Generalaudienz: Leo XIV. über die revolutionäre Kraft der Offenbarung
Mario Galgano - Vatikanstadt
Vor tausenden Pilgern erläuterte das Kirchenoberhaupt, dass Jesus Christus die Beziehung des Menschen zu Gott radikal verändert habe. Unter Berufung auf das Johannesevangelium („Ich nenne euch Freunde“) machte der Pontifex deutlich, dass die einzige Bedingung für diesen neuen Bund die Liebe sei. „Gott ist Gott und wir sind Geschöpfe“, räumte er ein, doch in seinem Sohn habe Gott die asymmetrische Distanz überbrückt, um uns ihm ähnlich zu machen.
Wort statt „Geschwätz“
Besonders eindringlich sprach der Papst über die Natur der Kommunikation. Er zog eine scharfe Trennlinie zwischen dem authentischen Wort und dem, was er als bloßes „Geschwätz“ bezeichnete. Während Letzteres an der Oberfläche bleibe und keine Gemeinschaft stifte, diene das echte Wort dazu, das eigene Wesen zu offenbaren.
In der Offenbarung rede der unsichtbare Gott aus „überströmender Liebe“ die Menschen wie Freunde an. Dieser göttliche Dialog vertrage kein Schweigen, sondern lebe vom Austausch wahrhaftiger Worte. „Gott spricht zu uns als Verbündeter“, so das katholische Kirchenoberhaupt. Damit dieser Dialog gelinge, sei die erste notwendige Haltung das aufmerksame Zuhören.
Gebet als Pflege der Freundschaft
Um diese göttliche Freundschaft lebendig zu halten, sei das Gebet unverzichtbar. Der Papst unterschied hierbei zwischen der liturgischen Gemeinschaft und dem persönlichen Zwiegespräch im Herzen. Er mahnte die Gläubigen, Gott im Gebet nicht Dinge mitzuteilen, die dieser ohnehin wisse, sondern sich selbst vor ihm zu offenbaren.
„Im Tages- und Wochenablauf eines Christen darf die Zeit für das Gebet, die Meditation und die Besinnung nicht fehlen“, forderte das Oberhaupt der katholischen Kirche. Nur wer im Dialog mit Gott stehe, könne auch glaubwürdig über ihn sprechen.
Warnung vor der „Unaufmerksamkeit“
Zum Abschluss seiner Vertiefung der Dogmatischen Konstitution „Dei Verbum - über die göttliche Offenbarung" zog der Pontifex einen Vergleich zu menschlichen Beziehungen. Erfahrungen lehrten, dass Freundschaften nicht nur durch dramatische Trennungen, sondern oft durch eine „Reihe von täglichen Unaufmerksamkeiten“ zerbrechen würden. Er rief die Anwesenden dazu auf, den Ruf Jesu zur Freundschaft nicht ungehört zu lassen: „Pflegen wir diese Beziehung, und wir werden entdecken, dass gerade die Freundschaft mit Gott unser Heil ist.“
(vatican news)
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