige Ideale vereint sein.

Papst Leo XIV. mit der Delegation, die die Medaille überbracht hatte
Papst Leo XIV. mit der Delegation, die die Medaille überbracht hatte

Menschenwürde, Gleichheit und Rechte

„Mögen die Grundsätze, über die wir heute nachgedacht haben – die gemeinsame Menschenwürde, die Gleichheit und die in der Unabhängigkeitserklärung festgeschriebenen Rechte – stets eine Quelle solcher Einheit und ein Leitstern für die Gegenwart und die kommenden Tage sein“, gab der Papst allen Zuhörern mit. 

Papst Leo empfahl die Versammelten und die Zukunft der Vereinigten Staaten „dem Einen, der selbst die Quelle wahrer Freiheit und dauerhaften Friedens ist, dem Einen, dessen Name selbst ‚Frieden‘ ist“, und schloss mit den Worten: „Gott segne Amerika! Ich danke Euch.“

*Beitrag aktualisiert um Inhalte der Dankesrede und Fotos, 17:48 Uhr

Sehen Sie hier auch die Übergabe der Medaille im April im Vatikan

(vatican news - bp/sst)

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03. Juli 2026, 13:03