Generalaudienz: Wir sind Gottes geliebte Kinder
Silvia Kritzenberger - Vatikanstadt
„Wir haben gesehen, dass Gott sich offenbart in einem Dialog des Bundes, in dem er zu uns spricht wie zu Freunden,“ betonte der Papst bei der Generalaudienz in der vatikanischen Audienzhalle. „Es handelt sich also um eine auf Vertrautheit beruhende Beziehung, die nicht nur Ideen vermittelt, sondern eine Geschichte teilt und zur Gemeinschaft in der Gegenseitigkeit aufruft. Die Erfüllung dieser Offenbarung vollzieht sich in einer historischen und persönlichen Begegnung, in der Gott sich uns schenkt, indem er sich gegenwärtig macht, und wir entdecken, dass wir in unserer tiefsten Wahrheit erkannt werden.“
Jesus offenbare uns den Vater, indem er die Menschen in seine eigene Beziehung zu Gott hineinnehme, führte der Pontifex weiter aus. Durch den Heiligen Geist erhielten sie Zugang zum Vater und Anteil an der göttlichen Natur. Wahre Gotteserkenntnis vollziehe sich also nicht außerhalb, sondern innerhalb dieser gegenseitigen Beziehung.
„Dank Jesus erkennen wir Gott so, wie er uns erkannt hat. Denn in Christus hat sich Gott uns mitgeteilt und uns zugleich unsere wahre Identität als Kinder offenbart, die nach dem Bild des Wortes geschaffen sind. Dieses „ewige Wort ist das Licht aller Menschen“ (DV, 4) und offenbart ihnen ihre Wahrheit im Blick des Vaters… Jesus Christus ist der Ort, an dem wir die Wahrheit Gottes, des Vaters, erkennen, während wir entdecken, dass wir von ihm als Kinder im Sohn erkannt werden und zu einem Leben in Fülle berufen sind.“
Christus sei also nicht nur Übermittler, sondern selbst Mitte und Vollendung dessen, was Gott den Menschen über sich und ihr Heil mitteilen wolle. Wer Christus begegne, erkenne sich selbst im liebenden Blick des Vaters wieder und sei zu einem Leben in Fülle berufen.
Jesus offenbart den Vater durch sein ganzes Leben
„Gerade weil er das fleischgewordene Wort ist, das unter den Menschen wohnt, offenbart uns Jesus Gott durch sein eigenes, ganzes und wahres Menschsein. So sagt uns das Konzil: „Wer ihn sieht, sieht auch den Vater. Er ist es, der durch sein ganzes Dasein und seine ganze Erscheinung, durch Worte und Werke, durch Zeichen und Wunder, vor allem aber durch seinen Tod und seine herrliche Auferstehung von den Toten, schließlich durch die Sendung des Geistes der Wahrheit die Offenbarung erfüllt und abschließt“, zitierte Papst Leo aus dem Konzilsdokument über die göttliche Offenbarung (DV, 4).
Die Offenbarung Gottes dürfe daher nicht auf einzelne Ereignisse reduziert werden. Was rette, sei nicht nur der Tod und die Auferstehung Jesu, sondern seine Person selbst – der menschgewordene Sohn Gottes, der in der Welt wirkt und in der Mitte der Gläubigen bleibt.
Wörtlich sagte der Papst:
„Um die Größe der Menschwerdung zu würdigen, reicht es daher nicht aus, Jesus als Übermittler intellektueller Wahrheiten zu betrachten. Wenn Jesus einen wahren Leib hat, dann geschieht die Übermittlung der Wahrheit Gottes in diesem Leib, mit seiner Art und Weise, die Wirklichkeit wahrzunehmen und zu empfinden, mit seiner Art, in der Welt zu sein und in ihr zu wirken. Jesus selbst lädt uns ein, die Wirklichkeit mit seinen Augen zu sehen: „Seht euch die Vögel des Himmels an“, sagt er, „sie säen nicht, sie ernten nicht und sammeln keine Vorräte in Scheunen; euer himmlischer Vater ernährt sie. Seid ihr nicht viel mehr wert als sie?“ (Mt 6,26).“
Abschließend betonte das katholische Kirchenoberhaupt die daraus erwachsende Gewissheit des christlichen Glaubens: Wer dem Weg Jesu folge, könne darauf vertrauen, dass nichts den Menschen von der Liebe Gottes trennen kann. „Dank Jesus erkennt der Christ Gott, den Vater, und gibt sich voller Zuversicht in seine Hand,“ schloss Papst Leo seine Katechese an diesem Mittwoch.
(vaticannews – skr)
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