Das Letzte Abendmahl Das Letzte Abendmahl 

Radio-Akademie (1): Kar- und Ostergedanken von Papst Leo

Es sind seine bisher persönlichsten, geistlichsten Texte: Schon kurz nach seiner Wahl im Mai letzten Jahres hat Leo XIV. damit begonnen, sich eingehend mit dem Leiden und der Auferweckung Jesu zu beschäftigen.

Stefan von Kempis – Vatikanstadt

In unserer Radio-Akademie stellen wir Ihnen diese Gedanken vor. Zunächst geht es um das Letzten Abendmahl. „Geht in die Stadt; dort wird euch ein Mensch begegnen, der einen Wasserkrug trägt“, sagt Jesus seinen Jüngern, die ihn danach fragen, wo sie denn das Paschamahl vorbereiten sollen. Eine Anweisung Jesu, die zunächst „rätselhaft“ klingt, wie Papst Leo bemerkt: „Die Details werden zum Symbol: ein Mann, der einen Krug trägt – eine Geste, die zu jener Zeit normalerweise den Frauen zukam –, ein bereits vorbereiteter Raum im Obergeschoss, ein unbekannter Hausherr.“ Das alles hört sich so an, als sei alles schon im Voraus geplant worden.

Und tatsächlich ist genau das der Fall, wie Leo XIV. betont: Der Herr hat nichts dem Zufall überlassen. „In diesem Abschnitt offenbart uns das Evangelium, dass Liebe nicht Frucht des Zufalls ist, sondern einer bewussten Entscheidung. Es handelt sich nicht einfach um eine Reaktion, sondern um eine Entscheidung, die Vorbereitung verlangt. Jesus nimmt sein Leiden nicht als zufälligen Schicksalsschlag auf sich, sondern aus Treue zu einem Weg, den er frei und bewusst eingeschlagen hat. Das ist unser Trost: zu wissen, dass die Hingabe seines Lebens aus einer tiefen Absicht heraus entstanden ist, nicht aus einem plötzlichen Impuls.“

  (@Vatican Media)
Papst Leo: Betrachtungen zu Tod und Auferstehung Jesu - Radio-Akademie von Radio Vatikan (Auszug)

Alles von langer Hand vorbereitet...

Aber dass alles schon von langer Hand vorbereitet ist, bezieht der Papst in seinen Gedanken nicht nur auf den Raum im Obergeschoss, in dem das Paschamahl Jesu mit seinen Aposteln stattfinden soll. Dass Gott Raum einen Raum für uns schafft, meint jeden Einzelnen von uns heute.

„Dieser Ort ist im Grunde unser Herz: ein ‚Raum‘, der leer erscheinen mag, aber nur darauf wartet, erkannt, erfüllt und bewahrt zu werden. Das Paschamahl, das die Jünger vorbereiten sollen, ist in Wirklichkeit im Herzen Jesu schon bereit. Er ist es, der an alles gedacht, alles vorbereitet, alles entschieden hat. Dennoch bittet er seine Freunde, ihren Teil zu tun. Das lehrt uns etwas Wesentliches für unser geistliches Leben… Wie damals gilt es auch heute ein Mahl vorzubereiten.“

„In eine Geste eintreten, die über uns selbst hinausgeht“

Und das meint, wie Papst Leo ausdrücklich hervorhebt, nicht nur die Liturgie. Es gehe „um unsere Bereitschaft, in eine Geste einzutreten, die über uns selbst hinausgeht“. „Die Eucharistie wird nicht nur am Altar gefeiert, sondern auch im Alltag, wo es möglich ist, alles als dargebrachte Gabe und Danksagung zu leben. Sich auf diese Danksagung vorzubereiten, bedeutet nicht, mehr zu tun, sondern Raum zu lassen. Es bedeutet, Überflüssiges zu beseitigen, Ansprüche zu senken, unrealistische Erwartungen aufzugeben.“

Vorbereiten: Das war der Ausgangspunkt des Papstes. Oft verwechseln wir Vorbereiten mit Aktionismus, mit einer Aufgabe, die wir erfüllen sollten. Aber vor Gott bedeutet Vorbereiten, dass wir eintreten in einen Raum, den Gott uns schon längst hergerichtet hat.

  (Erzdiözese Wien/ Schönlaub Stephan)

Das Pascha der Liturgie - und unseres Lebens...

„Liebe Brüder und Schwestern, auch wir sind eingeladen, das Paschamahl des Herrn vorzubereiten. Nicht nur das liturgische, sondern auch das unseres Lebens. Jede Geste der Bereitschaft, jedes unentgeltliche Handeln, jede im Voraus gegebene Vergebung, jede geduldig angenommene Mühsal ist ein Weg, einen Ort vorzubereiten, wo Gott wohnen kann.“

Ähnlich wie sein Vorgänger, der verstorbene Papst Franziskus, verbindet auch Leo das mit ein paar konkreten Fragen, die sich jeder von uns stellen sollte: „Welche Räume in meinem Leben muss ich neu ordnen, damit sie bereit sind, den Herrn aufzunehmen? Was bedeutet ‚vorbereiten‘ heute für mich? Vielleicht, auf einen Anspruch zu verzichten, aufzuhören zu erwarten, dass der andere sich verändert, den ersten Schritt zu tun...

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(vatican news)
 

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01. März 2026, 09:24