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Papst Leo XIV. steigt bald wieder in den Flieger (hier bei seiner Afrikareise im April 2026) - es geht ab Samstag nach Spanien Papst Leo XIV. steigt bald wieder in den Flieger (hier bei seiner Afrikareise im April 2026) - es geht ab Samstag nach Spanien  (ANSA) Leitartikel

Evangelisierung und Migranten: Eine Reise ins Herz der Herausforderungen Europas

Am Samstag beginnt Papst Leo XIV. seine Spanienreise. Sie führt ihn von Madrid über Barcelona auf die Kanarischen Inseln. Der Chefredakteur der vatikanischen Medien, Andrea Tornielli, beleuchtet in diesem Leitartikel die großen Themen der Pilgerreise nach Spanien zum 100. Todestag Gaudís, des Architekten der Sagrada Familia.

Andrea Tornielli

Die siebentägige Reise Papst Leos nach Spanien ist eine Pilgerreise ins Herz der Herausforderungen Europas. Oder besser gesagt: eine Reise, die die Herausforderungen, vor denen die Kirche auf dem alten Kontinent steht, in drei Etappen angeht. Mit seinen Reisen in den Nahen Osten hatte Leo den Akzent zunächst auf die Themen Ökumene und Frieden gelegt; nach dem Blitzbesuch im Fürstentum Monaco und einer 11-tägigen Reise in vier afrikanische Länder (die „missionarische“ Pilgerreise, die Leo ursprünglich als die erste seines Pontifikats geplant hatte), trifft der Nachfolger Petri nun auf eine stark polarisierte europäische Gesellschaft, nämlich die Gesellschaft Spaniens.

Die erste Station, Madrid, wird vor allem durch die Begegnung mit Mitgliedern des Parlaments geprägt sein: ein wichtiger Moment, um die politische Perspektive der Kirche und ihr Engagement für das Gemeinwohl in Erinnerung zu rufen. Die Kirche bemüht sich, weder zu große Staatsnähe zu zeigen noch sich aus der Öffentlichkeit verdrängen zu lassen. Um sie selbst zu sein und das Evangelium zu verkünden, darf sie sich nicht auf Macht stützen – und zugleich muss sie öffentlich im Geist des Evangeliums für eine humanere, gerechtere und den Schwächsten zugewandtere Gesellschaft eintreten, weil der Glaube Fleisch geworden ist. In einem Zeitalter der Polarisierung und Opposition besteht die Berufung der Kirche darin, Zeugnis für eine polyphone Einheit abzulegen. Zusammen mit dem gesamten spanischen Volk hat sie die Tragödie des Bürgerkriegs im letzten Jahrhundert durchlebt, und manche Wunden sind noch nicht völlig verheilt.

Papst-Dessert in einer Bäckerei in Madrid
Papst-Dessert in einer Bäckerei in Madrid

Wie lässt sich das Evangelium heute in einer Gesellschaft verkünden, die zwar tief von einer großen christlichen Tradition geprägt ist, sich heute aber zunehmend säkularisiert? Diese Frage wird die gesamte Pilgerreise des Bischofs von Rom begleiten. Beim Besuch der grandiosen Basilika Sagrada Familia, deren höchsten Turm der Papst in Barcelona einweihen wird, wird sich eine mögliche Antwort herausschälen: durch die Sprache der Schönheit. Die Kirche hat seit jeher durch Kunst und namentlich durch Bilder zu allen Menschen gesprochen; Fresken, Mosaiken und Skulpturen wurden im Laufe der Jahrhunderte zu Trägern der Verkündigung. Die Sagrada Familia ist die Frucht des Glaubens und des Genies eines katalanischen Architekten, der vor hundert Jahren starb und nun auf dem Weg zu den Altären ist; sie steht auf eindrucksvolle Weise für diese Sprache der Schönheit. Wer sie betrachtet, wird auf eine Reise durch das Wesen des christlichen Glaubens mitgenommen. Die Lehre Antoni Gaudís ist von höchster Aktualität, insbesondere für unsere Zeit und für Europa, wo die Weitergabe des Glaubens innerhalb der Familie faktisch abgebrochen ist.

Die dritte Etappe der Reise gilt Gran Canaria und Teneriffa: Hier wird die Lage von Migranten in den Fokus rücken. Wenn sie die Überfahrt überleben, klopfen sie an Europas Tore, doch der alte Kontinent hat Mühe, ihrer Notlage gerecht zu werden, und oft fühlen sich gerade die am stärksten betroffenen Länder wie Spanien alleingelassen. Es ist bekannt, dass schon Papst Franziskus den Wunsch geäußert hatte, die Kanarischen Inseln zu besuchen, und sein Nachfolger diesen Wunsch nun erfüllt. In seinem Apostolischen Schreiben „Dilexi te“ vom Herbst letzten Jahres zeigt Leo XIV., auf Vorarbeiten seines verstorbenen Vorgängers aufbauend, den Zusammenhang zwischen der Liebe Christi und seinem Aufruf auf, sich den Armen, den Leidenden und den „Fremden“ zuzuwenden. Auch in der Enzyklika „Magnifica humanitas“ drängt der Papst zu einer neuen Perspektive: Wir sollten „einen anderen Blickwinkel einnehmen, um die Welt von unten aus zu betrachten…; um die Ereignisse der Geschichte aus der Sicht der Witwe, des Waisenkindes, des Fremden, des verletzten Kindes, des Verbannten, des Flüchtlings zu verstehen“. Leos Besuch auf den Kanarischen Inseln führt uns so die tiefempfundene Not der Ärmsten vor Augen und mahnt uns zum christlichen Zeugnis des Evangeliums. Zugleich ist er ein Appell an die Verantwortung jedes Einzelnen: Mensch zu bleiben.

(vatican news)

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05. Juni 2026, 13:25