Suche

Papst Leo bei der Generalaudienz Papst Leo bei der Generalaudienz  (@Vatican Media)

Papst Leo: Kirche keine ideale Wirklichkeit, sondern Teil von Gottes Liebesplan

Es gibt keinen Gegensatz zwischen der menschlichen und der göttlichen Dimension der Kirche: Das hat Papst Leo bei seiner wöchentlichen Generalaudienz auf dem Petersplatz herausgearbeitet. „Gerade durch ihre Mitglieder und ihre begrenzten irdischen Seiten“ offenbarten sich „die Gegenwart Christi und sein Heilswirken“, so das Kirchenoberhaupt bei seinen Überlegungen zur Konzilskonstitution Lumen gentium, die er auch an diesem Mittwoch fortführte.

Christine Seuss - Vatikanstadt

Bereits im ersten Kapitel, in dem die Frage beantwortet werden solle, „was die Kirche ist“, werde sie „als eine komplexe Wirklichkeit“ beschrieben, führte der Papst aus. „Nun fragen wir uns: Worin besteht diese Komplexität?“, so Leo XIV. weiter. Diese Komplexität habe nicht unbedingt mit dem ehrwürdigen Alter der Institution oder ihrer „Kompliziertheit“ zu tun:

„Im Lateinischen bedeutet das Wort ,komplex‘ (...) eher die geordnete Vereinigung verschiedener Aspekte oder Dimensionen innerhalb derselben Realität. Aus diesem Grund kann Lumen gentium behaupten, dass die Kirche ein gut strukturierter Organismus ist, in dem die menschliche und die göttliche Dimension ohne Trennung und ohne Vermischung miteinander bestehen.“

Hier zum Nachhören

Mitglieder der Kirche mit ihren Stärken und Schwächen

Die Kirche sei eine Gemeinschaft von Männern und Frauen, die die Freude und die Mühen des Christseins teilen, mit ihren Stärken und Schwächen, erklärte er weiter. Diese verkündeten das Evangelium und würden zu einem Zeichen der Gegenwart Christi, der uns auf unserem Lebensweg begleitet:

„Doch dieser Aspekt, der sich auch in der institutionellen Organisation manifestiert, reicht nicht aus, um das wahre Wesen der Kirche zu beschreiben, denn sie besitzt auch eine göttliche Dimension“, unterstrich Papst Leo weiter. „Letztere besteht nicht in einer idealen Vollkommenheit oder einer spirituellen Überlegenheit ihrer Mitglieder, sondern in der Tatsache, dass die Kirche aus dem Liebesplan Gottes für die Menschheit hervorgeht, der in Christus verwirklicht wurde.“

Daher handele es sich bei der Kirche zugleich um eine „irdische Gemeinschaft" und den mystischen Leib Christi, „sichtbare Versammlung und spirituelles Geheimnis, in der Geschichte gegenwärtige Realität und zum Himmel pilgerndes Volk“, so der Papst mit einem Verweis auf die Konzilskonstitution (LG, 8; CCC, 771).

Kirche als göttliche und menschliche Realität

Die menschliche und die göttliche Dimension ergänzten sich in ihr letztlich „harmonisch“, ohne dass die eine die andere überlagere, fuhr Leo XIV. in seinen Überlegungen fort.

„So lebt die Kirche in diesem Paradox: Sie ist eine zugleich menschliche und göttliche Realität, die den sündigen Menschen aufnimmt und ihn zu Gott führt."

Lumen gentium verweise auf das Leben Christi, um diese kirchliche Wirklichkeit abzubilden - seien die Menschen bei der Begegnung mit dem Gottessohn doch durch seine Menschlichkeit beeindruckt gewesen: „Wer sich entschloss, ihm zu folgen, wurde gerade durch die Erfahrung seines gastfreundlichen Blicks, durch die Berührung seiner segnenden Hände, durch seine Worte der Befreiung und Heilung dazu bewegt.“

Gleichzeitig hätten sich die Jünger dadurch, dass sie ihm folgten, der Begegnung mit Gott geöffnet: „Denn das Fleisch Christi, sein Antlitz, seine Gesten und seine Worte offenbaren auf sichtbare Weise den unsichtbaren Gott.“

