Papstmesse in Kamerun: Mut zu Gerechtigkeit und Gemeinwohl
Anne Preckel – Vatikanstadt
Nach drei Tagen intensiver Begegnungen in dem zentralafrikanischen Land feierte Leo XIV. am Samstagmorgen am Flughafen der Hauptstadt Yaoundé eine große Messe, danach war der Abflug nach Angola geplant. Papst Leo nutzte die bunte Abschlussbegegnung dazu, Kameruns Bevölkerung und Institutionen auf Zusammenhalt und den Einsatz für Gerechtigkeit und Gemeinwohl einzuschwören. Neben den schätzungsweise 200.000 Teilnehmenden an der Messe am Flughafen hatten sich einige weitere hunderttausend Menschen rund um das Gelände versammelt, um einen Blick auf den Papst zu erhaschen.
Ethik des Evangeliums überall verankern
In seiner Predigt sprach der Papst dankbar über die „Augenblicke der Freude und des Glaubens, die wir gemeinsam erlebt haben“. Kameruns Kirche sei „lebendig, jung, reich an Gaben und Begeisterung, lebendig in ihrer Vielfalt und wundervoll in ihrer Eintracht“, zeigte er sich sichtlich begeistert.
Leo machte den Kamerunern Mut, mit der Kraft des Glaubens Herausforderungen zu meistern und die Ethik des Evangeliums in allen gesellschaftlichen Bereichen zu verankern. Dabei ging er in seiner Predigt von der Offenbarung des Gottessohnes auf dem Wasser aus, über die die Evangelisten Markus, Matthäus und Johannes berichteten. Dabei gibt sich Jesus seinen Jüngern auf dem See Genezareth als Gottessohn zu erkennen und bestärkt sie im Glauben. Während die Jünger auf dem Wasser mit Sturm und Angst kämpfen, geht er über das Wasser und macht ihnen Mut.
Jesus sei „bei uns, immer, stärker als jede Macht des Bösen“, erinnerte der Papst. In jedem Sturm sage er: „Ich bin hier bei dir: Fürchte dich nicht.“ Er lade auch dazu ein, „in Freuden und Leiden“ zusammenzustehen, wie die Jünger im Boot – „nicht aus der Ferne auf die Leidenden zu sehen, sondern ihnen nahe zu sein“, so Leo. Kein Mensch dürfe angesichts von Schwierigkeiten alleine gelassen werden, unterstrich er; alle seien wichtig – „unabhängig von Status oder Stellung in den Augen der Welt“.
Strukturen des Gemeinwohls aufbauen
„Jede Gemeinschaft hat zu diesem Zweck die Aufgabe, Strukturen der Solidarität und gegenseitigen Hilfe zu schaffen und zu unterhalten, in denen alle angesichts von Krisen – seien sie sozialer, politischer, gesundheitlicher oder wirtschaftlicher Natur – Hilfe geben und empfangen können, entsprechend ihren Fähigkeiten und ihren Bedürfnissen“, schärfte er ein.
Leo XIV. wandte sich hier explizit an die Verantwortungsträger im Land mit dem Appell, sich rigoros für Verbesserungen für alle Menschen einzusetzen, statt vorrangig für eigene Interessen.
„Für das Heil einer Gemeinschaft reichen die individuellen und isolierten Bemühungen einzelner Menschen nicht aus: Es bedarf einer gemeinsamen Entscheidung, die die geistliche und ethische Dimension des Evangeliums in das Herz der Institutionen und Strukturen integriert und sie zu Werkzeugen für das Gemeinwohl macht statt zu Schauplätzen von Konflikten, Eigeninteressen oder fruchtlosen Kämpfen.“
Mut zur Veränderung
Mit Bezug auf die erste Lesung (vgl. Apg 6,1-7), die davon erzählt, wie die Kirche ihre erste Wachstumskrise bewältigte und den Dienst an den Armen mit der Verkündigung in Einklang brachte, rief der Papst dazu auf, keine Angst vor Veränderung zu haben: Manchmal brauche es auch „den Mut, Gewohnheiten und Strukturen zu verändern, damit die Würde des Menschen stets im Mittelpunkt bleibt und Ungleichheiten und Ausgrenzungen überwunden werden“, betonte er.
„Im Übrigen hat sich Gott, indem er Mensch wurde, mit den Geringsten identifiziert, und dies macht die vorrangige Sorge für die Armen zu einer grundlegenden Option unserer christlichen Identität, wie Papst Franziskus mehrfach betont hat", pflichtete der US-amerikanische Papst seinem Vorgänger Papst Franziksus bei (vgl. Papst Franziskus, Apostolisches Schreiben Evangelii gaudium, 198).
„Macht auch aus den Gegenwinden, die im Leben nie fehlen, Gelegenheiten, um im freudigen Dienst an Gott und den Geschwistern voranzukommen, im Miteinanderteilen, im Zuhören, im Gebet und im Wunsch, gemeinsam zu wachsen“, gab Leo den Gläubigen mit auf den Weg.
Papst dankt Kamerun
Unter großem Jubel der Menge drehte der Papst im Papamobil vor der Messe seine Runden. Viele Menschen hatten sich bereits am Vorabend mit einer Gebetsvigil auf die Papstmesse eingestimmt und direkt auf dem Flughafengelände übernachtet. Stimmungsvolle Gesänge und ausgelassene Tänze, vorgeführt von traditionell bekleideten Ordensfrauen und Priestern, belebten die bunte Messe am Samstagmorgen; neben Französisch und Englisch waren auch Lokalsprachen wie Ewondo und Fulfulde zu hören. Der Papst zelebrierte vor einem halboffenen Pavillon, der auf dem Flughafengelände aufgebaut war.
Der Erzbischof von Yaoundé versicherte dem Papst in seinen Dankesworten des Einsatzes von Kameruns Kirche für Frieden und Gemeinwohl – gemeinsam mit den muslimischen und traditionellen Gemeinschaften im Land. „Mit Ihnen und durch Sie wird das Licht des Evangeliums unseren Kontinent in eine globale, ökologische und digitale Moderne führen – eine Moderne, die die heilige Würde und Identität seiner Völker achtet und bewahrt“, öffnete Jean Mbarga den Blick auf ganz Afrika.
Der Kirche, den Behörden und allen Organisatoren des Papstbesuches im Land dankte der Papst am Ende der Messe „von ganzem Herzen“ für den Empfang. „Volk Gottes, das in Kamerun lebt und wandelt, fürchte dich nicht! Bleib fest mit Christus, dem Herrn, verbunden! Mit der Kraft seines Geistes wirst du Salz und Licht für dieses Land sein!“, richtete er zum Abschied ermutigende Worte an alle Kameruner.
Von Kamerun aus geht es nach Angola
Papst Leo hatte seine Reise (Dauer: 13.–23. April) in Algerien begonnen. Von Kamerun aus reist er diesen Samstag nach Angola weiter und besucht danach Äquatorialguinea.
(vatican news – pr)
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