Papst warnt: Leben ohne Gott wird unnatürlich
von Birgit Pottler - Vatikanstadt
Ohne die lebendige Beziehung zu Gott, beginne das Leben „von innen her in Unordnung zu geraten“, sagte der Papst in einer Audienz für Seminaristen, ihre Bischöfe und Angehörige aus den Ausbildungsstätten für die Bistümer Alcalá de Henares, Toledo, Cataluña und Cartagena.
Nicht leben, als ob es Gott nicht gäbe
Der übernatürliche Blick auf die Wirklichkeit trage „alles andere still“ und laufe daher Gefahr, als selbstverständlich vorausgesetzt zu werden, warnte der Papst. Der Mensch sei „nicht dazu geschaffen, in sich selbst eingeschlossen zu leben, sondern in lebendiger Beziehung zu Gott. Wenn diese Beziehung verdunkelt oder geschwächt wird, beginnt das Leben von innen her in Unordnung zu geraten“.
Das Unnatürliche sei nicht nur das Skandalöse, es genüge, „im Alltag so zu leben, als ob es Gott nicht gäbe, ihn an den Rand der Maßstäbe und Entscheidungen zu stellen“, die man für das Leben ansetze.
Gerade für Seminaristen und Priester sei diese Versuchung besonders gefährlich, wandte der Papst sich an die jungen Männer aus Spanien. „Was könnte unnatürlicher sein als ein Seminarist oder Priester, der mit Vertrautheit von Gott spricht, innerlich aber lebt, als existiere seine Gegenwart nur auf der Ebene der Worte?“ Nichts sei riskanter, als sich an Göttliches zu gewöhnen, ohne von Gott zu leben.
Ein übernatürlicher Blick bedeute keine Flucht aus der Realität, sondern die Fähigkeit, Gottes Handeln in den konkreten Ereignissen des Alltags zu erkennen. Dieser Blick sei entscheidend, „umso mehr für den, der in persona Christi handeln wird. Er verdient schon in der Ausbildungszeit besondere Aufmerksamkeit, weil er das Prinzip ist, das allem anderen Einheit verleiht“. Studium, Gebet und Gemeinschaft könnten innerlich leer werden, wenn sie nicht aus dieser Beziehung gespeist seien und „zu bloßer Pflichterfüllung verkommen“. Als „einfachen und bewährten Weg“ nannte der Papst die „Übung der Gegenwart Gottes“, die das Herz wachhalte.
Priesterseminar ist Zeichen der Hoffnung
Welche Bedeutung Papst Leo XIV. den Priesterseminarien zuschreibt, hatte er gleich zu Beginn seiner Ansprache deutlich gemacht, in einer Art Captatio benevolentiae antiker Redentradition: „Das Seminar ist immer ein Zeichen der Hoffnung für die Kirche.“
(vatican news)
Der Papst bezieht sich auf Heretics, VI, von Gilbert K. Chesterton (1874-1936).
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