Suche

Erzbischöfin Sarah Mullally und Kardinal Kurt Koch am Donnerstag in Canterbury Erzbischöfin Sarah Mullally und Kardinal Kurt Koch am Donnerstag in Canterbury 

Papst an Erzbischöfin von Canterbury: „Dialog fortsetzen“

Anlässlich ihrer Amtseinführung als Erzbischöfin von Canterbury hat Papst Leo der ersten Frau in diesem Amt herzliche Grüße ausgerichtet und Gottes Segen für ihre „hohen Aufgaben“ erbeten. Sarah Mullally ist seit Mittwoch 106. Primas der anglikanischen Staatskirche von England.

„Möge der Heilige Geist auf Sie herabkommen und Sie im Dienst des Herrn fruchtbar machen“, schreibt Leo XIV. in dem Grußwort, in dem er der neuen Erzbischöfin geschwisterliche Verbundenheit versichert.

Gebet mit Kardinal Kurt Koch

Das Schreiben wurde am Donnerstagmorgen in der Kathedrale von Canterbury überbracht. Zuvor fand dort ein gemeinsames Gebet unter Vorsitz der neuen Erzbischöfin von Canterbury und des päpstlichen Gesandten, Kardinal Kurt Koch, statt. Die 63-jährige bisherige Bischöfin von London ist die erste Frau im Amt des Erzbischofs von Canterbury und 106. Primas der anglikanischen Staatskirche von England. Offiziell eingeführt worden war Mullally am Mittwoch. Als Primas der anglikanischen Staatskirche von England folgt sie Erzbischof Justin Welby nach.

Sarah Mullally kurz nach ihrer offiziellen Amtseinführung am Mittwoch, 25. März 2026
Sarah Mullally kurz nach ihrer offiziellen Amtseinführung am Mittwoch, 25. März 2026   (ANSA)

Weisheit für eine hohe Aufgabe

Sarah Mullallys neue Aufgaben brächten „eine große Verantwortung“ mit sich, „nicht nur für die Diözese Canterbury, sondern für die gesamte Kirche von England und die Anglikanische Gemeinschaft“, heißt es in Leos Gruß. Die neue Erzbischöfin von Canterbury trete ihr Amt „in einer herausfordernden Zeit für die Anglikanische Familie“ an. „Ich bitte den Herrn, Sie mit Weisheit zu stärken, damit Sie im Dienst an Ihren Gemeinden vom Heiligen Geist geleitet werden und sich am Beispiel Marias, der Mutter Gottes, orientieren“, so der Papst.

Papst Paul VI. und Erzbischof Michael Ramsey hätten Katholiken und Anglikaner zu mehr Geschwisterlichkeit verpflichtet, erinnerte der Papst mit Blick auf die historische Übereinkunft von 1966 (Gemeinsame Erklärung vom 24. März 1966). Dieses „neue Kapitel respektvoller Offenheit“ habe in den vergangenen Jahrzehnten „reiche Früchte getragen und wirkt bis heute fort“, wenn auch der ökumenische Weg „nicht immer einfach“ gewesen sei und es auch „neue Meinungsverschiedenheiten“ gegeben habe.

Trotzdem hätten Katholiken und Anglikaner einen „gemeinsamen Weg“ und den Dialog fortgesetzt, so der Papst. Positiv hob er hier auch die Arbeit der Internationalen Anglikanisch-Römisch-Katholischen Kommission (ARCIC) hervor, die seit ihrer Gründung „maßgeblich zum gegenseitigen Verständnis beigetragen“ habe. Ein „gemeinsames, wirkungsvolles Zeugnis“ sei so möglich geworden, lobte Leo XIV., was „angesichts der vielfältigen Herausforderungen, vor denen unsere Menschheitsfamilie heute steht, von besonderer Bedeutung“ sei.

