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Papst ermutigt Kardinäle zu Mitarbeit bei Leitung der Kirche

Leo XIV. hat die Kardinäle zur Mitarbeit bei der Leitung der Kirche ermuntert. Er äußerte sich an diesem Freitag zum Auftakt einer großen Kardinalversammlung im Vatikan, eines sogenannten außerordentlichen Konsistoriums.

Stefan von Kempis – Vatikanstadt

In seiner Predigt bei einer Messfeier im Petersdom am Freitagmorgen appellierte er an ihre Kollegialität, brachte diese mit dem synodalen Prinzip in Verbindung und äußerte sich auch zum päpstlichen Primat. Damit rief er drei innerkirchlich sehr wichtige Stichworte auf.

„Indem wir zusammenarbeiten, wird unsere Kollegialität zu einer Synthese der Synodalität, an der alle Getauften in der Einheit des Volkes Gottes teilhaben. Denn die Synodalität und das Kollegium sind Formen der christlichen Brüderlichkeit, die uns als Getaufte und als Bischöfe verbindet. Deshalb wird die Hilfe, die ihr mir bei der Ausübung des Petrusdienstes leisten könnt, bei mir auf jemanden treffen, der bittet, nicht auf jemanden, der befiehlt. Die Autorität des Primats liegt nämlich bei demjenigen, der zuhört und nur deshalb führt, bei demjenigen, der lernt und nur deshalb lehrt – stets in der Nachfolge des einen Meisters.“

  (@Vatican Media)

„Die Autorität des Primats liegt bei demjenigen, der zuhört und nur deshalb führt, bei demjenigen, der lernt und nur deshalb lehrt“


Das Prinzip der Kollegialität wurde besonders im Text Lumen gentium des Zweiten Vatikanischen Konzils entwickelt. Es bedeutet, dass die „Körperschaft der Bischöfe … in Gemeinschaft mit dem Bischof von Rom … als seinem Haupt … gleichfalls Träger der höchsten und vollen Gewalt über die ganze Kirche“ ist (LG 22). Das Prinzip der Synodalität wiederum ist vor allem vom verstorbenen Papst Franziskus (2013-25) in Erinnerung gerufen und als grundlegend für die katholische Kirche beschrieben worden. Für eine katholische Weltsynode, die im Herbst 2024 zu Ende gegangen ist, läuft derzeit die Umsetzungsphase.

Was den päpstlichen Primat betrifft, den das Erste Vatikanische Konzil einst definiert hat, betont Leo XIV. auch hier den kollegialen Aspekt besonders. Damit liegt er auf einer Linie mit dem Dokument Der Bischof von Rom, das die Ökumene-Behörde des Vatikans 2024 veröffentlicht hat. Kurz gefasst lässt sich sagen, dass der Papst an diesem Freitag ein Bekenntnis zur Zusammenarbeit mit anderen – im spezifischen Fall mit den Bischöfen – und zu einer kollegialen Ausübung seines Primats abgelegt hat.

Radio Vatikan: Die Papstmesse zu Beginn der Kardinalsberatungen im Vatikan


Zweitägige Beratungen der Kardinäle mit dem Papst

Die Messe des Papstes mit Kardinälen markierte den Beginn eines zweitägigen Konsistoriums, also einer Versammlung zu wichtigen Fragen der Kirche hinter verschlossenen Türen im Vatikan. Solche Konferenzen mit seinen Kardinälen will der Papst regelmäßig durchführen. In der Apsis des Petersdoms feierte Leo mit den Kardinälen, die man manchmal als „Senat des Papstes“ einstuft, eine Eucharistiefeier, um Gott für die anstehenden Diskussionen „um Stärke und Weisheit zu bitten“.

„Die Umsetzung der Synode, um die wir uns bemühen, lädt alle ein, in der Einheit des Glaubens, in der Förderung des Friedens und im Gehorsam gegenüber dem lebendigen Wort, das Jesus ist, voranzuschreiten. In diesem Licht erfordern die enormen und schnellen kulturellen Veränderungen, dass wir stets unsere Aufmerksamkeit darauf richten und versuchen, die ewigen Wahrheiten in einer Sprache auszudrücken, die deren ständige Neuheit durchscheinen lässt.“

  (@Vatican Media)

Die Wunden der Menschheitsfamilie

Das war größtenteils ein Zitat aus der Programmschrift Evangelii Gaudium des Franziskus von 2013, auf die sich Papst Leo immer wieder bezieht. „Das eine Wort, welches Mensch geworden ist, drückt sich in allen Sprachen aus: Christus, der gestorben und auferstanden ist, ist der wahre Weinstock, der mittels aller Kulturen, die die Christen von innen heraus verwandeln, Frucht bringt. So lässt der Heilige Geist in der Kirche geschwisterliches Einvernehmen, Nächstenliebe und missionarischen Eifer erblühen.“

Im Glauben lasse sich „die wahre Freiheit erleben“, predigte Leo des Weiteren. „Während wir alle Völker zu dem Glauben einladen, in dem wir wahrhaft frei sind, fügen internationale Spannungen und Konflikte der Menschheitsfamilie schwere Wunden zu. Dennoch mangelt es in der Kirche und in der Welt nicht an Initiativen und Erfahrungen, die zur Achtung der Menschenwürde, der Gerechtigkeit, des Rechts und schlichtweg des Menschlichen aufrufen – sie nehmen sogar zu. Dies ist ein Grund zur Hoffnung, weil es die Schönheit des Wirkens Gottes bezeugt, der uns nach seinem Bild und Gleichnis geschaffen hat, als Zeichen seiner Herrlichkeit in der Welt.“

„Krieg ist niemals des Menschen würdig - und er ist niemals von Gott gesegnet“

Wenn dieses Zeichen verletzt werde, dann seien „wir alle verletzt“, so der Papst. „Deshalb ist der Krieg niemals des Menschen würdig und ist er niemals von Gott gesegnet, weil uns der Schöpfer mit Verstand und Willen ausgestattet hat, um die Konflikte als Menschen und nicht als Raubtiere zu lösen, die möglicherweise sogar mit hochtechnologischen Waffen ausgerüstet sind. Die Einheit der Menschheitsfamilie geht den einzelnen Völkern und Staaten voraus.“

Das sei „nicht bloß eine biologische Gegebenheit“, sondern ein „ethisches Prinzip“, insistierte der Papst. Und er skizzierte das christliche Zeugnis als „Prophezeiung einer neuen Welt“ und als ein „kulturelles und soziales Projekt, das die menschliche Entwicklung ganzheitlich fördert“. „Während die Kirche das Evangelium unter Freuden und Verfolgungen verkündet, schlägt sie sich niemals auf eine Seite: Sie ist für alle da und richtet das gleiche Wort der Bekehrung und des Heils an einen jeden.“

(vatican news)
 

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26. Juni 2026, 10:31