Im Wortlaut: Die Katechese von Papst Leo XIV. beim Angelus
Liebe Brüder und Schwestern, einen schönen Sonntag!
An diesem zweiten Sonntag nach Weihnachten möchte ich euch allen zunächst noch einmal meine guten Wünsche übermitteln. Übermorgen werden wir mit der Schließung der Heiligen Pforte des Petersdoms das Heilige Jahr der Hoffnung beschließen, und gerade das Geheimnis von Weihnachten, in das wir vertieft sind, erinnert uns daran, dass die Grundlage unserer Hoffnung die Menschwerdung Gottes ist.
Das Wort ist Fleisch geworden
Der Prolog des Johannesevangeliums, den uns die Liturgie auch heute wieder vorlegt, erinnert uns daran: »Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt« (Joh 1,14). Die christliche Hoffnung beruht nämlich nicht auf optimistischen Voraussagen oder menschlichen Berechnungen, sondern auf Gottes Entscheidung, unseren Weg mit uns zusammen zu gehen, damit wir auf unserer Lebensreise nie allein sind. Dies ist das Werk Gottes: In Jesus ist er zu einem von uns geworden, hat er sich entschieden, bei uns zu bleiben, wollte er für immer der Gott-mit-uns sein.
Doppelte Verpflichtung
Jesu Kommen in der Schwachheit des menschlichen Fleisches belebt einerseits unsere Hoffnung, überträgt uns andererseits jedoch eine doppelte Verpflichtung, eine gegenüber Gott und eine gegenüber den Menschen.
Gegenüber Gott, denn wenn er Mensch geworden ist, wenn er unsere menschliche Schwachheit zu seiner Wohnstätte erwählt hat, dann sind wir stets dazu aufgerufen, vom Fleisch Jesu her neu über Gott nachzudenken und nicht indem wir von einer abstrakten Lehre ausgehen.
Glaubensformen überprüfen
Deshalb müssen wir stets unsere Spiritualität und die Formen, in denen wir unseren Glauben zum Ausdruck bringen, überprüfen, damit sie wirklich inkarniert sind, also dazu fähig, den Gott zu denken, anzurufen und zu verkünden, der uns in Jesus begegnet: nicht einen fernen Gott, der in einem perfekten Himmel über uns wohnt, sondern einen nahen Gott, der in unserer zerbrechlichen Welt wohnt, uns im Antlitz unserer Brüder und Schwestern begegnet und sich in den Situationen des täglichen Lebens offenbart.
Konsequentes Engagement
Gegenüber den Menschen muss unser Engagement ebenso konsequent sein. Wenn Gott einer von uns geworden ist, dann ist jedes menschliche Geschöpf sein Abbild, trägt es sein Bild in sich, bewahrt es einen Funken seines Lichts. Und dies erfordert von uns, die unverletzliche Würde jedes Menschen anzuerkennen und uns in gegenseitiger Liebe zu üben.
Sorge um die Schwächsten
So verlangt die Menschwerdung von uns auch ein konkretes Engagement zur Förderung der Geschwisterlichkeit und der Gemeinschaft, damit die Solidarität zum Maßstab der menschlichen Beziehungen wird, ein konkretes Engagement für Gerechtigkeit und Frieden, für die Sorge um die Verwundbarsten und die Verteidigung der Schwachen. Gott ist Mensch geworden, daher gibt es keine echte Verehrung Gottes ohne die Sorge um den Menschen aus Fleisch und Blut.
Liebe Brüder und Schwestern, die Weihnachtsfreude ermutige uns, unseren Weg fortzusetzen. Zugleich bitten wir die Jungfrau Maria, dass sie uns immer mehr bereit mache, Gott und unseren Nächsten zu dienen.
(vatican news - ck)
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