Papst: „Konzil ist Leitstern für Kirche heute“
Silvia Kritzenberger - Vatikanstadt
„Während wir also den Ruf verspüren, seine Prophetie nicht verstummen zu lassen und auch weiter nach Wegen und Mitteln zu suchen, die von diesem Konzil erlangten Einsichten umzusetzen, ist es heute umso wichtiger, es erneut aus nächster Nähe kennenzulernen – und zwar nicht durch Hörensagen oder bereits erfolgte Interpretationen, sondern durch erneutes Lesen seiner Dokumente und ein Nachdenken über deren Inhalt,“ leitete Papst Leo die Katechese bei seiner ersten Generalaudienz im neuen Jahr ein. „Es handelt sich dabei nämlich um das Lehramt, das auch heute noch der Leitstern auf dem Weg der Kirche ist. Wie Benedikt XVI. lehrte, 'haben die Konzilsdokumente im Laufe der Jahre nicht an Aktualität verloren; ihre Lehren erweisen sich sogar als besonders nützlich im Bezug auf die neuen Anliegen der Kirche und der jetzigen globalisierten Gesellschaft'.“
Kirche: Gemeinschaft und Sakrament der Einheit zwischen Gott und seinem Volk
Das Konzil habe das Verständnis von Gott als liebendem Vater erneuert und die Kirche als Gemeinschaft und Sakrament der Einheit zwischen Gott und seinem Volk beschrieben, würdigte der Papst die Bischofsversammlung, die 1962 von Johannes XXIII. einberufen wurde und die unter der Führung seines Nachfolgers Paul VI. bis zum 8. Dezember 1965 im Petersdom in Rom tagte.
„Das Konzil hat auch eine wichtige liturgische Erneuerung eingeleitet, indem es das Heilsgeheimnis und die aktive und bewusste Teilnahme des gesamten Volkes Gottes in den Mittelpunkt gestellt hat. Gleichzeitig hat es uns auch geholfen, uns der Welt zu öffnen und die Veränderungen und Herausforderungen der modernen Zeit im Dialog und in der Mitverantwortung anzunehmen – als eine Kirche, die den Wunsch hat, der Menschheit ihre Arme entgegenzustrecken, den Hoffnungen und Nöten der Völker eine Stimme zu geben und am Aufbau einer gerechteren und geschwisterlicheren Gesellschaft mitzuwirken.“
Das Konzil habe die Kirche also zum Dialog mit der Welt ermutigt, dazu aufgerufen, am Aufbau einer gerechteren und brüderlicheren Gesellschaft mitzuwirken und unsere Verantwortung für Gerechtigkeit und Frieden angemahnt, beschrieb Papst Leo dieses denkwürdige kirchliche Ereignis weiter, an dem 2.850 Konzilsväter teilnahmen und bei dem 16 Dokumente verabschiedet wurden.
Wachsame Deuter der Zeichen der Zeit, freudige Verkünder des Evangeliums und mutige Zeugen der Gerechtigkeit und des Friedens
„Dieser Geist, diese innere Haltung muss unser geistliches Leben und das pastorale Wirken der Kirche prägen, denn wir müssen die kirchliche Reform noch umfassender in ihrer dienenden Dimension umsetzen – und sind angesichts der heutigen Herausforderungen gerufen, wachsame Deuter der Zeichen der Zeit zu sein, freudige Verkünder des Evangeliums und mutige Zeugen der Gerechtigkeit und des Friedens,“ brachte der Papst die Berufung eines Christen auf den Punkt.
Päpste von Johannes XXIII. bis Franziskus hätten die bleibende Aktualität des Konzils hervorgehoben, betonte Papst Leo - und stellte abschließend fest:
„Brüder und Schwestern, was Papst Paul VI. am Ende der Arbeiten zu den Konzilsvätern sagte, bleibt auch für uns heute ein wegweisender Maßstab. Er erklärte, dass die Stunde des Aufbruchs gekommen sei; die Zeit, die Konzilsversammlung zu verlassen, um der Menschheit entgegenzugehen und ihr die frohe Botschaft des Evangeliums zu bringen – in dem Bewusstsein, eine Zeit der Gnade erlebt zu haben, in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander verschmelzen.“
(vaticannews – skr)
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