Nächstes großes Kardinalstreffen soll 2027 stattfinden
Ein genaues Datum für das Konsistorium 2027 nannte der Papst noch nicht; das werde er voraussichtlich Ende des Jahres mitteilen, sagte Leo den Kardinälen, die aus allen Teilen der Welt zur Versammlung nach Rom gekommen waren. Der Papst deutete auch an, warum das nächste Kardinalstreffen nicht für das Jahresende einberufen wird; er erwähnte nämlich, dass er schon vor einiger Zeit für den Herbst ein großes Treffen mit Bischöfen zur kirchlichen Ehe- und Familienpastoral im Vatikan anberaumt hat.
Leo XIV. legte bei seiner Schlussrede vor dem Konsistorium auch ein deutliches Bekenntnis zum synodalen Prozess der Weltkirche ab und bat die Kardinäle, in ihren Ortskirchen auf ein Voranschreiten in diesem Reformprozess zu dringen. Die Frage nach der Synodalität laute nicht in erster Linie: „Wer hat die Entscheidungsgewalt?“, sondern sie sei tiefgreifender: „Wie bewahren wir gemeinsam das Geschenk, das der Herr seiner Kirche anvertraut hat?“. „Wenn diese Frage in den Mittelpunkt unserer Entscheidungsfindung rückt, finden auch die Themen Autorität, Mitverantwortung und Entscheidungen ihren richtigen Platz, erleuchtet durch den Auftrag und die gemeinsame Treue zum Evangelium“, erklärte Leo.
„So möchte ich euch noch einmal den Weg der Umsetzung der Synode anvertrauen. Ich bitte euch, diesen Weg in den Kirchen, denen ihr dient, mit Überzeugung zu begleiten, ein authentisches Verständnis dafür zu fördern und alle zur Teilnahme zu ermutigen: Es geht darum, unseren Kirchen zu helfen, in einem immer tieferen Stil des Evangeliums zu wachsen.“
Die Bedeutung der Kardinalsversammlungen wiederentdecken
Entsprechend würdigte Leo auch das brüderliche und vom Hören geprägte Klima der Beratungen der zurückliegenden beiden Tage: „Ich glaube, dass wir nach und nach die wahrhaftige Bedeutung des Konsistoriums wiederentdecken: das Zusammenkommen des Kardinalskollegiums um den Nachfolger Petri, damit der Heilige Geist im gegenseitigen Zuhören und im gemeinsamen Unterscheiden dem Papst hilft, die Kirche zu leiten“, sagte Leo, und in Anlehnung an seinen Vorgänger Franziskus (2013-25): „Kein Parlament, kein Kongress, in dem Meinungen oder Interessen überwiegen, sondern eine Erfahrung der Gemeinschaft im Dienst der Mission.“ Es komme nicht darauf an, „die Zahl der Treffen zu vervielfachen, sondern zu lernen, Begegnungen so zu gestalten, dass wir, indem wir einander zuhören, gemeinsam lernen, auf den Herrn zu hören“.
Dieser synodale Stil sei in der ganzen Kirche zu fördern, erklärte Leo, „damit jeder Getaufte entsprechend seiner Berufung und Verantwortung am Aufbau der Zivilisation der Liebe und am Dienst am Gemeinwohl mitwirkt.“
Die Themen der zwei Tage
Leo ließ auch die übrigen beratschlagten Themen nochmals Revue passieren: Die Sorge um Kriege, Gewalt und Armut, über die Einsamkeit junger Menschen, über die Ursachen von Kriegen, die „nicht nur ein Konflikt zwischen Staaten“ seien, sondern „aus einer Kultur der Macht“ entstünden, die auch Wirtschaft, Technologie und Religion durchdringe. Leo sprach sich erneut für eine Rückkehr zum Multilateralismus aus, aber auch dafür, als Kirche engagierte Laien zu unterstützen, damit diese „politische Nächstenliebe“ leben könnten.
Leo: Gewaltfreiheit als Weg des Evangeliums
Besonders wertvoll habe er die Überlegungen einiger Kardinäle gefunden, die beim Konsistorium über Gewaltfreiheit gesprochen hätten: „Sie ist eine zutiefst evangeliengemäße Art, in der Geschichte zu leben … Sie verzichtet weder auf die Wahrheit noch verschweigt sie das Böse, sondern lehnt es ab, diese mit Gewalt zu verteidigen und den anderen zum Feind zu machen: Sie beginnt damit, sich selbst zu entwaffnen.“ So offenbare die Gewaltfreiheit „die Logik von Ostern“, erklärte Leo. Zum Thema „rechtmäßige Verteidigung“ statt „gerechter Krieg“ sagte der Papst, „diese Überlegung verdient es, mit der erforderlichen theologischen und pastoralen Strenge weiterentwickelt zu werden.“
Gegen Ende seiner nicht kurzen Rede vor den Kardinälen der Weltkirche machte sich Papst Leo einen Friedensaufruf zu eigen, der vom Konsistorium selbst ausgegangen war. „Sagen wir es unseren Mitbrüdern im Bischofsamt, den unserem Dienst anvertrauten Kirchen und allen Völkern der Erde: Gott wünscht sich Frieden für jede Nation und jedes Volk. Deshalb dürfen wir uns nicht mit der Gewalt abfinden. Die Gewalt wird nicht das letzte Wort haben! Gott eröffnet in der Geschichte immer wieder Wege der Versöhnung und des Friedens. Wir tragen die Verantwortung, diese Wege mutig zu beschreiten und der Welt zu helfen, sie zu erkennen.“
Das Außerordentliche Konsistorium ist eine von dem Papst einberufene Vollversammlung aller Kardinäle der römisch-katholischen Weltkirche, unabhängig von ihrem Wohnsitz oder Alter. Im Gegensatz zu den regulären Konsistorien, die sich oft mit bestimmten Feierlichkeiten befassen, dient das außerordentliche Format der Beratung über besonders weitreichende Fragen und die aktuelle Weltlage. Papst Leo hat zu erkennen gegeben, dass er sich den Rat des gesamten Kardinalskollegiums wünscht. Sein Vorgänger Franziskus hatte, etwa mit dem K8-Kardinalsrat, eher auf Beratungen in kleinen, ausgewählten Kreisen mit wechselnden Gästen gesetzt.
(vatican news – gs)
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