Generalaudienz: Papst ermuntert zu aktiver Beteiligung an der Liturgie

Papst Leo XIV. hat alle Glaubenden zur aktiven Beteiligung an der Liturgie ermuntert. Man solle „der Liturgie gegenüber nicht fremd oder stumme Zuschauer bleiben, sondern mit unserem ganzen Selbst – Körper, Verstand und Herz – daran teilnehmen“.

Stefan von Kempis – Vatikanstadt

Das sagte er an diesem Mittwoch bei seiner Generalaudienz auf dem Petersplatz. „Durch den heiligen Ritus werden wir so zum Hören auf das Wort Gottes, zur Danksagung und Anbetung, zum brüderlichen Miteinander und zur kirchlichen Gemeinschaft erzogen. Wir entdecken, dass wir eine Gemeinde mit vielen Gesichtern sind, vereint durch denselben Glauben.“

Die „aktive Beteiligung“ gehört zu den Grundpfeilern des katholischen Verständnisses von Liturgie. Erläutert wurde sie in der Konstitution „Sacrosanctum Concilium“ des Zweiten Vatikanischen Konzils, auf die sich auch die Liturgiereform der Kirche stützt. Leo XIV. äußert sich in diesen Wochen in den Ansprachen bei seiner Generalaudienz systematisch zu den Texten des Konzils; derzeit ist der gerade erwähnte Grundlagentext zur Liturgie dran.

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„Die Riten der christlichen Liturgie sind keine äußere Hülle des sakramentalen Geheimnisses, keine Ansammlung willkürlicher Zeremonien, sondern die kirchliche Vermittlung, durch die das göttliche Geschenk uns erreicht“


„Das Zweite Vatikanische Konzil hat, indem es die wertvolle Arbeit der Liturgischen Bewegung aufgriff, dazu beigetragen, eine Wahrheit wiederzuentdecken, die im Bewusstsein der alten Kirche und in der Lehre der Kirchenväter sehr lebendig war. Die Riten der christlichen Liturgie sind keine äußere Hülle des sakramentalen Geheimnisses, keine Ansammlung willkürlicher Zeremonien, sondern die kirchliche Vermittlung, durch die das göttliche Geschenk uns erreicht. Genau aus diesem Grund lädt das Konzil dazu ein, das Mysterium fidei zu verstehen, das sich in der Liturgie durch die Riten und Gebete verwirklicht.“

Ritus gibt dem Leben Gestalt

Der Ritus gebe „der liturgischen Handlung und durch sie unserem Leben Gestalt“, so der Papst. Gekennzeichnet sei er durch „eine klar definierte Abfolge von Gesten und Gebeten“. Das könne zwar „manchmal unserer individuellen Neigung zur Spontaneität entgegenstehen“. Doch die Logik des Ritus bestehe nicht darin, „die Freiheit in Schemata zu zwängen“. Vielmehr unterbreche er „mit der feierlichen Nüchternheit seiner Rhythmen“ den hektischen Alltag und führe zurück zum Wesentlichen. Das war eine verhüllte Absage an allzu viel Kreativität am Altar. Ritus, das sei „eine Pause, die das Herz erneuert“, und Einübung in einen „vom Heiligen Geist erfüllten Rhythmus“.

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Verhüllte Absage an allzu viel Kreativität am Altar

Der Papst ging auch auf Zeichen und Symbole im liturgischen Bereich ein. Die beiden Begriffe würden oft synonym verwendet. „Tatsächlich ist ein Zeichen symbolisch, wenn es nicht nur auf eine Idee, sondern auf ein ganzes System von Bedeutungen und Werten verweisen kann. So wird beispielsweise, wenn wir mit Weihwasser besprengt werden, in uns das Bewusstsein für das bei der Taufe empfangene Geschenk und unsere Zugehörigkeit zum neuen Leben in Christus wiederbelebt.“

Symbole hätten nicht nur „einen praktischen Charakter“ (etwa das Niederknien oder der Friedensgruß), sondern auch „eine einzigartige performative und verwandelnde Dimension“. Sie schafften Zugehörigkeit, berührten Herz und Verstand und weckten authentische kirchliche Beziehungen, so Leo XIV. Mit einem Zitat aus einem Schreiben seines Vorgängers Franziskus zum Thema Liturgie drückte er seine Hoffnung aus, dass die Menschen wieder „symbolfähig“ würden.

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Sich von den Riten erziehen lassen

„Wir müssen uns von den Riten der Liturgie erziehen lassen, indem wir mit Feingefühl und ohne Willkür auf die Schönheit unserer Feiern achten und uns einer authentischen Mystagogie widmen. Die Erfahrung einer lebendigen und andächtigen Liturgie, begleitet von einer angemessenen mystagogischen Katechese, ist die beste Ressource, um in allen jene Offenheit für die Begegnung mit Gott zu wecken, die im Sinne der Menschwerdung nur unter Einbeziehung des ganzen Menschen – Geist, Seele und Leib – stattfinden kann.“

Auf den Zwist zwischen Rom und der schismatisch orientierten Piusbruderschaft ging Papst Leo bei seiner Katechese nicht ein. Dabei rührt der Konflikt unter anderem an den Bereich der Liturgie. Die Piusbrüder lehnen die Liturgiereform, die auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil gründet, ab.

(vatican news)

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03. Juni 2026, 10:36