Wortlaut: Papst Leo beim Mittagsgebet

Hier finden Sie die Ansprache, die Papst Leo XIV. vor seinem Mittagsgebet in Rom gehalten hat, in ihrer offiziellen deutschen Fassung.

 

Sämtliche Wortmeldungen des Papstes in ihrer amtlichen Version werden auf der Internetseite des Heiligen Stuhls publiziert.

Liebe Brüder und Schwestern, einen schönen Sonntag!

Heute wird in vielen Ländern der Welt das Hochfest Christi Himmelfahrt gefeiert.

Das Bild von Jesus, der – wie es im biblischen Text heißt (vgl. Apg 1,1-11) –von der Erde emporgehoben wird und in den Himmel aufsteigt, kann uns dieses Geheimnis als ein fernes Ereignis erscheinen lassen. In Wirklichkeit ist das nicht so. Denn wir sind mit Jesus verbunden wie die Glieder mit dem Haupt eines einzigen Leibes, und sein Aufstieg in den Himmel zieht auch uns, mit ihm, hin zur vollen Gemeinschaft mit dem Vater. Der heilige Augustinus kommentierte dazu: »In der Tat, das Vorangehen des Hauptes ist die Hoffnung der Glieder« (Sermo 265, 1.2).

  (@Vatican Media)

„Das gesamte Leben Christi ist eine Bewegung des Aufsteigens“

Das gesamte Leben Christi ist eine Bewegung des Aufsteigens, das durch Christi Menschsein die Welt in ihrer Gesamtheit umfasst und einbezieht und den Menschen aus seinem sündigen Zustand herausholt und erlöst. Es trägt Licht, Vergebung und Hoffnung dorthin, wo zuvor Finsternis, Ungerechtigkeit und Verzweiflung herrschten, um schließlich zum endgültigen Sieg von Ostern zu gelangen, in dem der Sohn Gottes »durch seinen Tod unseren Tod vernichtet und durch seine Auferstehung das Leben neu geschaffen« hat (Präfation für die Osterzeit I).

Die Himmelfahrt spricht also nicht von einem fernen Versprechen, sondern von einer lebendigen Beziehung, die auch uns zur himmlischen Herrlichkeit hinzieht, unseren Horizont bereits in diesem Leben erweitert und erhebt und unser Denken, Fühlen und Handeln immer mehr dem Herzen Gottes ähnlich werden lässt.

  (@Vatican Media)

„Auch wir können lernen, Tag für Tag zum Himmel aufzusteigen“

Und von diesem Prozess des Hinaufsteigens kennen wir den Weg (vgl. Joh 14,1-6). Wir finden ihn in Jesus, in der Hingabe seines Lebens, in seinen Taten und Lehren, und wir sehen ihn auch durch die Jungfrau Maria und die Heiligen vorgezeichnet: durch jene, die uns die Kirche als universelle Vorbilder zeigt, und durch die Heiligen –– »von nebenan«, wie Papst Franziskus sie gerne nannte (vgl. Apostolisches Schreiben Gaudete et exsultate, 7), mit denen wir unseren Alltag teilen: Väter, Mütter, Großeltern, Menschen jeden Alters und jeder Lebenslage, die sich mit Freude und Engagement aufrichtig bemühen, nach dem Evangelium zu leben.

Mit ihnen, durch ihre Unterstützung und dank ihrer Gebete können auch wir lernen, Tag für Tag zum Himmel aufzusteigen, indem wir darauf bedacht sind, wie der heilige Paulus sagt, »was wahrhaft […], recht, […] liebenswert ist« (Phil 4,8), und mit Gottes Hilfe das in die Tat umsetzen, was wir »gehört und gesehen« haben (V. 9). Und indem wir das göttliche Leben, das wir in der Taufe empfangen haben und das uns ständig empor zum Vater zieht, in uns und um uns herum wachsen lassen und in der Welt die kostbaren Früchte der Gemeinschaft und des Friedens verbreiten.

Dabei helfe uns Maria, Königin des Himmels, die unseren Weg in jedem Augenblick erleuchtet und leitet.

(vatican news)

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17. Mai 2026, 12:13