US-Schwestern: Papst teilt Sorge um Notlage von Einwanderern
Isabella H. de Carvalho - Vatikanstadt
Angesichts der Polarisierung und der Spannungen in den Vereinigten Staaten in Bezug auf soziale und politische Fragen versucht die Kirche in den USA, eine Stimme des Friedens und der Harmonie zu sein. Die „Leadership Conference of Women Religious“ (LCWR) ist ein Verband, der die Zeichen der Zeit erkennt und darauf reagiert. Mit rund 30.000 Mitgliedern vereint sie die Spitzen katholischer Frauenorden und unterstützt sie bei der Erfüllung ihrer Aufgaben im Dienst des Evangeliums sowie bei der Bewältigung gesellschaftlicher Veränderungen in der Kirche.
Am Donnerstag, dem 26. März, traf Papst Leo XIV. im Rahmen der alljährigen Romreise der LCWR-Spitze mit führenden Ordensfrauen zusammen. Zu den besprochenen Themen gehörte die aktuelle Lage in seinem Heimatland.
„Als der Papst unsere bewegende Geschichte hörte, wie schmerzhaft die Behandlung von Menschen in den Vereinigten Staaten ist – nicht nur von US-Bürgern, sondern von Menschen an sich –, konnte ich den Schmerz in seinem Gesicht sehen“, sagte Schwester Carol Zinn von den Schwestern vom Heiligen Josef und Geschäftsführerin von LWCR gegenüber Vatican News.
An dem Treffen mit dem Papst nahmen auch die drei Schwestern teil, die das Präsidium von LWCR bilden: die Präsidentin, Schwester Vicky Larson von den Presentation Sisters, die designierte Präsidentin, Schwester Debra Sciano von den School Sisters of Notre Dame, und die ehemalige Präsidentin, Schwester Kathy Brazda von den Sisters of St. Joseph.
Das Evangelium ruft zur Aufnahme von Fremden auf
Die Spannungen in den Vereinigten Staaten haben sich im vergangenen Jahr aufgrund des harten Vorgehens der aktuellen Regierung gegen Einwander deutlich verschärft. Die Situation erreichte im Januar 2026 ihren Höhepunkt, nachdem Beamte der US-Einwanderungs- und Zollbehörde (ICE) zwei US-Bürger erschossen hatten.
Im November 2025 betonte die US-amerikanische Bischofskonferenz ihre Besorgnis über die Behandlung von Einwanderern im Land. Im selben Monat bekundete Papst Leo seine Unterstützung für diese Erklärung und rief dazu auf, Migranten mit Menschenwürde und Respekt zu behandeln.
„Die LWCR und der Papst teilen die Sorge um das Schicksal der Immigranten und den Auftrag des Evangeliums, Fremde willkommen zu heißen“, erklärte Schwester Vicky Larson gegenüber Vatican News.
Schwester Zinn erläuterte, dass die Ordensmitglieder der LWCR „alles in ihrer Macht Stehende tun, um vor Ort zu helfen“, indem sie Menschen mit dem Nötigsten wie Babynahrung oder Schuhen versorgen oder sie vor Gericht begleiten. „Wir engagieren uns auch auf Regierungsebene, sind also in beiden Bereichen aktiv“, fuhr sie fort und hob hervor, wie der Papst ihnen für ihre Arbeit gedankt habe.
Zuhören und Beziehungen als Gegengewicht zu Polarisierung
Schwester Zinn betonte, dass sich die Arbeit des LCWR derzeit auf die „Transformation des Bewusstseins“ konzentriert und fragt: „Wie können wir unsere Denkweise übereinander und unsere Wortwahl verändern?“
„Das Thema Polarisierung ist nach wie vor aktuell, nicht nur in den Vereinigten Staaten, aber dort ist es besonders präsent“, fuhr sie fort. „Es besteht die Tendenz, andere – fast alle – auszuschließen und sich in Lager zu spalten.“
Daher konzentriert sich ein Großteil der Arbeit der Organisation in letzter Zeit darauf, Beziehungen aufzubauen, um der Polarisierung auf menschlicher Ebene entgegenzuwirken. „Wir versuchen, diese Fähigkeiten selbst zu erlernen und dann andere – unsere Partner im Dienst, die Vorstände unserer geförderten Einrichtungen, die alle aus Laien bestehen – in diesen Lernprozess einzubeziehen“, erklärte Schwester Zinn.
„Um für Gerechtigkeit zu wirken, müssen wir unter anderem an Beziehungen arbeiten und Brücken über Gräben bauen, damit die Menschen einander verstehen und zusammenarbeiten können“, fügte Schwester Larson hinzu.
Ihr Bestreben wird durch ihren Ordensstand genährt, denn „das geweihte Leben basiert im Wesentlichen auf dem Konzept der Unterscheidung und des gemeinsamen Zuhörens“, sagte Schwester Larson.
Die Bemühungen, das gegenseitige Verständnis zu fördern, bauen auch „auf dem auf, wozu Papst Franziskus uns alle mit der Einberufung der Synode zur Synodalität aufgerufen hat“, bemerkte sie. „Ich denke, er hat uns mit dem Aufruf beschenkt, darüber nachzudenken, wie wir gemeinsam Kirche sind und wie wir kommunizieren und Weisheit teilen.“
Frauen und Führung in der Kirche: Eine Kulturfrage
Die beiden Leiterinnen der LCWR betonten, dass die Synodalität in vielen ihrer Organisationsstrukturen fest verankert sei. Die Schwestern kämen zusammen, um zu erörtern, wie sie auf die Bedürfnisse der Zeit reagieren könnten.
Sie hoben außerdem hervor, dass sie sich „mit vollem Einsatz“ am Synodenprozess beteiligt hätten, indem sie Feedback gaben, das zu den beiden Sitzungen der 16. Ordentlichen Generalversammlung der Bischofssynode im Oktober 2023 und 2024 beitrug.
Darüber hinaus erklärten die beiden Ordensschwestern, sie hätten sich sehr über Absatz 60 des Abschlussdokuments der Synode gefreut, der die Beteiligung von Frauen in der Kirche bekräftigt und hervorhebt, dass es keinen Grund geben sollte, warum Frauen keine Führungsrollen übernehmen sollten.
Sie lobten zudem den Abschlussbericht einer der Studiengruppen der Synode, die sich mit der Beteiligung und Führung von Frauen in der Kirche befasst hatte.
„Ich bin froh, dass dieses Thema angesprochen wird und nicht länger in Vergessenheit gerät“, sagte Schwester Zinn. „Es freut mich auch, dass sich zunehmend die Erkenntnis durchsetzt, dass die Rolle der Frau in Führungspositionen der Kirche nicht theologisch, nicht kirchlich, nicht historisch und nicht einmal kanonisch, sondern kulturell geprägt ist.“
„Die Gespräche weltweit, und insbesondere in den Vereinigten Staaten, müssen unbedingt auf der kulturellen Ebene beginnen“, sagte sie.
Schließlich betonte Schwester Zinn, dass sowohl Papst Franziskus als auch Papst Leo XIV. Frauen in Führungspositionen der Kirche berufen haben. Dies zeige ihr Engagement für einen Kulturwandel in Bezug auf die Rolle der Frau.
(vatican news – pr)
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