Papst an Autoren: „Gott offenbart sich in Geschichten“
Stefan von Kempis – Vatikanstadt
„Deshalb wiederhole ich euch, liebe Schriftstellerinnen und Schriftsteller, was der heilige Paul VI. allen Künstlern gesagt hat: Wir brauchen euch, eure Vorstellungskraft, eure erzählerische Fantasie, eure geistige Lebendigkeit. Wir brauchen sie, um Räume der Freiheit und der Authentizität zu schaffen, in denen die göttliche Gnade ein Versprechen des Trostes und des Friedens erklingen lassen kann.“
Es war der hundertste Geburtstag der vatikanischen Verlagsbuchhandlung LEV, der den Anlass für das Treffen des Papstes mit Vertreterinnen und Vertretern der schreibenden Zunft bot. Leo charakterisierte in seiner Rede den Akt des Schreibens als einen Moment der Wahrheit.
„Das Schreiben sagt etwas darüber aus, wer wir sind, woran wir glauben und worauf wir hoffen, welche Welt wir anstreben und von welcher Zukunft wir träumen. In diesem Streben nach der Wahrheit spüren wir, wie diskret die Wahrheit ist, wie sie sich uns im inneren Dialog mit Gott und im offenen und respektvollen Dialog mit dem Nächsten offenbart. ‚Die Wahrheit ist kein zu verteidigendes Territorium, sondern ein Gut, das es miteinander zu teilen gilt‘ (Magnifica humanitas, 25). Wir sind niemals Herren der Wahrheit, vielmehr ist es die Wahrheit, die uns erobert.“
Schreiben ist zutiefst menschlich
Zugleich – das war für Papst Leo Punkt zwei – ist Schreiben etwas zutiefst Menschliches. „Wenn ihr Geschichten schreibt und eure Figuren entwerft, versetzt ihr euch in sie hinein, erfasst ihre Sichtweisen, ihre Emotionen, ihre Gefühle, ihre Einstellungen. Darin liegt die große Schule der Menschlichkeit, die ihr den Lesern näherbringt, denn wer liest, lebt in gewisser Weise neben seinem eigenen Leben noch viele andere Leben. Und das hilft uns, unterschiedliche Sichtweisen zu entdecken, die eigene nicht zu verabsolutieren und wie in einem Mosaik das Profil jener Wahrheit zusammenzusetzen, die uns immer übersteigt.“
Damit kann uns das Schreiben auch Gott näherbringen. Das gilt erst recht in einer Buchreligion wie dem Christentum. Leo XIV. sprach von einer „Konsonanz zwischen der Form des Schreibens und der Offenbarung des biblischen Gottes“. Zu den Schriftstellerinnen und Schriftstellern, die ihm lauschten, gehörten laut Teilnehmerliste der norwegische Nobelpreisträger Jon Fosse, US-Bestsellerautor Jonathan Safran Foer, der Rumäne Mircea Cărtărescu und der Ire Colum McCann.
(vatican news)
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