Leo XIV. in Monaco: Historische Zäsur auf dem „Felsen“
Jean- Charles Putzolu und Mario Galgano - Vatikanstadt
Die Beziehungen zwischen dem Papsttum und dem Fürstentum Monaco reichen bis ins Mittelalter zurück. Dennoch hat in acht Jahrhunderten kein amtierender Pontifex das Fürstentum besucht. Von diesem Standpunkt aus stellt der Besuch von Leo XIV. auf dem „Felsen“ am Samstag, den 28. März, ein historisches Ereignis für den zweitkleinsten Staat der Welt dar.
Nach einer kurzen Reise nach Korsika im Dezember 2024 markiert dieser Besuch einen weiteren Meilenstein in der päpstlichen Diplomatie. Thomas Fouilleron, Direktor des Archivs des Fürstenpalastes, erläutert im Gespräch mit den Vatikanmedien die Hintergründe dieser Verbindung.
Die historischen Wurzeln der Souveränität
Die Verbindung zwischen der Familie Grimaldi und dem Papsttum ist laut Fouilleron „fundamental“. Die Grimaldis, die sich im 13. Jahrhundert in Monaco niederließen, gehörten in der Republik Genua der Fraktion der Guelfen an. Als solche waren sie „Anhänger der päpstlichen Vorherrschaft, auch auf zeitlicher Ebene, in Europa“, im Gegensatz zu den Ghibellinen, die den Kaiser des Heiligen Römischen Reiches unterstützten.
Ein entscheidender Moment für die staatliche Unabhängigkeit ereignete sich im frühen 16. Jahrhundert. Nach der Ermordung des Herrn von Monaco, Lucien, im Jahr 1523, übernahm dessen Bruder Augustin Grimaldi die Vormundschaft für den jungen Erben. Da Augustin Bischof von Grasse war, benötigte er eine päpstliche Genehmigung, um gleichzeitig die weltliche Herrschaft auszuüben. „Bei dieser Gelegenheit erkannte Papst Clemens VII. im Jahr 1524 die Souveränität der Grimaldis über Monaco an“, so Fouilleron. Der Papst fungierte hierbei als diplomatisches Bindeglied zwischen den Machtansprüchen Frankreichs und des Kaisers Karl V.
Katholizismus als Staatsreligion
Heute ist die katholische Religion in der Verfassung Monacos als Staatsreligion verankert. Diese Regelung wurde 1962 unter Fürst Rainier III. festgeschrieben. Fouilleron erklärt dazu: „Rainier III. knüpfte damit an die Tradition seiner Vorfahren und jenen ursprünglichen Guelfismus an.“ Dies stärke den konkordatären Charakter der Beziehungen zum Heiligen Stuhl, der bereits 1887 durch die Bulle Quemadmodum sollicitus pastor von Leo XIII. begründet wurde, welche Monaco ein eigenes Bistum und religiöse Autonomie verlieh.
Diese Verankerung zeigt sich auch im politischen und gesellschaftlichen Leben. Das Fest der Heiligen Devota am 26. und 27. Januar gilt als zweiter Nationalfeiertag. Der Historiker weist darauf hin, dass der Fürst in seiner Titulatur als „Souverän von Gottes Gnaden“ bezeichnet wird, was das Christentum ins Zentrum des monegasken politischen Lebens rücke.
„Soft Power“ und diplomatische Konvergenz
Trotz der geringen geografischen Größe beider Staaten sieht Fouilleron bedeutende Schnittmengen in der internationalen Politik. Sowohl für den Heiligen Stuhl als auch für Monaco sei „Soft Power“ das entscheidende Instrument. Während der Vatikan als Beobachter bei den Vereinten Nationen fungiert, könne Monaco als „eine Form von Relais dieser sehr aktiven vatikanischen Diplomatie“ dienen, insbesondere bei der Förderung des Friedens.
Ein später Besuch mit symbolischer Kraft
Dass es bis zum Jahr 2026 dauern musste, bis ein Papst offiziell nach Monaco reist, führt Fouilleron unter anderem auf die räumliche Enge und den speziellen Status des Staates zurück. Dennoch unterstreiche der Besuch von Leo XIV., dass der Heilige Stuhl keinen Unterschied zwischen großen und kleinen Staaten mache.
„Der erste Besuch eines amtierenden Papstes wird die Geister, die Seelen und die Annalen des Fürstentums Monaco prägen“, resümiert Fouilleron. Für die Bürger und Bewohner des Staates sei dieses Ereignis „fast unverhofft“ und werde als ein Moment wahrgenommen, der die jahrhundertealte Geschichte Monacos dauerhaft markieren werde.
(vatican news)
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