Österreichs Bundespräsident zählt auf Friedensstimme von Papst Leo

Österreichs Bundespräsident Alexander Van der Bellen hat an diesem Donnerstag Papst Leo XIV. im Vatikan getroffen. Nach der Begegnung formulierte er vor Medienschaffenden hohe Erwartungen an die Rolle des US-amerikanischen Papstes als Stimme für Frieden und Dialog.

Gudrun Sailer – Vatikanstadt

Van der Bellen traf nach der Privataudienz mit Leo zu weiteren Gesprächen den vatikanischen Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin und Erzbischof Paul Richard Gallagher, Sekretär für die Beziehungen zu den Staaten und internationalen Organisationen.

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Seine Erwartungen an Papst Leo verband der Bundespräsident besonders mit der globalen Friedensrolle der Kirche und ihrem Verständnis von Multilateralismus, also von Verständigung mit vielen Partnern. „Ich glaube, er teilt diese Überzeugung: Frieden ist selten durch Gewalt erreichbar, sondern auf der Verhandlung und des Eingehens aufeinander, sich bemühen zu verstehen, worum geht es dem anderen, dem, den man als erstes als Gegner sieht“, sagte Van der Bellen. Ziel müsse ein „vernünftiger, guter Kompromiss“ sein.

Ein Kirchenoberhaupt habe „keine Macht im weltlichen Sinn, sondern nur im übertragenen Sinn durch das, was er sagt und schreibt“. Gerade deshalb könne der Papst viel bewirken. „Da bin ich, gerade weil ich vielleicht selbst kein Katholik bin, sehr überzeugt davon, dass er diese Botschaft so gut er eben kann an die künftigen Generationen weitergeben wird.“ Van der Bellen ist evangelisch getauft, später ausgetreten und 2019 neuerlich in die evangelische Kirche eingetreten.

„Extrem wichtige Rolle des Papstes"

Seine frühere Erfahrung als Seelsorger komme Leo in seinem Friedensamt zugute: „Er ist ja kein Bürokrat, sondern er hat diese Erfahrungen schon gemacht. Und das wird ihm, hoffe ich, auch helfen, in diesem Amt, das – finde ich - sehr schwer auszufüllen ist, Erfolg zu haben.“ Van der Bellen sprach von einer „extrem wichtigen Rolle des Papstes, des Oberhaupts der katholischen Kirche, aber nicht nur das, dieses Sprachrohrs der christlichen Botschaft“ und ergänzte, aus seiner Sicht sei „hier letztes Jahr eine sehr, sehr gute Wahl getroffen“ worden. Der Bundespräsident war in den vergangenen Jahren zweimal mit Leos Vorgänger Franziskus im Vatikan zusammengetroffen.

Mit Kardinalstaatssekretär Parolin
Mit Kardinalstaatssekretär Parolin   (ANSA)

Im Gespräch mit den vatikanischen Diplomaten im Staatssekretariat ging es laut Van der Bellen vor allem um aktuelle Konflikte. Thema waren der Krieg zwischen Russland und der Ukraine sowie die Lage im Nahen Osten nach dem amerikanischen Angriff auf den Iran. Darüber hinaus seien im Staatssekretariat  gesellschaftliche Entwicklungen in Europa zur Sprache gekommen. Auch Österreich selbst war Thema, beispielsweise die niedrige Geburtenrate, Religionsfreiheit und die multikulturelle Gesellschaft, sagte Kultusministerin Claudia Bauer (ÖVP), die der Delegation angehörte, gegenüber Vatican News. Kein Thema gewesen sei das jüngst beschlossene Kinderkopftuchverbot in Österreich.

Österreich habe im Vatikan weiterhin Aufmerksamkeit, zeigte sich der Bundespräsident zufrieden: „Ich hatte den Eindruck, Österreich, so klein es auch von manchen gesehen wird – ich sage immer, so klein sind wir überhaupt nicht – die Entwicklung in Österreich stößt auch auf Interesse im Vatikan.“

Papst (70) und Präsident (82)
Papst (70) und Präsident (82)

Van der Bellen nutzte das Treffen außerdem, um Papst Leo XIV. eine offizielle Einladung nach Österreich auszusprechen. „Ich habe mich bemüht, den Papst aufs Wärmste nach Österreich einzuladen“, sagte er. „Es wird sicherlich nicht morgen und übermorgen sein, aber insgesamt hoffe ich doch, dass ich es als Bundespräsident noch erleben darf, dass Papst Leo Österreich besuchen wird.“

Das Gastgeschenk aus Österreich, über das Papst Leo sich am meisten gefreut habe, sei eine Spende für soziale Projekte in Peru gewesen, erklärte Van der Bellen. Das Geld wurde über den österreichischen Botschafter in jener Diözese übergeben, in der Leo XIV. früher Bischof war. Außerdem überreichte die Delegation eine hölzerne Kopie der Marienstatue aus der Basilika von Mariazell, des größten Wallfahrtsort Österreichs.

Die österreichische Delegation mit Papst Leo
Die österreichische Delegation mit Papst Leo   (ANSA)

Die österreichische Delegation in Rom war ungewöhnlich groß. Zu ihr gehörten auch First Lady Doris Schmidauer, die am Donnerstagabend in Rom ihr Buch „Land der Töchter, zukunftsreich“ vorstellt, Verkehrsminister Peter Hanke (SPÖ) sowie die Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung, Angelika Ritter-Grepl. Sie besuchte zusammen mit Doris Schmidauer im Vatikan außerdem Sr. Raffaella Petrini, die Leiterin des Vatikanstaates, zu einem Austausch.

Der Besuch des Bundespräsidenten in Italien dauert zwei Tage. Bereits am Mittwoch traf Van der Bellen den italienischen Präsidenten Sergio Mattarella. Mit ihm eröffnete er in Rom eine Gemäldeausstellung mit dem Titel „Von Wien nach Rom. Meisterwerke der Habsburger aus dem Kunsthistorischen Museum".

(vatican news – gs)

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05. März 2026, 15:03