Papst und Kolumbiens Präsident beraten über Friedensprozess
Mario Galgano - Vatikanstadt
Nach einer Audienz bei Papst Leo XIV. im Apostolischen Palast kam das Staatsoberhaupt zu weiteren Gesprächen mit Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin und Monsignore Daniel Pacho, dem Untersekretär für den multilateralen Sektor der Sektion für die Beziehungen mit den Staaten und internationalen Organisationen, zusammen.
Im Verlauf der Gespräche im Staatssekretariat wurde die Qualität der bilateralen Beziehungen gewürdigt. Das Presseamt verwies auf eine konstante Zusammenarbeit zwischen Kirche und Staat zur Förderung von Frieden, Versöhnung und nationaler Einheit in dem südamerikanischen Land. Neben der innenpolitischen Lage in Kolumbien erstreckte sich der Austausch auch auf die soziopolitische Situation in der gesamten Region. Besondere Aufmerksamkeit galt dabei den Auswirkungen regionaler Konflikte, der internationalen organisierten Kriminalität sowie den Folgen des Klimawandels.
Die Rolle der katholischen Kirche in Kolumbien
Der Dialog berührte Kernbereiche der gesellschaftlichen Präsenz der katholischen Kirche in Kolumbien, die historisch zu den einflussreichsten Institutionen des Landes zählt. Die Kirche agiert dort seit Jahrzehnten als Vermittlerin in dem langanhaltenden bewaffneten Konflikt zwischen der Regierung, linken Guerillagruppen wie der Nationalen Befreiungsarmee (ELN) und verschiedenen paramilitärischen Nachfolgeorganisationen sowie Drogenkartellen.
Besonders in den ländlichen und von staatlichen Strukturen vernachlässigten Regionen Kolumbiens übernimmt die Bischofskonferenz über ihre Diözesen und Hilfswerke häufig die Aufgaben der humanitären Basisversorgung und des Opferschutzes. Die von der Regierung Petro angestrebte Politik des „Totalen Friedens“ (Paz Total) sieht eine Einbindung der kirchlichen Kanäle vor, um Verhandlungen mit den verbleibenden bewaffneten Akteuren zu moderieren. Gleichzeitig steht die Kirche vor der Herausforderung, trotz des wachsenden Einflusses evangelikaler Gruppierungen und fortschreitender Säkularisierungsprozesse ihre Rolle als moralische und soziale Klammer der kolumbianischen Gesellschaft zu wahren.
(vatican news)
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