Gegenwart Christi offenbart sich in menschlicher Dimension

Im „Licht der Realität Jesu“ könne bei näherer Betrachtung der Kirche also eine „menschliche Dimension“ entdecken, die aus „konkreten Menschen“ bestehe, welche einerseits die Schönheit des Evangeliums offenbarten – doch andererseits manchmal auch, wie es in der menschlichen Natur liegt, „Schwierigkeiten haben und Fehler machen“:

„Dennoch offenbaren sich gerade durch ihre Mitglieder und ihre begrenzten irdischen Seiten die Gegenwart Christi und sein Heilswirken.“

In diesem Zusammenhang erinnerte Papst Leo an die Worte, die Benedikt XVI. relativ zu Beginn seines Pontifikats an die Schweizer Bischöfe gerichtet hatte: „In Wirklichkeit sind Evangelium und Institution nicht voneinander zu trennen.“ Im Gegenteil, so Benedikt damals, dienten die Strukturen der Kirche gerade der „Verwirklichung“ und der konkreten „Umsetzung des Evangeliums in unserer Zeit.“ 

„Es gibt keine ideale und reine Kirche, die von der Erde getrennt ist, sondern nur die eine Kirche Christi, die in der Geschichte verkörpert ist“

„Es gibt keine ideale und reine Kirche, die von der Erde getrennt ist, sondern nur die eine Kirche Christi, die in der Geschichte verkörpert ist“, schärfte Papst Leo den Gedanken nochmals nach.

Und gerade darin bestehe „die Heiligkeit der Kirche: in der Tatsache, dass Christus in ihr wohnt und sich durch die Kleinheit und Schwäche ihrer Mitglieder weiterhin hingibt“, schlussfolgerte das Kirchenoberhaut. Wenn wir dieses „immerwährende Wunder“ betrachteten, das in ihr geschehe, verstünden wir auch die „Methode Gottes”, in der sich „durch die Schwäche der Geschöpfe“ sichtbar mache und wirke:

„Das befähigt uns auch heute noch, die Kirche aufzubauen: nicht nur durch die Organisation ihrer sichtbaren Formen, sondern durch den Aufbau jenes geistlichen Gebäudes, das der Leib Christi ist, durch die Gemeinschaft und die Nächstenliebe untereinander.“

Abschließend rief Papst Leo mit einem Seitenblick auf den heiligen Augustinus die Gläubigen dazu auf, sich zu bemühen, Zeugen dieser Liebe Christi zu sein, welche wahre Christen kennzeichne und „alles zu sich zieht“.

Ein modernes Gerät für Telemedizin

Am Ende der Generalaudienz begab sich der Papst in den Nebenraum der Aula Paul VI., wo er eine Delegation der Patrons of the World’s Children Hospital empfing, einer amerikanischen Non-Profit-Organisation, die die Globale Allianz des Papstes für die Gesundheit und humanitäre Versorgung von Kindern (,Pope's Global Alliance for the Health and Humanitarian Care of Children') koordiniert.

Es handelt sich um ein internationales Netzwerk, das Kinderkrankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen aus aller Welt vereint, darunter das vatikanische Krankenhaus Bambino Gesù, um medizinische Versorgung für Kinder in benachteiligten Regionen oder mit ungedecktem Behandlungsbedarf bereitzustellen. Ziel ist es, in den ersten drei Jahren der Tätigkeit eine Million Kindern zu helfen. Diese Mission wurde dem Netzwerk 2024 von Papst Franziskus anvertraut.

Papst Leo XIV. begutachtet das moderne Gerät für Ferndiagnosen
Papst Leo XIV. begutachtet das moderne Gerät für Ferndiagnosen   (@Vatican Media)

Während der Begegnung an diesem Mittwoch wurde dem heutigen Pontifex ein Gerät für das Telemedizin-System „TELADOC LITE“ überreicht. Dabei handelt es sich um ein Instrument, das hochwertige virtuelle Untersuchungen ermöglicht und eine Fernkonsultation einer persönlichen Visite so ähnlich wie möglich macht.

Die Audienz im Vatikan

Im Verlauf der Vorstellung wurde zudem eine medizinische Live-Schaltung nach Argentinien vorgeführt, um die Möglichkeiten dieses Instruments im Bereich der Medizin auf Distanz zu demonstrieren.

(vatican news)

Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen.

04. März 2026, 09:21

Die vergangenen Generalaudienzen

Alles lesen >