Papst bei Chrisammesse: Aufbruch zu einer missionarischen Kirche
Mario Galgano - Vatikanstadt
Die heiligen Öle werden im kommenden Jahr für die Spendung der Sakramente, wie Taufen, Firmungen und Priesterweihen, verwendet. Leo XIV. betonte in seiner Predigt, dass jede Mission mit einer „Entäußerung“ beginne. Er zog Parallelen zum Wirken Jesu, der seinen Heimatort Nazaret verlassen musste, um seine Bestimmung zu erfüllen. „Gesandt zu sein bringt zunächst einmal eine Loslösung mit sich, also das Wagnis, Vertrautes und Gewisses loszulassen, um sich auf Neues einzulassen“, erklärte der Papst. Eine Identität dürfe nicht zu einem „Schlupfwinkel“ werden.
Der Papst mahnte an, dass die Kirche als „Leib Christi“ nur dann authentisch sei, wenn sie über sich selbst hinausgehe und sich mit der Vergangenheit auseinandersetze, ohne deren Gefangene zu bleiben. „Alles findet sich wieder und vervielfacht sich, wenn es zuvor ohne Furcht losgelassen wurde“, so das Kirchenoberhaupt.
Absage an Machtstrukturen und Herrschaftswissen
Einen zentralen Aspekt der päpstlichen Homilie bildete die Kritik an Machtmissbrauch und Herrschaftslogik innerhalb der Mission. Wahre Liebe sei „nur dann echt, wenn sie wehrlos ist“. Leo XIV. stellte klar: „Es gibt keine echte Befreiung, wenn wir uns nicht vom Besitz befreien.“ Er erinnerte zudem an die Worte von Johannes Paul II. bezüglich der Last geschichtlicher Irrtümer und betonte, dass aus Machtmissbrauch weder im pastoralen noch im gesellschaftlichen Bereich Gutes entstehen könne.
Stattdessen warb er für eine „behutsame Annäherung“ und den Dialog. Die Kirche müsse lernen, sich auch in säkularisierten Umgebungen als Gast zu begreifen und von anderen Kulturen zu lernen, statt diese erobern zu wollen. Der Heilige Geist wirke bereits in der Welt: „Es ist nicht unsere Aufgabe, ihn auszusäen oder zu wecken, sondern vor allem, ihn zu erkennen.“
Das Kreuz als Teil der Sendung
Zum Abschluss seiner Predigt ging der Papst auf die Schwierigkeiten und Widerstände ein, die mit dem christlichen Auftrag verbunden sind. Das Kreuz und die Erfahrung von Ablehnung seien fester Bestandteil der Mission. Er zitierte den heiligen Märtyrerbischof Óscar Romero, um zu verdeutlichen, dass das Leben und der Tod in Gott geborgen seien.
In einer Zeit, die von „Mächten umkämpft“ sei, forderte Leo XIV. die Anwesenden auf, das Gefühl der Ohnmacht zu überwinden. Die Sendung der Kirche bestehe darin, „den Wohlgeruch Christi dort zu verbreiten, wo der Gestank des Todes herrscht“. Mit der gemeinsamen Erneuerung der Versprechen setzten die Priester ein Zeichen für die Einheit und die Bereitschaft zu diesem Dienst.
(vatican news)
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