Generalaudienz: Die Liturgie, Herz und Quelle des kirchlichen Lebens
Silvia Kritzenberger - Vatikanstadt
Seit Januar dieses Jahres lädt Papst Leo dazu ein, die Dokumente des Zweiten Vatikanischen Konzils wiederzuentdecken. Die vor mehr als 60 Jahren in Rom abgehaltene Bischofversammlung gilt als das bedeutendste kirchenpolitische Ereignis des 20. Jahrhunderts und hat als prophetischer Wegweiser für die Kirche in einer globalisierten Welt zeitlose Bedeutung. Nach dem Lehrschreiben „Lumen Gentium", um das es bei den vorigen Generalaudienzen ging, startete der Papst heute eine neue Vertiefung zur Konstitution „Sacrosanctum Concilium", das erste vom Zweiten Vatikanischen Konzil verkündete Dokument.
Neue Vertiefung zur Konstitution „Sacrosanctum Concilium"
„Mit der Ausarbeitung dieser Konstitution wollten die Konzilsväter nicht nur eine Reform der Riten in Angriff nehmen, sondern die Kirche dazu führen, jene lebendige Verbindung zu betrachten und zu vertiefen, die sie ausmacht und vereint: das Geheimnis Christi,” leitete der Papst seine Überlegungen zu dem Lehrschreiben ein, das die Liturgie ins Zentrum rückt und das Datum des 3. Dezember 1963 trägt.
Die Liturgie sei Raum, Zeit und Kontext, in dem die Kirche „von Christus ihr eigenes Leben empfängt,“ betonte der Papst. Durch die Feier von Leiden, Tod, Auferstehung und Verherrlichung Christi werde die „in Christi Namen versammelte Gemeinde in das Ostergeheimnis eingetaucht,“ und diese Gemeinschaft werde in der Liturgie „durch die Riten und Gebete“ verwirklicht.
„Die Ritualität der Kirche drückt ihren Glauben aus – gemäß dem berühmten Wort: lex orandi, lex credendi – und prägt zugleich die kirchliche Identität: das verkündete Wort, die Feier des Sakraments, die Gesten, die Stille, der Raum – all dies repräsentiert und formt das vom Vater versammelte Volk, den Leib Christi, den Tempel des Heiligen Geistes. Jede Feier wird so zu einer wahren Offenbarung der betenden Kirche,“ zitierte der Papst den heiligen Johannes Paul II. (Apostolisches Schreiben Vicesimus quintus annus, 9).
Gefeierte Gegenwart Gottes in konkretes Handeln verwandeln
Die Teilnahme der Gläubigen an der Liturgie sei dabei weder rein äußerlich noch nur innerlich; sie umfasse beides und ziele darauf ab, die gefeierte Gegenwart Gottes in konkretes Handeln zu verwandeln: Ein christliches Dasein müsse also ein „lebendiges, heiliges und Gott wohlgefälliges Opfer“ sein, betonte der Papst. So beschränke sich ja auch das Wirken der Kirche nicht allein auf die Liturgie, sondern umfasse auch die Verkündigung, den Dienst an den Armen und die Begleitung der menschlichen Lebensrealitäten.
Wörtlich sagte der Papst:
„Auf diese Weise ,erzieht die Liturgie täglich diejenigen, die in der Kirche als heiliger Tempel im Herrn stehen`, und bildet eine Gemeinschaft, die offen und einladend für alle ist. Sie wird nämlich vom Heiligen Geist bewohnt, führt uns in das Leben Christi ein, macht uns zu seinem Leib und stellt in all ihren Dimensionen ein Zeichen der Einheit der ganzen Menschheit in Christus dar.“
Abschließend gab der Papst seinen Zuhörern noch folgenden Denkanstoß: „Liebe Brüder und Schwestern, lassen wir uns innerlich von den Riten, den Symbolen, den Gesten und vor allem von der lebendigen Gegenwart Christi in der Liturgie formen, die wir in den kommenden Katechesen noch vertiefen werden.“
(vaticannews – skr)
Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen.