Dialog fortsetzen

Der Papst bekräftigte: „Ich für meinen Teil bin fest davon überzeugt, dass wir den Dialog in Wahrheit und Liebe fortsetzen müssen, denn nur in Wahrheit und Liebe erfahren wir gemeinsam die Gnade, die Barmherzigkeit und den Frieden Gottes (vgl. 2 Joh 1,3) und können so diese kostbaren Gaben der Welt weitergeben.“

Die neue Erzbischöfin von Canterbury grüßt Gläubige vor der Kathedrale
Die neue Erzbischöfin von Canterbury grüßt Gläubige vor der Kathedrale   (ANSA)

Es wäre „ein Skandal“, wenn die Christen aufgrund von Spaltungen der gemeinsamen Berufung, Christus zu verkünden, nicht nachkämen, griff der Papst Worte seines Vorgängers Franziskus auf. Auf diesem Weg wolle er weitergehen, versicherte Leo XIV. der neuen Erzbischöfin von Canterbury, die er mit „liebe Schwester" ansprach: „Ich mache mir diese Worte gern zu eigen, denn nur durch das Zeugnis einer versöhnten, brüderlichen und geeinten christlichen Gemeinschaft wird die Verkündigung des Evangeliums am deutlichsten erklingen.“

60 Jahre nach historischem Treffen

Die Liturgie in der Kathedrale von Canterbury fand 60 Jahre nach dem historischen Treffen von Papst Paul VI. und dem Erzbischof von Canterbury, Michael Ramsey, in Rom statt (24. März 1966). Verwendet wurde dabei an diesem Donnerstag derselbe Kniestuhl wie beim Treffen zwischen Johannes Paul II. und Erzbischof Robert Runcie im Jahr 1982. Neben Kardinal Koch, dem Präfekten des Dikasteriums für die Einheit der Christen, nahmen unter anderem die Kardinäle Vincent Nichols und Timothy Radcliffe teil.

Bei ihrer offiziellen Amtseinführung verwies Mullally am Mittwoch in ihrer Predigt auf Frauen in der Bibel, die sich mit Gottvertrauen auf eine unsichere Zukunft eingelassen hätten. Zugleich erinnerte sie an die Opfer kirchlichen Versagens. Ihnen besonders müsse Wahrheit und Gerechtigkeit gewährt werden. In ihrer recht persönlich gehaltenen Ansprache ermutigte sie Gläubige dazu, sich persönlich Gott anzuvertrauen. Die bisherige Bischöfin von London hatte die 140 Kilometer aus der Hauptstadt in ihre neue Bischofsstadt in den vergangenen Tagen als Pilgerweg zu Fuß zurückgelegt. 

Feierliche Amtseinführung

Gemäß dem Anklopfritual von Canterbury musste die neue Erzbischöfin am Mittwoch zunächst vor dem Westportal der Kathedrale warten. Der Kathedraldekan verlas drinnen in Anwesenheit von Thronfolger Prinz William und seiner Frau Prinzessin Catherine einen Brief von König Charles III., dem weltlichen Oberhaupt der anglikanischen Staatskirche. Das Schreiben gestattete der Kathedralgemeinde, die Erzbischöfin am Portal in Empfang zu nehmen und zu begrüßen. Am Altar leistete Mullally einen Treueid auf die Gesetze der Kirche von England und einen weiteren auf den König. In Anwesenheit von Vertretern anderer Kirchen unterzeichnete die Erzbischöfin zudem eine ökumenische Verpflichtung der Kirchen in Großbritannien.

Die gelernte Krankenpflegerin Mullally wechselte 1999 für fünf Jahre als Leiterin Pflege ins britische Gesundheitsministerium. 2001 erhielt sie die Diakonenweihe und 2006 die Priesterweihe. Im Juli 2015 wurde sie vom anglikanischen Primas Welby zur Bischöfin geweiht; in Exeter war sie Englands zweite Diözesanbischöfin. Seit 1987 ist Mullally verheiratet; sie hat zwei Kinder. Als Bischöfin von London war sie seit 2017 die Nummer drei in der anglikanischen Hierarchie nach den Erzbischöfen von Canterbury und York.

Mullally ist als 106. Erzbischof von Canterbury die erste Frau als Nachfolgerin des heiligen Augustinus von Canterbury, der um 597 von Papst Gregor I. nach England gesandt wurde, um die Angelsachsen zu missionieren. Er war der Gründer der englischen Kirche, die seit der Reformation im 16. Jahrhundert nicht mehr katholisch ist, sondern protestantisch wurde.

(vatican news/kna – pr)
 

Danke, dass Sie diesen Artikel gelesen haben. Wenn Sie auf dem Laufenden bleiben wollen, können Sie hier unseren Newsletter bestellen.

26. März 2026, 10:10