Warum der Papst am Samstag nach Monaco reist
Das fragten wir unseren Kollegen Stefan v. Kempis.
„Zum einen muss man bedenken, dass zum letzten Mal vor ungefähr 500 Jahren ein Papst in Monaco war; in dieser Hinsicht war der Kleinstaat jetzt einfach mal dran. Außerdem hat das Fürstentum den Katholizismus sogar als Staatsreligion: Über achtzig Prozent der Einwohner sind Katholiken. Und die Beziehungen zwischen Monaco und dem Heiligen Stuhl, die immerhin ins 13. Jahrhundert zurückreichen, sind sehr gut; seit 1957 ist die Fürstenfamilie regelmäßig zu Gast im Vatikan. Das alles sind, für sich genommen, schon gute Gründe für einen Papstbesuch.“
Nun ist Monaco aber ein Eldorado der Gutbetuchten, mit Yachthafen und Casino. Und der Heilige Stuhl sieht sich doch eigentlich als Stimme der Armen und Vergessenen…
„In dieser Hinsicht gilt, was Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin 2021 bei einem Besuch in Monaco gesagt hat. ‚Monaco ist ein Wirtschaftszentrum, ja – aber die Kirche muss in allen sozialen Milieus präsent sein.‘ Und außerdem sei Monaco auf internationalem Niveau ein wichtiger Partner des Heiligen Stuhls, auch in der Entwicklungsarbeit in Afrika und dem Nahen Osten. Vatikansprecher Matteo Bruni hat an diesem Mittwoch bei der Vorstellung der Reise klargemacht, dass es politisch einige Schnittmengen in den Positionen von Monaco und dem Heiligen Stuhl gibt: beim Blick auf Europa, im Einsatz für die Umwelt, in Sachen Lebensschutz. Im Übrigen – darauf hat der für Monaco zuständige Erzbischof David in einem Interview mit uns hingewiesen – gibt es auch in Monaco viel versteckte Armut. Nicht das augenfällige, blanke Elend, aber viel Einsamkeit, innere Leere, Familiendramen, ebenso wie Menschen, die dort für ein bescheidenes Gehalt arbeiten und unter teils prekären Bedingungen leben…“
Papst Franziskus ist während seines Pontifikats (2013-25) nie nach Monaco gereist, obwohl man ihn durchaus eingeladen hatte…
„Das stimmt. Franziskus hat auch nicht London, Paris oder Berlin besucht, sondern ist schwerpunktmäßig an die ‚Peripherien‘ gereist, die er als ‚Papst vom anderen Ende der Welt‘ ins allgemeine Bewusstsein zurückholen wollte. Aber auch Franziskus hat zum Beispiel im Jahr 2021 etwa 300 Mitglieder des Hauses Habsburg bei sich im Vatikan empfangen oder 2024 den internationalen Finanzplatz Singapur bereist, hatte also in dieser Hinsicht keine Berührungsängste. Und auch Franziskus reiste häufig ganz speziell in Städte am Mittelmeer, woraus sich umrissweise so etwas wie eine Theologie des Mittelmeers abzeichnete: das Mittelmeer als Raum, wo sich Kulturen kreuzen. Außerdem gibt es eine Verbindung zwischen Leos Monacoreise und der letzten Reise von Papst Franziskus, die ihn bekanntlich 2024 auf die Insel Korsika führte, denn die Geschichte der Schutzpatronin Korsikas, der heiligen Devota (Dévote), ist eng mit der Geschichte Monacos verbunden. Und sowohl Franziskus in Korsika als jetzt auch Leo in Monaco kratzen mit ihren Reisen sozusagen an der französischen Peripherie…“
Worauf wird es ankommen bei der Papstreise nach Monaco?
„Vor allem auf das, was Leo sagt. Auch in einer Umgebung des Luxus ist Leo XIV., dessen erstes größeres apostolisches Schreiben um das Thema Armut kreiste, der Vertreter einer Kirche der Armen. Auch Jesus hatte keine Scheu, gerade im Haus von reichen Leuten – von Zöllnern beispielsweise – das Evangelium zu verkünden. Auch das gehört zum Auftrag der Kirche…“
(vatican news - sk)
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