Leo: Mehr Aufmerksamkeit für Bedürftige, Leidende, Kranke
Stefanie Stahlhofen - Vatikanstadt
Die katholische Kirche begeht den 34. Welttag der Kranken am 11. Februar 2026 feierlich in Chiclayo, Peru - dort war Leo XIV. bevor er Papst wurde, lange als Missionar. Die Papst-Botschaft zum Welttag veröffentlichte der Vatikan vorab diesen Dienstag. Sie trägt den Titel: „Das Mitgefühl des Samariters: Lieben, indem man das Leid des anderen mitträgt." Dazu führt das katholische Kirchenoberhaupt aus: „In diesem Gleichnis ist Mitgefühl das charakteristische Merkmal aktiver Liebe. Es ist weder theoretisch noch sentimental, sondern äußert sich in konkreten Gesten: Der Samariter nähert sich, er behandelt die Wunden, er kümmert sich und nimmt sich an. Aber Achtung, er tut dies nicht allein, als Einzelperson: Der Samariter suchte einen Gastgeber, der sich um jenen Mann kümmern konnte; genauso sind auch wir gerufen, andere einzuladen und uns in einem „Wir“ zu begegnen, das stärker ist als die Summe der kleinen Einzelpersonen."
Krankenpflege ist gemeinsame Aufgabe aller
Der Papst betont in seiner Botschaft also als einen wichtigen Punkt, dass Krankenpflege auch gemeinsame Aufgabe aller sei. Er berichtet in der Botschaft auch von seiner eigenen Erfahrung in Peru:
„Ich selbst habe in meiner Erfahrung als Missionar und Bischof in Peru festgestellt, dass viele Menschen Barmherzigkeit und Mitgefühl im Stil des Samariters und des Wirtes teilen. Die Familienangehörigen, die Nachbarn, das Personal wie auch die Seelsorger im Gesundheitswesen und viele andere, die innehalten, sich nähern, pflegen, Lasten tragen, begleiten und von ihrem Besitz geben, verleihen dem Mitgefühl eine soziale Dimension. Diese Erfahrung, die sich in einem Beziehungsgeflecht verwirklicht, geht über das rein individuelle Engagement hinaus." Und Leo XIV. erinnert daran, dass er in seinem ersten Lehrschreiben, in der Apostolischen Exhortation „Dilexi te" die Pflege der Kranken nicht nur als „wichtigen Teil” der Sendung der Kirche bezeichnet, sondern als echte „kirchliche Handlung" (Nr. 49).
„Ich wünsche mir von ganzem Herzen, dass diese geschwisterliche, ,samaritanische`, integrative, mutige, engagierte und solidarische Dimension, die ihre tiefste Wurzel in unserer Vereinigung mit Gott im Glauben an Jesus Christus hat, in unserer christlichen Lebensweise niemals fehlen möge. Entflammt von dieser göttlichen Liebe können wir uns wirklich für alle Leidenden einsetzen, insbesondere für unsere kranken, alten und leidgeprüften Brüder und Schwestern."
Leo XIV. führt in seiner Botschaft auch aus, dass die gemeinsame Sorge um Kranke und Bedürftige auch für die Ökumene wichtig sei: „Eins zu sein in dem Einen setzt voraus, dass wir uns wirklich als Glieder eines Leibes fühlen, in dem wir gemäß unserer jeweiligen Berufung das Mitgefühl des Herrn für das Leiden aller Menschen weitergeben. Mehr noch, der Schmerz, der uns bewegt, ist kein fremder Schmerz, sondern der Schmerz eines Gliedes unseres eigenen Leibes, zu dem uns unser Haupt zum Wohl aller sendet. In diesem Sinne vereint er sich mit dem Schmerz Christi und trägt, sofern er im christlichen Sinne aufgeopfert wird, zur Erfüllung des Gebets des Erlösers für die Einheit aller bei."
Begegnung und Freude, für andere da zu sein
In seiner Botschaft zum Welttag der Kranken hebt der Papst als weiteren wichtigen Punkt auch die Freude hervor, die aus der Begegnung und Hilfe anderer entspringt. Leo XIV. bezieht sich mit Blick auf die Geschwisterlichkeit aller auch besonders auf die Enzyklika „Fratelli tutti" seines Vorgängers im Amt, Papst Franziskus, Untertitel: Über die Geschwisterlichkeit und die soziale Freundschaft. Papst Leo betont in seiner Krankenbotschaft dementsprechend, es gehe darum, Mitgefühl und Erbarmen gegenüber Bedürftigen nicht auf ein rein individuelles Bemühen zu beschränken, sondern „sich in einer Beziehung zu verwirklichen: zum bedürftigen Bruder und zur bedürftigen Schwester, zu denen, die sich ihrer annehmen und – als Grundlage – zu Gott, der uns seine Liebe schenkt." In Anlehnung an Papst Franziskus kritisiert auch Papst Leo eine oftmals vorherrschende „Wegwerfmentalität und Gleichgültigkeit" in der heutigen Zeit:
„Wir leben in einer Kultur, die von Schnelligkeit, Unmittelbarkeit und Eile geprägt ist, aber auch von einer Wegwerfmentalität und Gleichgültigkeit, was uns daran hindert, aufeinander zuzugehen und innezuhalten, um die Nöte und das Leid um uns herum wahrzunehmen." Der Samariter gehe jedoch nicht vorüber, als er den Verletzten sah, sondern habe einen offenen und aufmerksamen Blick für ihn gehabt - „den Blick Jesu, der ihn zu menschlicher Nähe und Solidarität bewegte", erläutert Leo XIV. mit Blick auf das Gleichnis in der Bibel.
Mit Blick auf Barmherzigkeit und Nächstenliebe lehnt sich Leo XIV. an weitere Vorgänger-Päpste an, nämlich Benedikt XIV. und Johannes Paul II.,:
„Die Liebe ist nicht passiv, sie geht auf den anderen zu. Ob man zum Nächsten wird, hängt nicht von physischer oder sozialer Nähe ab, sondern von der Entscheidung zu lieben. Deshalb macht sich der Christ zum Nächsten des Leidenden und folgt damit dem Beispiel Christi, dem wahren göttlichen Samariter, der für die verwundete Menschheit zum Nächsten wurde. Es handelt sich nicht um bloße Gesten der Menschenfreundlichkeit, sondern um Zeichen, an denen man erkennen kann, dass die persönliche Anteilnahme am Leiden der anderen Selbsthingabe bedeutet, dass es darum geht, über das Stillen von Bedürfnissen hinauszugehen, sodass wir selbst Teil der Gabe werden."
Liebe zu Gott, um uns selbst und unseren Mitmenschen zu begegnen
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