Papst beim Angelus: Die Katechese im Wortlaut

Lesen Sie hier in amtlicher deutscher Übersetzung, was Papst Leo XIV. beim Angelusgebet am 19. Juli 2026 gesagt hat. Sämtliche Wortmeldungen der Päpste in den verschiedenen offiziellen Übersetzungen finden Sie auf vatican.va.

Liebe Brüder und Schwestern, einen schönen Sonntag!

Im Anschluss an das Gleichnis vom Sämann spricht Jesus weiterhin durch einige Bilder zu den Menschenmengen: der gute Weizen und das Unkraut, das Senfkorn, der Sauerteig im Mehl (vgl. Mt 13,24–43).

Es handelt sich um drei kurze Gleichnisse, die auf das Kommen des Reiches Gottes in der Geschichte hinweisen sollen, auf sein Wirken im Leben der Menschen, auf die Art und Weise, wie es wächst, sich ausbreitet und die Welt von innen heraus verwandelt. Mit diesen Erzählungen warnt uns Jesus vor der Versuchung, dass wir uns Gott wie eine mächtige Gestalt vorstellen, die sich mit Gewalt durchsetzt, die Raum einnimmt, um zu herrschen, die triumphal daherkommt. Im Gegenteil, Gott bevorzugt das Kleine – ein Zeichen seiner zurückhaltenden Liebe, die uns die Freiheit lässt, ihn anzunehmen oder abzulehnen; die sich auch inmitten des Unkrauts ihren Weg zu bahnen versucht; die wie das kleinste von allen Samenkörnern verborgen und unsichtbar wirkt, die im Teig lautlos gärt und aufgeht.

„Wir stellen uns einen starken und mächtigen Gott vor und passen diesem Bild leider auch unsere Art an, Christen zu sein und Kirche zu sein.“

Brüder und Schwestern, mit diesen Gleichnissen sagt uns Jesus etwas Wichtiges darüber, wie Gott in unserem Leben und in der Geschichte wirkt. Manchmal erwarten wir etwas Aufsehenerregendes, wünschen uns einen Gott, der von oben eingreift und das Unkraut des Bösen sofort ausreißt. Wir stellen uns einen starken und mächtigen Gott vor und passen diesem Bild leider auch unsere Art an, Christen zu sein und Kirche zu sein. Stattdessen breitet sich das Reich Gottes auch inmitten des Unkrauts aus und fordert von uns einen Blick, der, ohne alles sofort zu beurteilen, das Gute wahrnehmen kann, das selbst in der Finsternis des Bösen aufkeimt; es kommt wie der kleinste aller Samen und verlangt daher die Geduld, Prozesse zu begleiten und es in der Kleinheit des Alltags und in der Einfachheit des gewöhnlichen Lebens zu erkennen; es wächst unsichtbar wie der Sauerteig im Mehl, auf diese Weise befreit es uns von der Mutlosigkeit und lädt uns ein, auch dann Vertrauen zu haben, wenn uns Gott abwesend zu sein scheint. Denn in Wirklichkeit begleitet er uns immer und wirkt seine Liebe stets für uns.

„Wir sind dazu aufgerufen, uns einen dem Evangelium gemäßen Stil zu eigen zu machen, ohne vorschnell mit arroganten Urteilen dagegenzuhalten, ohne uns mit Macht und Stärke zu behaupten und ohne das Vertrauen in Gottes Wirken zu verlieren“



Dieser Stil Gottes muss auch zu der Art und Weise werden, wie wir – sowohl als Einzelne als auch als Kirche – in der uns umgebenden Wirklichkeit leben. Wir sind dazu aufgerufen, uns einen dem Evangelium gemäßen Stil zu eigen zu machen, ohne vorschnell mit arroganten Urteilen dagegenzuhalten, ohne uns mit Macht und Stärke zu behaupten und ohne das Vertrauen in Gottes Wirken zu verlieren. Es geht darum – wie der damalige Kardinal Ratzinger sagte –, dass wir uns der Logik des Samenkorns unterwerfen, die nicht jene des Erfolgs und der Größe ist, sondern von uns verlangt, uns klein zu machen und dem Leben der Menschen zu dienen (vgl. Vortrag „Die Neuevangelisierung“ anlässlich des Studiennachmittags beim Jubiläum der Katecheten und Religionslehrer, 10. Dezember 2000). Auf diese Weise werden wir selbst wie ein kleiner Samen des Evangeliums, der aufkeimt und wie ein Sauerteig der Liebe, der den Teig der Welt verwandelt.

Bitten wir die allerseligste Jungfrau Maria, die es verstanden hat, den Samen des Wortes in der Kleinheit aufzunehmen, dass sie uns auf unserem Weg beistehe und für uns Fürsprache einlege.

(vaticannews - skr)

Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen..

19. Juli 2026, 12:10